Leon Hattori - Horizons

Leon Hattori - Horizons - Album cover
Leon Hattori - Horizons

Leon Hattori
Horizons

Erscheinungstermin: 17.10.2025
Label: Owl Way Records, 2025

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jazz-fun`s recap:

Die Verbindung unterschiedlicher Kulturen war schon immer eine der spannendsten Triebkräfte in der Musik. Wenn westlich-europäische und fernöstliche Klangwelten aufeinandertreffen, entsteht daraus häufig etwas besonders Kostbares – wie im Fall von Horizons des deutsch-japanischen Pianisten und Komponisten Leon Hattori.

Auf den ersten Blick scheint diese Musik vertraut: klare Gitarren- und Pianoklänge, eine fein strukturierte Rhythmusgruppe, alles präzise ausbalanciert. Doch das Wesentliche liegt zwischen den Tönen. In den subtilen melodischen Wendungen, in den harmonischen Nuancen offenbart sich der kulturelle Dialog, den Hattori und seine Mitmusiker führen – mit Respekt, Sensibilität und feiner Klangvorstellung.

Horizons ist eine Musik, die Grenzen nicht überschreitet, sondern neue Horizonte sichtbar macht. Sie bewegt sich in einem eigenen, leuchtenden Raum – durchdacht, ausdrucksstark und voller stiller Intensität. Eine Einladung zum Zuhören, zum Nachspüren, zum gedanklichen Reisen.

Ein Album, das keine großen Gesten braucht, um zu berühren. Es überzeugt durch Klarheit, kompositorische Reife und eine außergewöhnliche Klangkultur.

(Jacek Brun, 17.10.2025)

Besetzung

Leon Hattori - Piano & Synthesizer
Eliott Knuets - Gitarre & Effekte
Nico Klöffer - Bass
Simon Bräumer - Drums

Leon Hattori – Musik aus dem Raum zwischen den Welten

„Horizons” ist eine Reflexion des deutsch-japanischen Pianisten Leon Hattori über seine eigene mehrkulturelle Identität. Musikalisch ist es von Musikern wie Lage Lund und Ben van Gelder beeinflusst, mit denen Hattori bereits gemeinsam auf der Bühne stand.

Die Auseinandersetzung mit bildenden Künstler:innen, die wie Hattori selbst zwischen westlichen und asiatischen Kulturen wandeln, führte zum thematischen Ursprung des Albums. So finden Zuhörer:innen in „Kōen” eine Hommage an den japanisch-amerikanischen Bildhauer Isamu Noguchi, den Schöpfer eines ganz besonderen Parks in Hattoris Heimatstadt Sapporo, von dem dieser sich schon als Kind besonders angezogen fühlte. „Beat Generation” wiederum würdigt die gleichnamige literarische Bewegung der 1950er Jahre und die expressiven Gemälde der chinesisch-amerikanischen Malerin Bernice Bing.

Hattoris Kompositionen werden durch zwei Stücke des belgischen Gitarristen Eliott Knuets ergänzt. Mit „Cranes” und „C-Star” steuert der junge Gitarrist zwei eindrucksvolle Stücke bei, die seine bemerkenswerte Reife als Instrumentalist und Komponist unter Beweis stellen.

Im Zusammenspiel mit Knuets sowie seinen langjährigen musikalischen Begleitern Nico Klöffer (Bass) und Simon Bräumer (Schlagzeug) entfaltet sich eine gemeinsame musikalische Sprache, in der individuelle Stimmen zu einem größeren Ganzen finden. Gemeinsam brechen die Musiker zu neuen Horizonten auf, dorthin, wo Vertrautes und Fremdes aufeinandertreffen und Musik einen Raum der Begegnung schafft, der Grenzen überwindet und neue Perspektiven eröffnet.

In den vergangenen Jahren, insbesondere während meines Masterstudiums an der Kölner Musikhochschule (2022–2024), habe ich mich intensiv mit der Frage nach meiner Identität auseinandergesetzt. Wer bin ich? Wo komme ich her? Was möchte ich mit meiner Musik ausdrücken? Diese Fragen begleiteten mich in dieser Zeit besonders stark. Da ich in drei Ländern aufgewachsen bin – geboren in Japan, während der Grundschulzeit nach Deutschland gezogen und 2013 mit meiner Familie nach Neuseeland gezogen, wo ich schließlich meinen Schulabschluss machte –, war diese Suche für mich stets eine komplexe Angelegenheit. Seit meiner Kindheit beschäftigt mich das Thema Zugehörigkeit.

