Loom & Thread - Island Grammar

Loom & Thread - Island Grammar

Loom & Thread
Island Grammar

Erscheinungstermin: 04.11.2022
Label: Macro, 2022

Loom & Thread - Island Grammar - bei bandcamp kaufen

Tom Schneider - piano & sampler
Tobi Fröhlich - double bass
Daniel Klein - drums & percussion

Loom & Thread präsentieren eine Interpretation dieses klassischsten aller Sprungbretter der improvisierten Musik: das Klaviertrio. In der Tat schmieden Daniel Klein am Schlagzeug und Tobias Fröhlich am Kontrabass dieses höchst einnehmende, ineinandergreifende Gerüst, das in einem komplexen Nebeneinander zu dem steht, was aus der Ecke von Tom Schneider an den Tasten hervorgeht. Für sich genommen wäre dies ein wunderbar befriedigendes Dreieck aus flächigen Beziehungswundern. Fantasievolle Neuanpassung von unerwarteten Verschiebungen, die zu kohärenten musikalischen Gedankenströmen zusammengefasst werden. Hervorragende Klarheit trotz der unter Druck stehenden Formdichte, das Entstehen einer komplizierten Ordnung aus dem spontanen Spiel.

Und doch wäre dies eine völlig unvollständige Beschreibung. Denn rundherum öffnen sich wie Falltüren ein Dutzend Richtungen und Dimensionen und voneinander abhängige Schichten, die jeden ersten Eindruck eines vertrauten Zusammenhangs schon nach wenigen Sekunden des Hörens zerschlagen. Was wie eine Klavierimprovisation in der Post-Bop-Tradition anmutet, zeigt bald abrupte Unterbrechungen, unmögliche Verschiebungen, unwahrscheinliche Wiederholungen, Bewegungen in Frequenz und Dynamik jenseits der physikalischen Möglichkeiten eines als so vertraut geltenden Instruments mit fester Tonhöhe.

Wie kommt das? Tom Schneider sampelt sein eigenes Spiel und speist es kontinuierlich in den kollektiven Fluss des Trios ein. Indem er den gesampelten Phrasen Ausgangspunkte zuweist, werden diese ebenso wie die darin enthaltenen Einzeltöne als eigenständige musikalische Ereignisse behandelt: Es entsteht eine zweite Ordnung des Zuganges. Signifikant und Signifikat in den Händen ein und desselben Musikers, wodurch eine doppelte Ebene der Immanenz entsteht.

Diese Meta-Improvisation wird den beiden anderen Spielern zugeworfen, die sich nun in einer Art dreidimensionalem Schachspiel wiederfinden: Sie müssen sich gegen Simulakren zur Wehr setzen und auf beides reagieren, auf idiosynkratische primäre Tonphrasen und eine vibrierende Vielzahl von gesampelten Varianten. Reflexivität: Das Piano/Sampler-Kontinuum mit seinen vielschichtigen Zugängen zur improvisatorischen Kartierung attackiert und besänftigt die entsprechend kantige Rhythmussektion und reizt sie weiter. Eine wundersame Auflösung der Kluft zwischen dem Erleben des Jetzt und dem Zugriff auf die Erinnerung.

Text: Macro

jazz-fun.de meint:
Island Grammar ist ein Projekt, das sich nur schwer in eine Schublade stecken lässt. Gleichzeitig zeigt es das große Potenzial der jungen Musiker von heute. Schon die ersten Klänge versetzen den Hörer in einen tranceartigen Handlungsablauf, der sich ohne Pause, ohne Stillstand und ohne Vergleichsmöglichkeit durchzieht. Dieses Album muss man sich einfach anhören.

  1. Island Grammar
  2. Copy & Praise
  3. Entropie
  4. O**ne*
  5. New&&&
  6. Thistles
  7. Fureur et Capitel
  8. P#
  9. M(((
  10. Causal Ambiguity
  11. Structure et Repetition

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