Maite Hontelé & Ramón Valle - Havana

Maite Hontelé & Ramón Valle - Havana - Album cover
Maite Hontelé & Ramón Valle - Havana

Maite Hontelé & Ramón Valle
Havana

Erscheinungstermin: 12.09.2025
Label: In+Out, 2025

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jazz-fun`s recap:

Zwei große Persönlichkeiten der lateinamerikanischen Musik, zwei Seelenverwandte und eine gemeinsame Sprache: die Musik. Maite Hontelé und Ramón Valle sind unbestrittene Virtuosen ihres Fachs. Ihre Interpretationen und Improvisationen erfüllen höchste stilistische Erwartungen. Als Duo inspirieren sie sich gegenseitig und erschaffen eine voller Ausdruckskraft strahlende musikalische Erzählung.

Das Ergebnis ist ein Werk, das starke Emotionen freisetzt. Die Kompositionen greifen in der Harmonie auf raffinierte Akkordfolgen zurück, in der Melodik auf lateinamerikanische Wurzeln, in der rhythmischen Gestaltung auf die pulsierende Vielfalt kubanischer Rhythmen und in den Arrangements auf kluge, überzeugende Lösungen.

Ein Album, das weit über die Grenzen kubanischer und lateinamerikanischer Musik hinausstrahlt. Hier finden nicht nur Fans dieses Genres ihre Freude – jeder, der sich auf dieses Zusammenspiel einlässt, wird begeistert sein. Sehr empfehlenswert!

(Jacek Brun, 12.09.2025)

Besetzung

Maite Hontelé - flugelhorn
Ramón Valle - piano

Wenn Trompete und Klavier in Havanna tanzen

Nach einer Reihe von Auftritten auf dem legendären Jazz Plaza Festival im musikalischen Herzen Havannas präsentieren die Trompeterin Maite Hontelé und der Pianist Ramón Valle ihr erstes Duo-Album. Es ist eine Ode an ihre musikalische Freundschaft, die Freiheit der Improvisation und ihre gemeinsame Liebe zur kubanischen Musik. „Havana” klingt wie eine intime Live-Performance: bunt, spielerisch und reich an musikalischen Dialogen.

Nach einer fünfjährigen Pause nahm Maite vor zwei Jahren ihr Flügelhorn wieder in die Hand, um ein einzigartiges Konzert mit Ramón zu spielen. Das Ergebnis war eine warmherzige und denkwürdige Performance. „Als ich wieder anfing zu spielen, versprach ich mir, nur aus dem Herzen heraus zu spielen”, sagt Maite. „Ich mache mir keine Gedanken über die richtigen Noten, sondern bleibe meiner eigenen Inspiration treu.“ Auch Ramón hat sich einst ein Versprechen gegeben. Der gebürtige Kubaner, der eine klassische Ausbildung genossen hatte und früh vom Jazz gefesselt war, schlug in Europa seinen eigenen Weg ein. Er entwickelte einen einzigartigen Stil, der frei von lateinamerikanischen Klischees ist und seine musikalische Stimme voll zur Geltung kommen lässt. „Ich möchte, dass sich jede Note gesungen anfühlt, dass meine Finger meiner Inspiration folgen – und nicht umgekehrt.“ „Mit Ramón zu spielen, macht mich immer glücklich“, lächelt Maite. „Ob es ein Konzert oder eine Probe ist – wir spielen wie zwei Kinder: offen, frei und neugierig. Eine Probe fühlt sich an wie ein kleines Konzert, und jedes Konzert ist anders. Ramón nennt es oft levitando.“ Das bedeutet, im Moment zu leben und mit einem spontanen, offenen Herzen zu spielen.

Flügelhorn und Klavier stehen gleichberechtigt nebeneinander und interagieren ständig miteinander. Manchmal erschafft Ramón eine aufregende rhythmische Landschaft, durch die sich das Flügelhorn bewegen kann. Ein anderes Mal wiederum lädt Maite das Klavier ein, neue melodische Linien um ihre eigenen zu weben, was mitunter an eine Fuge von Bach erinnert.

