Lisa Wulff im Münchner Jazzclub Unterfahrt: Konzert-Highlight am Ende der kurzen Release-Tour für ihr neues Album „Hand aufs Herz“
Alex brachte es auf den Punkt. Seit 13 Jahren geht er nun schon regelmäßig in den Münchner Jazzclub Unterfahrt, immer vorn links in der ersten Reihe sitzend, in der Regel so drei-, viermal die Woche. Übers Jahr und über die Jahre kommt da ganz schön was zusammen, und da Alex über ein phänomenales Gedächtnis verfügt, kann er auch besser als die meisten darüber Auskunft geben, wer wann und in welcher Konstellation hier schon alles zu Gast war. Anfangs, sagte er nach dem Konzert des Lisa Wulff Quartetts am 7. Februar 2026 in der Unterfahrt, seien es vor allem „die Amerikaner“ gewesen, die er im Jazzclub sehen wollte. Aber die Zeiten hätten sich geändert …
Heute, fügte er hinzu, seien es mindestens genauso die Musikerinnen und Musiker der heimischen wie der europäischen Szene, die ihn immer wieder hinunter in die Katakomben der Münchner Unterfahrt führen. Und dass ihm diese Bemerkung genau am Ende des Auftritts von Lisa Wulff über die Lippen kam, kann kein Zufall gewesen sein: Zum krönenden Abschluss einer kurzen Release-Tour, die das Quartett über Berlin, Hamburg, Bielefeld und Hannover nach München führte, zeigte die bestens gelaunte Band um Lisa Wulff selbst am Kontrabass, Adrian Hanack am Saxofon, Philipp Schiepek an der Gitarre und Valentin Renner am Schlagzeug, dass sich der moderne Jazz aus heimischen Gefilden auch im internationalen Vergleich hinter niemandem verstecken muss. (Was übrigens auch für die österreichische Szene gilt, die nur zwei Tage zuvor mit der Saxofonistin, Komponistin und Bandleaderin Yvonne Moriel eine ihrer interessantesten jüngeren Vertreterinnen in die Unterfahrt geschickt hatte.)
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Lisa Wulff, Foto: Robert Fischer -
Lisa Wulff, Foto: Robert Fischer -
Lisa Wulff, Foto: Robert Fischer -
Lisa Wulff, Foto: Robert Fischer -
Lisa Wulff, Foto: Robert Fischer -
Adrian Hanack, Foto: Robert Fischer
Sie genieße es sehr, meinte die Bandleaderin in einem Interview für die Zeitschrift JAZZTHETIK (Ausgabe 03/04 2026), dass sie mit diesen Musikern „so unterschiedliche Arten von Musik spielen“ könne. Und die Attribute, die sie dafür wählte, gelten sicher auch für sie selbst. Diese seien nämlich „unglaublich kreativ, schnell und flexibel, verlässlich, offen und sprudeln vor Ideen“.
Musikalischer Nukleus des Ganzen ist aber zunächst mal ihr eigenes formidables Spiel: Lisa Wulff scheint mit ihrem Instrument auf der Bühne eine untrennbare Verbindung einzugehen: Wie mühelos gibt sie Ton und Rhythmus vor, bezaubert in der Melodieführung wie in den Grooves, überzeugt pizzicato wie con arco, setzt zudem klug ausgewählte Effektgeräte geschmackvoll ein und verwandelt damit zum Beispiel Flageoletts wie einst Miroslav Vitous oder später Dan Berglund in sich weit über die Ebene erhebende Klangflächen.
So präsent Lisa Wulf mit ihrem Spiel wie mit ihrer sympathisch-empathischen Bühnenmoderation ist, so wichtig ist es ihr aber auch, die Mitmusiker glänzen zu lassen. Was die sich nicht zweimal sagen ließen: Sowohl die Stücke des aktuellen Albums „Hand aufs Herz“, die den Löwenanteil des Repertoires ausmachten, als auch die Reminiszenzen an das Vorgängeralbum „Poison Ivy“ verschmolzen im Konzert zu einer unwiderstehlichen Einheit. Gut nachvollziehbar, dass das Publikum im ausverkauften Jazzclub die Band selbst nach mehreren Zugaben immer noch nicht gehen lassen wollte. Bleibt als Trost: Die kommen wieder. Und als Resümee: Ja, Alex hat es auf den Punkt gebracht.
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Philipp Schiepek, Foto: Robert Fischer -
Valentin Renner, Foto: Robert Fischer -
Unterfahrt Treppe, Foto: Robert Fischer
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