Lori Williams - Here we are

Lori Williams - Here we are - Album cover
Lori Williams - Here we are

Lori Williams
Here we are

Erscheinungstermin: 26.09.2025
Label: Double Moon Records, 2025

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jazz-fun`s recap:

Lori Williams präsentiert sich auf ihrem neuen Album "Here we are" als erfahrene und vielseitige Vokalistin, die mit klarem Timbre und feinem Gespür für Phrasierung überzeugt. Ihre Stimme trägt die Songs mühelos und verleiht ihnen eine besondere Strahlkraft.

Begleitet wird sie von einem Ensemble hochkarätiger Musiker, die der Musik nicht nur Stabilität geben, sondern sie auch durch ausdrucksstarke Soli bereichern. Besonders Saxofon- und Klavierpassagen fügen sich organisch ein und erweitern die Klangpalette.

Das Ergebnis ist ein Album, das gleichermaßen geschmackvoll gesungen, gespielt und produziert ist. Musik, die ihre Zuhörer mit Eleganz, Wärme und Leichtigkeit durch lange Herbstabende begleiten kann.

(Jacek Brun, 27.09.2025)

Besetzung

Lori Williams - Vocals
Bernhard Wiesinger - Saxophones, Flute
Renato Chicco - Piano
Christian Havel - Guitar
Doug Weiss - Bass
Joris Dudli - Drums

Lori Williams – Eine Stimme voller Wärme und Ausdruck

Eine US-amerikanische Sängerin und eine europäische Band – diese Konstellation lässt ein vertrautes Prinzip vermuten. Im Jazz ist es seit jeher üblich, dass sich Musikerinnen und Musiker aus den USA für Auftritte bzw. Aufnahmen in Europa eine lokale Begleitgruppe suchen. Hier allerdings liegt der Fall anders – die Geschichte hinter „Here We Are“ passt überhaupt nicht in dieses Schema. Das Sextett um die aus den USA stammende Vokalistin und Songschreiberin Lori Williams ist ein über Jahre bewährtes Kollektiv. „Eine Gemeinschaft, die ich als Familie schätzen und lieben gelernt habe!“, strahlt Williams. Wenn sie von Saxofonist Bernhard Wiesinger, Gitarrist Christian Havel und den anderen redet, spricht sie auch mal von ihren Brüdern. „And I’m a Schwester to all the guys in the band!”, ergänzt sie lachend. „Diese Gruppe ist zu meiner Heimat fern von zu Hause geworden.“

Dass hinter dem ersten gemeinsamen Album etwas Besonderes stecken muss, lässt schon ein Blick auf die Songs schließen. Sicher, mit „My Romance“ findet sich ein Standard. Und „Here We Are” endet mit einer berührenden Version von James Taylors Song-Klassiker „Fire and Rain”. Ansonsten stehen eigene Stücke auf dem Programm, komponiert von den Akteuren, die meisten mit Texten von Lori Williams. Die vielseitig talentierte Amerikanerin stammt aus Washington, D.C. Im Laufe ihrer bisherigen, rund drei Jahrzehnte währenden Karriere hat sie auch eine Reihe eigener Alben veröffentlicht. Zu vielen Songs lieferte sie Texte.

Williams wuchs mit Musik auf. Bereits im Vorschulalter sang sie in der Kirche. Zuhause war Musik – vor allem Gospel – allgegenwärtig und wurde von den Eltern gefördert. Jazz entdeckte sie im College, wo sie bald darauf das Jazzprogramm des Radiosenders gestaltete. Dort begegnete sie zum ersten Mal einer ihrer großen Heldinnen: der Vokal-Koryphäe Dianne Reeves. Ihre Leidenschaft für den Jazz nahm sie auch an die Hampton University in Virginia mit. Danach ging sie für fünf Jahre nach Japan. Dort leitete sie unter anderem einen Gospelchor. Dort traf sie auf ein weiteres leuchtendes Vorbild: die Sängerin und Songschreiberin Abbey Lincoln. Zurück in Washington, D.C., musste Lori Williams eine Familie durchbringen und nahm eine Stelle als Lehrerin an. Daneben verfolgte sie im Rahmen des Möglichen ihre musikalische Karriere. Sie trat auf, knüpfte Kontakte und wurde bald zu einer gefragten Sängerin, die sich souverän zwischen Jazz, Soul und Gospel bewegt. Den Job im Schulsystem ließ sie schließlich hinter sich. Heute konzentriert sie sich auf ihre künstlerische Seite, gibt Konzerte und unterrichtet Gesang, auch in Workshops.

Die Verbindung zu den Kollegen aus Österreich geht auf ein Angebot aus dem Jahr 2012 zurück, das sie aus heiterem Himmel erreichte. Der Saxofonist und Flötist Bernhard Wiesinger war im Internet auf Lori Williams gestoßen. Wiesinger, Jahrgang 1981, hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits einen exzellenten Ruf im weiteren Umfeld des Jazzgeschehens seiner Geburtsstadt Wien erspielt. Er gilt längst als eine der herausragenden Jazz-Persönlichkeiten Österreichs. Seine exzellenten Alben „Enlightened” und „Notice That Moment” (beide bei Double Moon Records erschienen) hatte er in New York mit Spitzenmusikern wie Bill Stewart, Scott Colley, Peter Bernstein und Kevin Hays aufgenommen. 2010 übernahm Wiesinger die Leitung des Vereins „Jazzwerkstatt Poysdorf“, der die Kleinstadt nördlich von Wien zu einem anerkannten Jazz-Ort Österreichs gemacht hatte. Die sommerliche Workshop- und Konzertreihe „Poysdorf Jazz & Wine“ fand in diesem Jahr zum 25. Mal statt. Im Dozenten-Team sind erneut Lori Williams, Bernhard Wiesinger und der Gitarrist Christian Havel zu finden. Als Wiesinger die US-Amerikanerin, deren Gesang ihn begeistert hatte, im Jahr 2012 erstmals zu „Jazz & Wine“ einlud, zögerte sie nicht. „Das klang einfach cool – da hab‘ ich mich spontan auf das Abenteuer eingelassen.“ Die Reise nach Niederösterreich wurde zu einer Offenbarung und verhalf ihr zu einer neuen musikalischen Familie. „Alles lief großartig. It clicked! Es hatte eine tolle Atmosphäre.“ Aus dem Munde Wiesingers klingt das nicht viel anders. „Das war eine Art Liebe auf den ersten Blick. Es geht ja sehr stark um die gemeinsame Chemie. Und die hat sofort gestimmt.“ War Lori Williams zunächst nur als Workshop-Dozentin vorgesehen, so offenbarten sich bei Sessions und im intensiveren Austausch sehr bald zahlreiche Gemeinsamkeiten.

Abgesehen von zwei Jahrgängen kehrte Lori Williams seit 2012 in jedem Sommer nach Poysdorf zurück. Ein Song, der fest zum Repertoire der Dozentenband gehört, ist „My Romance“. Der Standard wurde zu einem Kernstück des musikalischen Teambuildings. 2016 waren Williams, Wiesinger und Havel erstmals gemeinsam im Studio, um ein Album von Christian Havel aufzunehmen. Später entstanden Aufnahmen der kompletten Workshop-Band, die jedoch aufgrund von Problemen auf Seiten der beteiligten Firma nie erschienen. Das befeuerte den Wunsch, endlich ein offizielles Album zu veröffentlichen. Schließlich hatte sich aus dem eingespielten Team auch eine Tour-Band entwickelt – und das ganz unabhängig vom Poysdorf-Event.

„Here We Are” unterstreicht, welch gutes Gespür Wiesinger hatte, als er sich auf gut Glück an Lori Williams wandte. Die Amerikanerin mit der warmen Stimme ist eine technisch brillante Vokalistin und eine wunderbar ausdrucksstarke Interpretin. Eine Entdeckung für viele, ohne Zweifel! Man hört, dass die Stücke gemeinsam entwickelt wurden und sich auch live bewährt haben. Der brasilianische Touch, der immer wieder als Stil und Farbe auftaucht, geht wesentlich auf Christian Havel und den Pianisten Renato Chicco zurück. Wiesinger betont: „Wir sind ein Kollektiv. Alle bringen etwas ein. Es gibt keine Egos, es geht nicht um ein ‚Schaut her, was ich alles kann!‘, sondern nur um die Musik. Diesen Spirit hört man. Natürlich ist Lori die Hauptperson, aber wir agieren auf Augenhöhe.“ Williams ergänzt: „Man kann wahrhaftige Emotionen spüren.“ Auch ausgelöst durch ihre Texte. Die Songs von „Here We Are“ haben eine positive, aufbauende Ausstrahlung – angefangen beim Titelstück, dem spirituellen Zentrum dieses großartigen Albums.

Text: Double Moon Records

Titelliste

  1. El guindaste
  2. My romance
  3. Tobago
  4. Here we are
  5. Elisabeth
  6. Brazilian nature
  7. Hopeless romantic
  8. Ronco
  9. Fire and rain

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