Magne Thormodsæter - L’arte della persuasione

Magne Thormodsæter - L’arte della persuasione - Albumcover
Magne Thormodsæter - L’arte della persuasione

Magne Thormodsæter
L’arte della persuasione

Erscheinungstermin: 17.05.2024
Label: Ozella, 2024

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jazz-fun`s recap:

Die improvisierte Musik, die so weit wie möglich auf dem Idiom des Jazz basiert, entfaltet sich in mehreren Schichten der formalen Struktur und bestimmt zusammen mit anderen Elementen dieser musikalischen Kompositionen die Gesamtwahrnehmung der Stücke. Die Atmosphäre dieses Albums verdichtet sich abwechselnd, um dann wieder leichter und klarer zu werden. Ein Album, das sorgfältiges und aufmerksames Zuhören erfordert. Die Zeit lohnt sich, die Musik ist großartig! (Jacek Brun, 19.05.2024)

Atle Nymo - Saxophones
Eivind Lønning - Trumpet
Hillary Foster - Violins
Håkon Mjåset Johansen -  Drums
Ivar Thormodsæter - Drums
Kjetil Møster - Saxophones
Liene Klava Foster - Violas
Magne Thormodsæter - Bass
Mara Haugen - Violins
Ricardo Odriozola - Violas
Svein Olav Herstad - Piano
Thomas Tellevik Dahl - Guitar
Vladimíra Šcigulinská - Violins
Jane Odriozola - Celli
John Ehde - Celli
Melina Mandozzi - Violins

ür viele sind die Welten des Jazz und der klassischen Musik parallele Linien, die sich niemals kreuzen werden. Magne Thormodsæters "L'arte della persuasione" (Die Kunst der Überzeugung) ist buchstäblich ein Versuch, die Hörerin vom Gegenteil zu überzeugen. In dieser 35-minütigen Geschichte in fünf Akten lässt der ECM-Veteran, Bassist und gefragte Session-Musiker ein hochkarätig besetztes klassisches Ensemble gegen eine Jazzband antreten. Das Ergebnis ist magisch und faszinierend unklassifizierbar.

Eine Art Magie, die bis zum Schluss mit dem Risiko des Scheiterns behaftet war. "Ich brachte Musiker aus beiden Welten in einen Raum und ließ sie die Partitur zum ersten Mal spielen", berichtet Thormodsæter aus seinem Studio an der Universität Bergen, wo er als Professor lehrt. "Wir haben den Streichern Anweisungen in klassischen Begriffen gegeben und dann darauf vertraut, dass die Jazzmusiker aus dem Moment heraus Lösungen finden. Ehrlich gesagt wusste ich selbst nicht, was dabei herauskommen würde." Er macht eine kurze Pause. "Das hat mich schon nervös gemacht."

Obwohl Thormodsæter "L'arte della persuasione" komplett durchkomponiert hat, schlägt sein Ansatz eine Brücke zwischen kompositorischen und improvisatorischen Aspekten. Einerseits greift er die harmonische und melodische Sprache der schriftlichen abendländischen Tradition auf. Gleichzeitig gibt die Partitur den Musikern an verschiedenen Stellen Hinweise - oder die Erlaubnis - spontan zu agieren, in enger Verbindung mit dem Leader des jeweiligen Abschnitts. Das Werk hat also eine modulare Komponente, und keine Aufführung wird jemals genau gleich klingen.

Hinter diesem spannenden Ansatz steckt ein ganz einfaches Motto: Menschen treffen sich und Dinge passieren. Und so geschah es auch während der Aufnahmen. Nach und nach begannen die Musiker aufeinander zuzugehen und ihre anfänglichen Berührungsängste zu überwinden. Das Konzept zwang die klassischen Musiker, zeitweise abseits der Partitur zu spielen, und die Jazzmusiker, sich enger als je zuvor an die Partitur zu halten. Mit der Zeit wurden sie selbst zu Schöpfern und gestalteten die Musik im Moment. Sie machten sie sich wirklich "zu eigen".

"Als wir an der Universität anfingen, diskutierten die Studenten der klassischen Musik und des Jazz ständig darüber, wer die höchste Kunst für sich beanspruchen durfte", erinnert sich Thormodsæter. "Wenn ich daran zurückdenke, war das wirklich lächerlich." Für ihn ist der aktuelle Trend zu Einheit und Grenzüberschreitung ebenso aufregend wie eine logische Fortsetzung der Dekonstruktionen Strawinskys und des Spätwerks von Miles Davis, auf die sich seine eigene Musik ebenso bezieht wie auf Bach.

Obwohl "L'arte della persuasione" ein Experiment ist, wirkt das Ergebnis vollkommen organisch. Vielleicht liegt es daran, dass die Kräfte der historischen Schwerkraft die Parallelen zwischen Klassik und Jazz seit mehr als einem Jahrhundert krümmen. Hier treffen sie nun endlich mit der vollen Wucht des himmlischen Hochdruckes aufeinander.

Text: Ozella

  1. Inventio
  2. Dispositio
  3. Elocutio
  4. Memoria
  5. Intermission
  6. Actio

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