„Das sind lebendige musikalische Dialoge“, sagen die beiden, „bei denen wir einander mit Respekt zuhören, einander voll und ganz vertrauen und unsere jeweilige Meinung zum Ausdruck bringen.“ Es sind ernste Gespräche, die in musikalischem Gelächter enden können. Plaudereien, die spielerisch beginnen, sich aber zu tiefen Dialogen entwickeln.

In diesem neuen musikalischen Kontext offenbart Maite eine überraschend andere Seite von sich, als hätte sie ihr Spiel neu erfunden.

Sie studierte Latin- und Jazztrompete am Rotterdamer Konservatorium und eroberte die Herzen der Salsa- und Latin-Jazz-Liebhaber weltweit. 2008 zog sie nach Kolumbien, um ihre eigene Band zu gründen und mit Legenden wie Rubén Blades, Isaac Delgado und Óscar D’León aufzutreten.

Ihr Album Cuba Linda gewann einen Cubadisco Award, den renommiertesten Musikpreis Kubas, und wurde für einen Latin Grammy nominiert. 2019 legte sie eine Pause von ihrer Trompeterkarriere ein, kehrte in die Niederlande zurück und wurde künstlerische Leiterin des Music Meeting Festivals und des National Youth Jazz Orchestra.

Nun haucht sie ihrer musikalischen Karriere neues Leben ein. Auf dem Flügelhorn klingt sie freier als je zuvor – neugierig, intuitiv und sich treu bleibend. Ihr warmer Ton und ihre lyrische Phrasierung wecken Erinnerungen an Miles Davis, Chet Baker und ihr Idol, den kubanischen Trompeter Alfredo „Chocolate” Armenteros, der für seinen melancholischen, emotionsgeladenen Sound bekannt ist. Dieses Album zeigt, wie viel wunderschöne Musik in dieser mutigen und vielseitigen Frau steckt, und begeistert mit einem Spiel, das überrascht und erfreut.

Wer Ramón Valle einmal live erlebt hat, versteht, warum er als einer der ausdrucksstärksten und originellsten Pianisten der afro-kubanischen Jazzszene gilt. In Kuba geboren, klassisch ausgebildet und vom Jazz geprägt, ist er bereits auf großen internationalen Bühnen aufgetreten und hat mit Künstlern wie Roy Hargrove, Marcus Miller und Chucho Valdés zusammengearbeitet. Er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter einen Cubadisco für sein Album „The Art of Two”.

Valle verkörpert seine Musik – ob er mit einem Orchester, einem Trio oder in dieser intimen Duo-Besetzung spielt. Sein Spiel ist offen, intensiv und unvorhersehbar. Er verbirgt nichts, geht Risiken ein und erkundet Grenzen. Er malt mit Klängen und evoziert filmische Landschaften, die tief berühren. Wie ein Konzertbesucher einmal sagte: „Die Art und Weise, wie du deine Seele auf der Bühne entblößt, bringt mich dazu, mich in dich zu verlieben.“

In seinem Spiel sind Einflüsse kubanischer Rhythmen wie Son Montuno und Danzón erkennbar, er wirkt dabei jedoch nie klischeehaft. Mal ist die Clave klar, dann kommt die Andeutung von Timbales oder einer Basslinie. Oder er kreiert einen völlig neuen Groove, der charakteristisch für seine rhythmische Meisterschaft ist. Er zaubert auch Klänge aus dem Klavier, die an andere Instrumente erinnern: die tiefe Resonanz eines Kontrabasses, das Gleiten einer Geige, das Zupfen einer Harfe oder das Stakkato eines Schlagzeugs – manchmal alles auf einmal. Es ist, als ob er mit mehreren Stimmen gleichzeitig spricht. Seine Melodien haben eine Lyrik und einen Atem, die seine Anfänge als Trompeter verraten – genau wie bei seinem Vater. „Ich fühle eine tiefe Verbindung zur Trompete. Es war mein erstes Instrument, und wenn ich am Klavier Melodien schaffe, dann tue ich das mit dem Gefühl eines Hornisten oder Sängers.“

Text: In+Out

Titelliste

  1. Lo Que Tienes Tú
  2. La Mulata Rumbera
  3. Johanna
  4. Tributo
  5. Havana Morning Light
  6. Almendra
  7. Obsesión
  8. Odjus Fitchádu
  9. Porro Con Ramón

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