Rezension des Albums "Schiefsinn" von Lisa Kühnemann

Lisa Kühnemann - Schiefsinn - Album cover
Lisa Kühnemann - Schiefsinn

Lisa Kühnemann
Schiefsinn

Erscheinungstermin: 09.10.2026
Label: JazzSick Records, 2026

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Wenn jedes Lied sein eigenes Licht trägt

jazz-fun`s recap:

Manche Alben suchen nach einem möglichst geschlossenen Klangbild. Schiefsinn geht einen anderen Weg. Lisa Kühnemann erlaubt jedem Stück, eine eigene Farbe, eine eigene Stimmung und eine eigene Perspektive zu entwickeln.

Die Kölner Sängerin und Komponistin bewegt sich dabei zwischen Jazz und Pop, ohne sich auf eine eindeutige stilistische Zuordnung festlegen zu lassen. Poetische Bilder, dunkle Vorahnungen und berührende Texte bilden den inhaltlichen Rahmen, während die Musik offen genug bleibt, immer wieder neue Richtungen einzuschlagen.

Kühnemanns Stimme steht im Zentrum. Sie singt klar und direkt, mit einer hohen Lage, die leicht und filigran wirken kann, dabei aber erstaunliche Ausdruckskraft besitzt. Ihre Interpretation bleibt zurückhaltend genug, um den Texten Raum zu geben, und zugleich präsent genug, um jedem Song eine unverwechselbare Identität zu verleihen.

Die Band trägt wesentlich zu dieser Vielfalt bei. Jakob Kühnemann, Philipp Brämswig, Tim Dudek und Simon Seidl schaffen einen beweglichen Klang, der präzise gearbeitet ist, aber nie starr wirkt. Improvisierte Passagen fügen sich selbstverständlich in klar strukturierte Songs ein, Effekte werden spielerisch eingesetzt, ohne den musikalischen Kern zu überdecken.

Gerade die Unterschiede zwischen den einzelnen Stücken machen das Album interessant.

Ein Song kann lyrisch und zurückgenommen wirken, der nächste rhythmisch markanter oder harmonisch offener. Mal steht der Text stärker im Vordergrund, mal die instrumentale Entwicklung. Die Musiker reagieren dabei immer wieder anders auf Kühnemanns Kompositionen und zeigen so unterschiedliche Seiten ihres gemeinsamen Ausdrucks.

Diese Wandelbarkeit wirkt nicht beliebig. Was die Stücke verbindet, ist weniger ein bestimmter Sound als eine Haltung: Offenheit, Frische und ein bemerkenswert unmittelbarer Umgang mit Text und Musik.

Auch die musikalische Erfahrung der Beteiligten ist deutlich hörbar. Die Band versteht es, komplexere harmonische oder rhythmische Ideen leicht erscheinen zu lassen. Nichts wirkt ausgestellt, obwohl viel passiert.

Schiefsinn lebt von genau dieser Balance.

Von sorgfältig gebauten Songs und spontanen Momenten, von Eleganz und kleinen Brüchen, von poetischer Verdichtung und musikalischer Freiheit.

Ein abwechslungsreiches Album, das sich nicht über Gleichförmigkeit definiert. Sondern über die Fähigkeit, jedem Lied sein eigenes Licht zu geben.

(Jacek Brun, 31.10.2026)

Besetzung

Lisa Kühnemann - Vocal
Simon Seidl - Piano
Philipp Brämswig - Guitar
Jakob Kühnemann - Double Bass
Tim Dudek - Drums

Titelliste

  1. Wise man
  2. Cats and Birds
  3. Fall Asleep
  4. Who to Be
  5. For Her
  6. Departed
  7. Monogamy
  8. Take Away
  9. Der Vorhang

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