Rezension des Albums "Osmo" von Makiko Hirabayashi & Tomoo Nagai

Makiko Hirabayashi & Tomoo Nagai - Osmo - Album cover
Makiko Hirabayashi & Tomoo Nagai - Osmo

Makiko Hirabayashi & Tomoo Nagai
Osmo

Erscheinungstermin: 16.10.2026
Label: Gateway Music, 2026

Makiko Hirabayashi & Tomoo Nagai - Osmo - bei Spotify anhören

Wo der Raum mitspielt

jazz-fun`s recap:

Manchmal beginnt Musik nicht mit einem Ton, sondern mit einem Ort.

Für Osmo ist dieser Ort das Onomoto Auditorium in den Bergen von Fukushima – ein hölzerner Saal mit besonderer Akustik und einem Klavier, das dort seit mehr als siebzig Jahren steht. Einst wurde es von Schülerinnen und Schülern der Region finanziert, die selbst das Geld dafür sammelten. Heute trägt dieses Instrument seine eigene Geschichte in sich.

Makiko Hirabayashi und Tomoo Nagai machen daraus keinen nostalgischen Rückblick. Vielmehr entsteht Musik, in der Vergangenheit, Gegenwart und Raum miteinander in Beziehung treten.

Der Titel Osmo verweist auf „osmosis“ und „cosmo“ – Durchlässigkeit und musikalischen Kosmos. Beides beschreibt den Charakter dieser Aufnahme sehr genau. Klavier und Percussion stehen sich nicht als zwei klar getrennte Stimmen gegenüber. Sie reagieren aufeinander, übernehmen Impulse, lassen Gedanken weiterwandern und öffnen Räume, in denen Klang beinahe körperlich wahrnehmbar wird.

Hirabayashis Klavierspiel ist dabei klar und konzentriert. Sie lässt Töne stehen, gibt ihnen Zeit und nutzt die Resonanz des Instruments bewusst als Teil der musikalischen Aussage. Nagai antwortet nicht mit rhythmischer Dominanz, sondern mit Farben, Texturen und feinen Bewegungen.

So entsteht ein Dialog, der weniger auf Kontrast als auf gegenseitige Durchlässigkeit setzt.

Manchmal scheint schwer zu bestimmen, ob ein Klang aus dem Instrument selbst, aus dem Raum oder aus der Erinnerung an einen vorherigen Ton kommt. Genau darin liegt die besondere Wirkung dieser Musik.

Osmo entzieht sich einfacher stilistischer Zuordnung. Elemente aus Jazz, freier Improvisation und zeitgenössischer Musik sind vorhanden, doch keine dieser Kategorien erklärt das Album vollständig.

Wichtiger ist die Haltung dahinter.

Diese Musik fordert nicht, sie öffnet. Sie drängt sich nicht auf, sondern schafft einen Moment, in dem Wahrnehmung langsamer werden kann. Wer sich darauf einlässt, hört nicht nur das Duo, sondern vielleicht auch sich selbst etwas genauer.

Das Onomoto Auditorium wird dabei tatsächlich zu einem dritten Mitspieler. Seine Geschichte, seine Akustik und das alte Klavier prägen jede Bewegung.

Osmo ist Musik für einen Moment des Innehaltens. Für einen Augenblick, in dem man wieder spürt, wo man gerade ist. Und manchmal ist genau das genug.

(Jacek Brun, 31.10.2026)

Besetzung

Makiko Hirabayashi - piano
Tomoo Nagai - percussion

Titelliste

  1. Osmosis
  2. Tanuki
  3. Gallop
  4. Birds Ascending
  5. Stones Adrift in Silence 1
  6. Midnight Bells
  7. Beneath The Seabed
  8. Kitsune
  9. The Invisible
  10. Circular
  11. Stones Adrift in Silence 2

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