Mätzn Quartett - Mangata

Mätzn Quartett - Mangata

Mätzn Quartett
Mangata

Erscheinungstermin: 22.04.2022
Label: Rosenau Records, 2022

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Martin Köhrer - Sax
Matthias Hohmann - Vibes/Marimba & Composer
Moritz Neukam - Bass
Sören Pampel - Drums

Quizfrage: Was kommt heraus, wenn man ein Klavier mit einem Schlagzeug kreuzt? Genau, ein Vibraphon. Es vereint die harmonischen und melodischen Möglichkeiten des Tasteninstruments mit den rhythmischen des Schlagwerks. Und weil der 1992 in Bamberg geborene Jazzmusiker Matthias Hohmann eine große Passion für Piano und Drums gleichermaßen hat, sich für sein Curriculum aber für eines entscheiden musste, griff er kurzerhand nach dem Besten aus beiden Welten und eben zu den Schlägeln. Was er damit zum Klingen und Schweben bringt, lässt sich auf seinem wunderbar zugänglichen Debütalbum Mångata nachhören.

„Mångata“ ist in Schweden ein eigenständiger Begriff. Er bezeichnet die Spiegelung des Mondes im Meer, in einem Fjord zum Beispiel. Für Matthias Hohmann ist der Titel seines Erstlings eine Hommage an den frühen skandinavischen Jazz mit Bezügen zu nordischen Volksliedern. Gleichzeitig verweist er mit dem Bild des Mondes auf die Romantik als bedeutsamen Inspirationsquell für seinen persönlichen Kompositionsstil. „Ich bin großer Schubert-Fan und finde die Melancholie in seiner Harmonik faszinierend“, erklärt Hohmann. Folglich webt er klassische Satztechniken und harmonische Wendungen dieser Epoche ebenso in seine Eigenkompositionen ein, wie auch zurückgenommene, fast schon popmusikalische Dreiklänge, die er jedoch mit komplexen Zählzeiten im 5/4- oder 7/4-Takt unterlegt. „Die Macht eines puren Dreiklangs ist sehr bestechend. Deswegen versuche ich, typische Jazzharmonien zu vermeiden“, so Hohmann. Charakteristisch für den Sound des Mätzn Quartetts ist auch der Verzicht auf ein weiteres Harmonieinstrument wie Gitarre oder Klavier sowie das Verschmelzen des Vibraphons mit der eher exotischen Klangwelt der Marimba – Hohmann bedient beide Instrumente zeitgleich (mit seinen vier Armen, möchte man fast ergänzen). „Wenn man fünf bis sechs Stunden am Tag Vibraphon spielt, können einem die schwebenden Obertöne schon auch mal auf die Nerven gehen. Also habe ich begonnen nach einem erdigeren Gegenpol zu suchen. Die Marimba schafft da einen guten Kontrast“.

Es hat ein bisschen gedauert, bis Matthias Hohmann die Jazz-Mallets für sich entdeckte. Ein Jahr lang studierte er bei Hermann Schwander Klassisches Schlagwerk, bis er sich eingestehen musste, dass nur die Triangel im Orchester zu spielen dann doch nicht so seins war. Er wechselte zum Jazz-Schlagzeug, studierte bei Bill Elgart und Hans-Günter Brodmann, bis er schließlich den Weg hin zu den Jazz-Mallets bei Roland Neffe an der Musikhochschule in Nürnberg einschlug.

Selbstredend gibt es auch für Hohmann musikalische Vorbilder, die ihn inspirieren. Neben dem bereits erwähnten Franz Schubert ist das aus dem Bereich der Klassischen Musik kein geringerer als Johann Sebastian Bach. Der stürmische Gestus und die Synkopen auf „Pathetique“ z.B. sind der gleichnamigen Klaviersonate nachempfunden, auch Melodiefragmente aus dem 1. und 3. Satz wurden hier eingeflochten. Die lyrische Melodik auf „Im Herbst“ ist inspiriert von Brad Mehldaus Radiohead-Coverversion „When it rains“, „Israelische Variationen“ orientiert sich an Bassist Avishai Cohen und seiner Affinität zu puren Dreiklängen und komplexer Rhythmik. Und auf dem wunderbar schwebenden Intro „Mångata“ nimmt der Schlägelvirtuose Bezug zum schwedischen Jazz-Pianisten Jan Johannsen, der durch das Verarbeiten von nordischen Volksliedern bekannt wurde.

Wie urteilt der Künstler nun selbst über seine eigene Musik? „Ich scheue nicht die Feststellung, dass das rein Intellektuelle in meiner Musik nicht zu finden ist“. Muss es zum Glück auch nicht. Anders als der Albumtitel und das zugrundeliegende Bild es vermuten lassen, handelt es sich bei der Musik Hohmanns nicht um Programmmusik. Diese Musik bedarf keiner Anleitung, braucht keinen Beipackzettel. Sie muss nichts erklären. Sie steht schlichtweg für sich selbst. In ihrer ganzen Schönheit.

Text: Rainer Pirzkall

jazz-fun.de meint:
Ein empfehlenswertes Album. Die Musik ist saftig, dynamisch und voll von innovativen Lösungen. Die großartigen Improvisationen und das Feeling zwischen den Musikern lassen uns dieses Album mit wachsendem Interesse hören, was dazu führt, dass man sich das Ganze immer wieder anhört… großartig!

  1. Mångata
  2. Stop And Go
  3. Israelische Variationen
  4. Pathetique
  5. Im Herbst
  6. Chin Chin
  7. Heptasepta

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