Rezension des Albums "When The light comes to play" von MA:Q
MA:Q
When The light comes to play
Erscheinungstermin: 05.06.2026
Label: L8BloomR, 2026
Das Licht zeigt uns nicht den Weg – es macht sichtbar, dass es viele Wege gibt
Manchmal beginnt eine künstlerische Veränderung mit einem neuen Klang. Manchmal genügt schon ein neuer Name. Für Mary Ancheta markiert MA:Q genau diesen Moment – den bewussten Aufbruch in eine musikalische Richtung, die sich nicht länger über Stilgrenzen definieren lässt. When The Light Comes To Play ist das überzeugende Ergebnis dieser Entwicklung.
Die aus Vancouver stammende Komponistin und Keyboarderin bleibt dem Jazz als Ausgangspunkt treu, öffnet ihre Musik jedoch konsequent für neue Einflüsse. Inspirationen von Weather Report, McCoy Tyner, Betty Davis oder David Byrne sind dabei ebenso spürbar wie Elemente aus Funk, Hip-Hop, Afrobeat und globalen Musiktraditionen. Dennoch wirkt das Album niemals wie eine Sammlung unterschiedlicher Stilmittel. Alles fügt sich zu einer eigenständigen musikalischen Sprache zusammen.
Der Titel When The Light Comes To Play beschreibt dabei mehr als nur eine poetische Metapher. Das Licht steht für jene Momente, in denen Gedanken, Gefühle oder musikalische Ideen allmählich Gestalt annehmen. Zwischen Zweifel und Klarheit entfaltet sich eine Musik, die ständig in Bewegung bleibt und ihre Richtung immer wieder neu bestimmt.
Im Mittelpunkt steht das Klavierspiel von Mary Ancheta. Es gibt den Kompositionen ihre Identität, ohne die Mitmusiker in den Hintergrund zu drängen. Vielmehr entwickelt sich ein lebendiges Ensemble, in dem jede Stimme ihren eigenen Platz findet und zugleich zum gemeinsamen Klangbild beiträgt. Die Musik lebt von gegenseitigem Zuhören und der Bereitschaft, unterschiedliche Ideen miteinander zu verbinden.
Gerade diese Offenheit macht den besonderen Reiz des Albums aus. Obwohl die Wurzeln eindeutig im Jazz liegen, reichen die musikalischen Wege weit darüber hinaus. Funkige Grooves treffen auf komplexe Harmonien, rhythmische Energie begegnet lyrischen Momenten, und Einflüsse aus verschiedenen Kulturen verschmelzen zu einem organischen Ganzen. Nichts wirkt konstruiert oder beliebig – jede stilistische Erweiterung dient der musikalischen Aussage.
Besonders gelungen sind die Arrangements. Sie sorgen für eine große klangliche Vielfalt und schaffen immer wieder neue Farben und Perspektiven. Mal entwickelt sich die Musik aus dichten rhythmischen Strukturen, mal öffnet sie weite Räume für melodische Linien und improvisatorische Freiheit. Diese ständige Veränderung hält das Album bis zum Schluss lebendig und überraschend.
When The Light Comes To Play ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie zeitgenössischer Jazz seine Wurzeln bewahren und gleichzeitig neue Horizonte erschließen kann. Mary Ancheta und MA:Q beweisen, dass musikalische Offenheit kein Selbstzweck ist, sondern eine Einladung, neugierig zu bleiben. Ein abwechslungsreiches, klug gestaltetes und inspirierendes Album, das man mit großer Freude immer wieder neu entdecken kann.
(Jacek Brun, 04.07.2026)
Besetzung
Mary Ancheta - keys
Dominic Conway - sax
Matt Reid - bass
Paul Clark - drums
Titelliste
- When the light comes to play
- See you soon
- Lament no. 13
- Halo Halo
- Breathe
- Awaken
- Marinate
- 20 feet from the street (ft. Mike Stern)
- Slack Rise
Unterstützen Sie unabhängigen Jazzjournalismus
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben