Marcus Miller bei den Jazzopen 2025 in Stuttgart

Marcus Miller Stage
Marcus Miller Stage, Foto: Robert Fischer

Nicht kleckern, sondern klotzen lautet seit jeher das Motto bei den jährlich zelebrierten Jazzopen in Stuttgart, die sich selbst zu den „Top-3-Festivals für Jazz & Beyond in Europa“ zählen und „Weltklassejazz im Herzen Stuttgarts“ versprechen. Ersteres muss man als Eigenwerbung mal so stehen lassen – die Veranstalter bemessen das im Zweifel an den in der Tat erstaunlichen Besucherzahlen von um die 60 000 pro Saison. „Weltklassejazz“ stimmt auch, wenn man den Superlativ auf die Zugkraft bekannter Namen bezieht: Ein Blick in die Festivalgeschichte ergibt ein Who-is-who der internationalen Jazzszene – schon bei der ersten Ausgabe, 1994, standen u.a. Ornette Coleman, Pat Metheny und John Scofield auf dem Programm. Was das „& Beyond“ angeht, versteht man darunter in Stuttgart nicht etwa die Erweiterung des Jazzbegriffs um experimentellere Spielarten – da ist man an Orten wie Bezau und Saalfelden besser aufgehoben –, sondern um das Fischen im großen Teich des Pop-, Rock- und Electronic-Mainstreams. Die musikalisch interessantesten Acts findet man häufig am – neben Spardawelt, Altes Schloss und Schlossplatz – kleinsten der vier Spielorte des Festivals, dem Bix-Jazzclub, der sich das ganze Jazz über mit einem spannenden Programm verdient macht.

Ein gutes Beispiel dafür, dass aber auch auf den großen Bühnen Popularität und inhaltliche Qualität eine gelungene Symbiose ergeben können, bot 2025 – ein Jahr nach dem gefeierten 30. Jubiläum – der Auftritt von Marcus Miller im wohl schönsten Veranstaltungsort des Festivals, dem von Renaissancearkaden umstandenen Innenhof des Alten Schlosses. Miller, dessen internationale Karriere nun auch schon vier Dekaden umspannt, war bereits zum zweiten Mal in Folge an diesem idyllischen Ort: Diesmal mit seinem Gorée-Projekt, zu dem ihn ein Besuch der gleichnamigen Insel inspirierte, als er im Senegal tourte. Auf der Bühne in Stuttgart stand er mit einer fabelhaften Band – Donald Hayes (Saxophon), Russell Gunn JR (Trompete), Anwar Marshall (Schlagzeug) und Xavier Gordon (Keyboards), die während des rund zweistündigen Auftritts noch um drei Special Guests erweitert wurde: Jonathan Butler (Guitar, Vocals), Cherif Soumano (Kora) und Adama Dembele (Percussion). Besonders viel Raum (und Zeit) wurde dem charismatischen Sänger und Gitarristen Jonathan Butler gewährt, dessen 2023 veröffentlichtes Album „Ubuntu“ Marcus Miller produziert hat.

Dass sich der Starbassist selbst inzwischen ebenso viele Meriten als Produzent wie als Komponist  von Filmmusik verdient hat, erklärt vermutlich  die Souveränität, mit der er diesen Auftritt gestaltete: Obwohl er auf seinem Hauptinstrument (neben der Bassklarinette), dem E-Bass, stilprägend ist (man schaue sich nur mal auf Youtube seine geslappte Version von Jaco Pastorius’ „Teen Town“ an), nutzte er den Abend nicht vorwiegend als Showcase für seine (natürlich trotzdem immer durchscheinende) Virtuosität, sondern für eine die Band als Ganzes featurende Gesamtschau seiner beeindruckenden Karriere.

Besonders bewegend, bis heute: Die Musik, die er für Miles Davis schrieb, mit dem er bereits im zarten Alter von 21 Jahren zusammenarbeite und damals, so erzählte er glaubhaft auf der Stuttgarter Bühne, sein Glück kaum fassen konnte. Ein Glück ist diese auf legendären Alben wie „The Man with the Horn“ (1982) und vor allem „Tutu“ (1986) veröffentlichte Musik aber auch für (s)ein dankbares Publikum, das den Auftritt von Marcus Miller bei den Jazzopen 2025 mit lange anhaltendem Applaus und Standing ovations feierte. Zu Recht.

Text und Fotos: Robert Fischer

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Kommentar von Gabriele Westermann |

Vielen Dank für die Rezension, die so viele meiner Eindrücke von diesem Konzert ausdrückt. Die Bescheidenheit eines ganz Großen, sie war so sehr spürbar, musikalisch, menschlich, in Fürsorge für seine Mitmusiker. Neben der grandiosen Musik ist diese message angekommen und hat mich (und ich denke viele im Publikum) sehr berührt. In Zeiten, wie diesen so wichtig (so formulierte es sich Marcus Miller).
Viele Grüße
Gabi

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