Lukas Mohl - Speaking From The Heart
Lukas Mohl
Speaking From The Heart
Erscheinungstermin: 30.05.2025
Label: Double Moon Records, 2025
Mit "Speaking From The Heart" legt der junge Pianist Lukas Mohl ein bemerkenswertes Debütalbum im klassischen Piano-Trio-Format vor – einem Terrain, das mit zahlreichen Veröffentlichungen pro Jahr dicht besetzt ist. Umso erstaunlicher ist es, wie sicher und überzeugend er hier seine eigene musikalische Sprache findet. Bereits nach wenigen Tracks wird sein Stil erkennbar und unverwechselbar. Die Kompositionen bestechen durch Klarheit, feine Melodik und eine wohltuende Offenheit, die seinen Mitmusikern ausreichend Raum zur Entfaltung lässt. Besonders hervorzuheben ist die lyrische Tiefe seiner musikalischen Aussage – ein Debüt, das nicht nur Können, sondern auch künstlerische Reife und ein offenes Herz offenbart. (Jacek Brun, 30.05.2025)
Besetzung
Lukas Mohl - Piano
Jasper Somsen - Double bass
Min Won - Drums
Lyrische Klarheit und persönlicher Ausdruck – Lukas Mohls beeindruckendes Debüt
Ein zarter Beginn, ein zutiefst romantischer Einstieg … Lukas Mohl überfällt uns nicht mit all dem, was ihn und sein Können ausmacht. Stattdessen fängt uns der warme, konzentrierte Sound der Eröffnung ein und nimmt uns mit – hinein in ein facettenreiches, außergewöhnliches Debütalbum. Der Titel „Speaking From The Heart“ mag wie ein sympathisches Klischee anmuten, doch er entspricht genau dem, was dem 24-jährigen Pianisten und Komponisten wichtiger ist als alles andere. „Ich möchte direkt und realitätsgetreu ausdrücken, was ich empfinde“, sagt Mohl. „Romantisch, melancholisch, aggressiv, lyrisch, wütend, manchmal kitschig – all das ist ein Teil von mir. Und das ist okay.“
Eine Verbindung zum inneren Selbst herzustellen und den Mut zu finden, so authentisch und wahrhaftig wie möglich zu sein, fällt vielen nicht leicht. Lukas Mohl hat gelernt, zu seinen Gefühlen und zu seiner Verletzlichkeit zu stehen. Und er hat daraus eine enorme Stärke gewonnen, die er auch in kreative Bahnen zu lenken versteht. Das erklärt vielleicht ein Stück weit, warum der Deutsche, der seit etwa fünf Jahren im niederländischen Arnhem lebt, trotz eines höchst ungewöhnlichen musikalischen Werdegangs ein derart beeindruckendes Album schaffen konnte. Er betont jedoch bescheiden, dass dies ein gemeinsamer Erfolg des Trios mit Bassist Jasper Somsen und Drummer Min Won ist. „Das ist genauso von den beiden geprägt. Wir haben alle den gleichen Anteil.“
Lukas Mohl wurde im September 2000 in Ulm geboren. Er wuchs in einem kleinen Ort dieser Region auf und besuchte die Schule in Laupheim, einer Kleinstadt südlich von Ulm. In jungen Jahren sang er in einem Chor und spielte Theater. Zuhause lief viel Musik. Ein Instrument? Klavierunterricht? Als Lukas 13 Jahre alt war, bekam er Lust, Klavier zu lernen. „Ich hatte eine schöne, entspannte Kindheit. Ich konnte viel ausprobieren, es gab nicht viel Druck.“ Sein Klavierlehrer wurde der Jazz-, Soul- und Gospel-Pianist Joe Fessele. Über ihn entdeckte Lukas Mohl die Ausdrucksmöglichkeiten des Jazz. Nach dem Schulabschluss dachte er zunächst daran, einen handwerklichen Beruf zu ergreifen. Während einer kurzen Probephase wurde ihm jedoch klar, dass er für einen anderen Weg bestimmt ist. Die Entscheidung zwischen Theater und Musik fiel schnell zugunsten der Musik – und des Jazz. Mitten in der ersten Pandemiezeit bewarb er sich für eine Ausbildung an der renommierten Hochschule in Arnhem und wurde angenommen. „Da öffneten sich plötzlich alle Türen und ich wusste: Es ist tatsächlich möglich.“ Arnhem weitete auch in anderer Hinsicht seinen Horizont. Dort lebte er erstmals in einer größeren Stadt, die ihm ungeahnte Möglichkeiten eröffnete. Außerdem traf er an der Universität auf viele andere, die sich ähnlich leidenschaftlich mit Musik auseinandersetzten wie er.
