Luca Sisera – Zwischen Komposition und freier Improvisation
Biographie
Der Schweizer Kontrabassist und Komponist Luca Sisera zählt seit über zwei Jahrzehnten zu den prägenden Stimmen der europäischen Improvisations- und Jazzszene. Sein künstlerisches Schaffen bewegt sich konsequent im Spannungsfeld zwischen Komposition und freier Improvisation – ein Raum, in dem sich Struktur und Offenheit gegenseitig durchdringen.
Geboren 1975 in Chur, entwickelte Sisera früh eine enge Verbindung zur improvisierten Musik. Nach seinem Studium an der Musikhochschule Luzern, das er mit einem Doppelabschluss in Performance und Pädagogik abschloss, etablierte er sich schnell als gefragter Musiker innerhalb der Schweizer und internationalen Szene. Mit teilweise über hundert Konzerten pro Jahr ist er regelmäßig auf europäischen Festival- und Clubbühnen präsent. Darüber hinaus führten ihn Tourneen auch nach Nordafrika, in den Nahen Osten, nach Asien sowie in die USA.
Sein musikalischer Ansatz zeichnet sich durch eine große Offenheit aus: Sisera versteht den Kontrabass nicht nur als rhythmisches Fundament, sondern als eigenständige Stimme innerhalb eines kollektiven Klanggeschehens. Besonders deutlich wird dies in seinem Quintett ROOFER, für das er komponiert und das zu seinen zentralen künstlerischen Plattformen zählt. Hier verbinden sich strukturierte Kompositionen mit freien, oft hochdynamischen Improvisationsprozessen.
Ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit ist die Zusammenarbeit mit anderen Musikerinnen und Musikern. Sisera war und ist an einer Vielzahl von Projekten beteiligt und arbeitete unter anderem mit Persönlichkeiten wie Irène Schweizer, Greg Osby, Kurt Rosenwinkel oder Alexander von Schlippenbach zusammen. Diese Kooperationen spiegeln die Bandbreite seines musikalischen Umfelds – von freier Improvisation über modernen Jazz bis hin zu experimentellen Klangformen.
Neben der reinen Musikpraxis interessiert sich Sisera seit jeher für interdisziplinäre Projekte. Er arbeitete mit Schriftstellerinnen, Tänzern, bildenden Künstlerinnen sowie in Theater- und Filmkontexten. Diese Offenheit für unterschiedliche künstlerische Ausdrucksformen erweitert seinen musikalischen Ansatz und verankert ihn in einem größeren kulturellen Kontext.
Auch institutionell wurde seine Arbeit mehrfach gewürdigt. Förderungen durch die Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, ein Artist-in-Residence-Aufenthalt in Kairo sowie verschiedene Kulturpreise und Stipendien unterstreichen seine Bedeutung innerhalb der Schweizer Jazzszene.
Mit bislang über 35 Tonträgern, zahlreichen internationalen Kooperationen und einer konstanten Präsenz auf den Bühnen Europas gehört Luca Sisera zu den Musikern, die den Jazz nicht als Stil, sondern als offenes System begreifen – als Raum für Begegnung, Risiko und klangliche Entdeckung.
Diskografie (Auswahl)
- Luca Sisera – Prospect (Leo Records, 2024)
- Lotus Crash – First Visit (ezz-thetics, 2024)
- Luca Sisera – Clazz (nWog, 2023)
- Yves Theiler – We (Intakt, 2019)
- Luca Sisera – Moscow Files (Leo Records, 2018)
- Luca Sisera – Starlex Complex (nWog, 2018)
- Franz Hellmüller / Stefano Risso / Marcel Papaux – Roots (Double Moon, 2013)
- Franz Hellmüller – Somewhere In May (Altrisuoni, 2007)
- R.I.S.S. – Color & Style (Unit, 2010)
- Michael Jaeger & Kerouac – Outdoors (Intakt, 2009)
- Kerouac – Erfindungen (Unit, 2006)
Links
Luca Sisera Internetseite:
https://lucasisera.com/
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