Ende 2022 besuchte ich im Museum Ludwig in Köln eine Sonderausstellung über Isamu Noguchi. Noguchi war ein halb japanischer, halb amerikanischer Bildhauer, der in meiner Heimatstadt Sapporo Spielplätze entworfen hat, auf denen ich als Kind oft gespielt habe. Der Ausstellungsbesuch bewegte mich zutiefst, da ich in Noguchis Leben und Gedanken viele Parallelen zu meinen eigenen Erfahrungen wiederfand.

So entstand die Idee, ein Programm zu komponieren, das von halb-asiatischen, halb-westlichen Künstler:innen inspiriert ist. Vier dieser Werke haben ihren Weg auf dieses Album gefunden, ergänzt durch zwei Stücke des Gitarristen Eliott Knuets sowie die Komposition „Corduroy”, die das Album stilistisch auf ideale Weise abrundet.

Mit diesem Programm möchte ich das Leben und die Werke dieser Künstler:innen würdigen, die mir mit ihrer Kunst ein Gefühl von Zugehörigkeit gegeben haben. Zugleich hoffe ich, mit meiner Musik anderen Menschen ein ähnliches Gefühl vermitteln zu können.

Fountain Lady
Eine Hommage an Ruth Asawa (1926–2013)
Ruth Asawa war eine japanisch-amerikanische Künstlerin, die in der Bay Area von San Francisco als Ikone galt. Sie wurde zunächst besonders für ihre filigranen Drahtskulpturen in aufwendiger Flechttechnik berühmt. Später schuf sie mehrere öffentliche Brunnen in San Francisco, wodurch sie den Spitznamen „Fountain Lady“ erhielt.

Cranes
Eliott: „Ich schrieb dieses Stück vor drei Jahren, als ich nach Basel zog. Beim Üben schaute ich oft in die Abendsonne, in der sich zahlreiche Baukräne am Horizont abzeichneten. Diese Szenerie inspirierte mich und gab dem Stück seinen Namen.“

Under Our Feet
Diese Komposition ist inspiriert von Marjorie Pigott (1904–1990), einer japanisch-kanadischen Künstlerin. Sie wurde in Yokohama geboren, floh 1940 vor dem drohenden Krieg mit ihrer Schwester nach Kanada und entwickelte dort ihren eigenen halb-abstrakten Aquarellstil. In Japan hatte sie eine Ausbildung in der traditionellen Nanga-Malerei absolviert, die sie auf kanadische Landschaften anwandte.

Corduroy
Im Surferslang bezeichnet „Corduroy” eine Serie gleichmäßig geordneter Wellen, die wie die Rippen einer Cordhose über das Meer verlaufen. Die Harmonien dieses Stücks greifen diese wellenartige Struktur auf, während die Melodie darüber gleitet – wie ein Surfer, der die Wellen nutzt, um seine Linien zu zeichnen.

C-Star
Eliott: „Dieses Stück entstand ebenfalls im ersten Jahr meines Studiums in Basel. Es ist meinem Freund Cesar gewidmet, den ich im Jahr zuvor während unserer Schulzeit verloren habe. Der Titel ‚C-Star‘ bezieht sich auf seinen Namen, damit ich ihn nie vergesse.“

Beat Generation
Das Stück ist inspiriert vom expressiven Werk der chinesisch-amerikanischen Künstlerin Bernice Bing (1936–1998): wild, strukturiert, emotional. Das Stück soll den rebellischen Geist der Beat-Ära visuell widerspiegeln. In ihren Gemälden verband Bing unterschiedlichste Einflüsse aus Techniken aus Asien und den USA zu einer einzigartigen Bildsprache. Besonders die Werke Self Portrait with a Mask und Lotus waren wichtige Inspirationsquellen für dieses Stück.

Kōen
Das Stück ist eine Ode an den japanisch-amerikanischen Bildhauer Isamu Noguchi (1904–1988), der den Moerenuma Kōen in Sapporo gestaltete. Mit diesem besonderen Ort, einem großen, an Formen und Skulpturen reichen Landschaftspark in Sapporo – Hattoris Heimatstadt –, verbindet der Komponist besondere Erinnerungen: Schon als Kind fühlte er sich von diesem Park angezogen, der es bei jedem Besuch neu ermöglichte, sich in der Vielfalt seiner Räume und der besonderen Formensprache der (begehbaren) Skulpturen auf spannende Entdeckungstouren zu begeben und sich „neue Horizonte“ zu erschließen. Maxence Ravelomantsoa, der das Albumcover von „Horizons“ gestaltet hat, ließ sich dafür gerne von Isamu Noguchis Skulpturen inspirieren.

Text: Owl Way Records

Titelliste

  1. Fountain Lady
  2. Cranes
  3. Under our Feet
  4. Corduroy
  5. C-Star
  6. Beat Generation
  7. Kōen

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