Im Gegensatz zu fast allen Jazzpianisten – einschließlich der meisten der ganz Großen – hat Lukas Mohl keine klassische Basisausbildung durchlaufen. Das war ein Thema, das ihn geraume Zeit begleitete. Heute spielt er wie so viele andere auch Bach als tägliche Übung. Er kann gelassen feststellen: „Ich habe mich damit abgefunden. Manchmal denke ich, dass ich mich vielleicht nicht für eine Karriere als Musiker entschieden hätte, wenn ich jahrelang die klassische Schule durchlaufen hätte.“ Mehr noch: Der Umstand hat sein Bewusstsein erheblich geschärft. „Ich bin vielleicht kein Virtuose, der diese breite Basis vorweisen kann. Aber mir ist tatsächlich anderes wichtig. Was mich musikalisch anspricht, definiert sich nicht über Virtuosität oder Technik. Wenn etwas extrem gut ausgeführt ist, wenn es technisch sehr gut ist, finde ich das bewundernswert. Aber mich berührt es, wenn jemand ehrliche Emotionen vermittelt. Das sind oft auch Stücke, die nicht sonderlich kompliziert sind.“ Ein Ideal, das für ihn beide Aspekte vereint, ist Brad Mehldau. Lukas Mohl sagt: „Ich weiß, dass ich Menschen mit meinen Mitteln erreichen und berühren kann, sofern ich ehrlich und authentisch bin.“ Einen besonderen Fokus bei der Vermittlung legt der Pianist zum Beispiel auf den Sound: „Solche Aspekte sind mir wichtig, da gehe ich rein, daran arbeite ich.“
Er lernte den aus Korea stammenden Drummer Min Won gleich zu Beginn des Studiums kennen. Er ist nicht nur sein engster Freund, sondern auch „der Mensch, mit dem ich bisher am meisten Musik gemacht habe“. Min Won lotste ihn in ein Seminar von Bassist Jasper Somsen, der in der holländischen Jazzszene eine gestandene Kapazität ist und selbst Bandleader ist. „Ohne ihn würde es dieses Album nicht geben.“ Somsen war es, der Lukas Mohl inspirierte, gezielt zu komponieren. Er vermittelte schließlich auch Kontakte zum Studio, zum Mixer und zum Label. Somsen ist, so Mohl, „musikalisch ein verlässlicher Anker“. Entsprechend schafft der Pianist seinen Kollegen in den Arrangements Räume zur Entfaltung. Dass dies Lukas Mohls erste offizielle Studioproduktion ist, mag man angesichts des musikalischen Konzepts, der Reife seines Spiels und der enormen Qualität kaum glauben.
Zu Lukas Mohl und seinen Überzeugungen passt es, dass er offen über seine Erfahrungen mit Depressionen spricht. Im Umgang damit ist Musik für ihn zu einem wichtigen Faktor geworden. „Natürlich fließt auch das ein. Wenn die Emotionen zu viel werden, wenn Trauer und Schmerz nicht in Worte zu fassen sind, kann ich Klavier spielen. Es ist eine heilende Erfahrung, das aus sich herausströmen zu lassen – auch in Kompositionen. Musik hat mir schon oft geholfen, damit ich das nicht mehr mit mir herumtragen muss.“ Schon früh hat er festgestellt: „Wenn ich meine Musik spiele, in der ich ganz ich selbst sein kann, bin ich am glücklichsten.“
Diese emotionale Aufrichtigkeit, verknüpft mit diesem Maß an Reflexion, steckt tief in diesem Album. „Speaking From The Heart“.
Titelliste
- Hazel eyes
- Twillight cruise
- The soul at 3 a.m.
- Let it run
- Colors of the moon (I)
- You're a bright and shining light
- Palate cleanser
- Ouroboros
- Defiance
- Colors of the moon (II)
- With a heavy heart (I say goodbye)
- I think i'm falling in love
jazz-fun`s recap:
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