Rezension des Album "Hand auf's Herz" von Lisa Wulff

Lisa Wulff - Hand auf's Herz - Album cover
Lisa Wulff - Hand auf's Herz

Lisa Wulff
Hand auf's Herz

Erscheinungstermin: 16.01.2026
Label: Laika Records, 2025

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Offen, emotional und voller musikalischer Dialoge

jazz-fun`s recap:

Schon ihr vorheriges Album Poison Ivy war geprägt von melodischer Klarheit und einem sehr bewusst entwickelten Ensembleklang. Mit Hand auf’s Herz setzt Lisa Wulff diesen Weg konsequent fort – und vertieft ihn zugleich. Es ist ein Album, das aus Begegnungen lebt: musikalisch, menschlich und emotional.

Die Besetzung bietet enorme klangliche Vielfalt. Zwei Saxofonisten, Trompete, Gitarre und eine hochkonzentrierte Rhythmusarbeit schaffen einen offenen Raum, in dem sich die Musik frei entfalten kann. Alle Beteiligten verstehen die kompositorischen Gedanken der Bandleaderin und führen sie weiter, entwickeln dialogische Strukturen und erzählen ihre eigenen musikalischen Geschichten. Besonders auffällig ist dabei die sensible, ideenreiche Gitarrenarbeit von Sven Kerschek, der sich als äußerst feiner Improvisator zeigt.

Adrian Hanack (Saxofon, Klarinette) und Gabriel Coburger (Saxofon, Bassklarinette) bringen mit ihren unterschiedlichen Klangfarben zusätzliche Tiefe und Spannung in das Gesamtbild. Valentin Renner überzeugt erneut mit seiner disziplinierten, gleichzeitig sehr lebendigen Spielweise am Schlagzeug – immer dienend, aber jederzeit präsent, mit Raum für eigene Akzente, etwa eindrucksvoll in „Love it, change it or leave it“.

Lisa Wulff selbst zeichnet für sämtliche Kompositionen verantwortlich. Am Kontrabass hält sie die rhythmischen und strukturellen Fäden zusammen, setzt dabei kraftvolle wie auch lyrische Akzente und überzeugt ebenso in ihren solistischen Momenten. Ihre Stücke sind bewusst offen angelegt – sie lassen Emotionen zu, ohne sie zu erzwingen.

Thematisch kreist Hand auf’s Herz um zwischenmenschliche Begegnungen: intensive Nähe, Glücksmomente, aber auch Verletzungen, Verantwortung und Selbstreflexion. Der Opener „Excuse the Inexcusable“ stellt die Frage, ob es überhaupt etwas Unverzeihliches gibt. Musikalisch spannt sich ein Bogen von innerer Unruhe über meditative Reflexion bis hin zu versöhnlicher Loslösung. Gerade in Krisenzeiten, so Wulff, sei es wichtig, kleine positive Perspektiven wahrzunehmen und wertzuschätzen – eine Haltung, die sich durch das gesamte Album zieht.

Hand auf’s Herz ist eine weitere Perle des europäischen Jazz. Lisa Wulff zeigt hier eindrucksvoll, dass sie ihre Rolle als Bandleaderin nicht nur gefunden hat, sondern sie mit großer Selbstverständlichkeit und Freude ausfüllt. Man hört es – und man spürt es. Ein wunderbares Album, dem man sich unbedingt hingeben sollte.

(Jacek Brun, 17.01.2026)

Besetzung

Adrian Hanack - saxophone, clarinet (01,05, 06, 07)
Gabriel Coburger - saxophone, bassclarinet (02, 03, 06)
Sven Kerschek - guitar (01, 02, 03, 04, 06, 08)
Claus Stötter - flugelhorn (03, 04, 08)
Lisa Wulff - doublebass
Valentin Renner - drums

Titelliste

  1. Excuse the inexcusable
  2. Hand auf's Herz
  3. Blood is thicker than water
  4. Etikettenschwindel
  5. Love it, change it or leave it
  6. Whose bill?
  7. Ballad for (E)
  8. Etikettenschwindel Int

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