Rezension des Albums "Ever After - Live at Southampton Arts Center" von Martin Fabricius, Steve Swallow, Brad Shepik und Claes Brondal

Martin Fabricius, Steve Swallow, Brad Shepik, Claes Brondal - Ever After - Live at Southampton Arts Center - Album cover
Martin Fabricius, Steve Swallow, Brad Shepik, Claes Brondal - Ever After - Live at Southampton Arts Center

Martin Fabricius, Steve Swallow, Brad Shepik, Claes Brondal
Ever After - Live at Southampton Arts Center

Erscheinungstermin: 02.10.2026
Label: Caretone Records, 2026

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Als wäre diese Musik schon immer da gewesen

jazz-fun`s recap:

Am Abend des 7. April 2018 standen Martin Fabricius, Steve Swallow, Brad Shepik und Claes Brondal zum ersten Mal gemeinsam auf einer Bühne. Eine kurze Probe, ein gemeinsames Essen – dann begann im Southampton Arts Center ein Konzert, bei dem Vorbereitung und Planung erstaunlich schnell in den Hintergrund traten.

Was blieb, war Musik.

Zum Glück wurde dieser Abend aufgezeichnet. Acht Jahre später erscheint die Aufnahme nun erstmals als Ever After und macht einen jener seltenen Momente zugänglich, in denen sich Musiker offenbar vom ersten Ton an verstehen.

Bei dieser Besetzung überrascht die musikalische Richtung zunächst kaum. Fabricius am Vibrafon, Swallow am Bass, Shepik an der Gitarre und Brondal am Schlagzeug bewegen sich souverän durch zeitgenössischen Jazz, in dem Improvisation eine zentrale Rolle spielt. Bemerkenswert ist vielmehr, mit welcher Selbstverständlichkeit daraus eine gemeinsame Sprache entsteht.

Niemand muss sich seinen Platz erkämpfen.

Die Musiker hören einander aufmerksam zu, übernehmen Führung und Begleitung beinahe unmerklich und geben sich gegenseitig viel Raum. Ein melodischer Gedanke kann vom Vibrafon ausgehen, von der Gitarre aufgenommen und vom Bass in eine neue Richtung geführt werden, während das Schlagzeug die Bewegung unterstützt, ohne sie festzuschreiben.

Auch die Soli bleiben Teil dieser gemeinsamen Erzählung. Sie sind konzentriert, klar und nie unnötig ausgedehnt. Virtuosität ist selbstverständlich vorhanden, doch sie dient nicht der Selbstdarstellung. Jeder Beitrag führt die Musik weiter.

Dadurch entwickelt der Konzertmitschnitt einen ungewöhnlich natürlichen Fluss. Die Stücke besitzen Energie und Bewegung, ohne überladen zu wirken. Selbst in dichterem Zusammenspiel bleibt genügend Luft, damit einzelne Linien hörbar bleiben und musikalische Gedanken ausklingen können.

Steve Swallows Bass bringt dabei seine unverwechselbare melodische Präsenz ein, Brad Shepik sorgt für harmonische und klangliche Offenheit, Claes Brondal reagiert flexibel auf jede Veränderung. Fabricius' Vibrafon gibt dem Quartett zusätzliche Leichtigkeit und eine helle, schwebende Farbe.

Doch Ever After lebt weniger von den einzelnen Namen als von dem, was zwischen ihnen passiert.

Martin Fabricius beschreibt besondere musikalische Erfahrungen als Momente des „In-der-Musik-Seins“. Genau dieses Gefühl vermittelt die Aufnahme. Während des Konzerts scheint alles Äußere nach und nach zu verschwinden.

Übrig bleibt eine Musik, die vollkommen im Augenblick lebt.

Ever After ist deshalb mehr als die Dokumentation eines gelungenen Konzerts. Es ist die Aufnahme einer außergewöhnlichen Begegnung – und ein Album, das man vom ersten bis zum letzten Ton beinahe in einem Atemzug hört.

(Jacek Brun, 30.10.2026)

Besetzung

Martin Fabricius - vibraphone
Steve Swallow - bass
Brad Shepik - guitar
Claes Brondal - drums

Titelliste

  1. Ever After
  2. The Journey
  3. Little Africa
  4. Como en Vietnam
  5. Out of the White
  6. Spanish Winter
  7. Bill's Will
  8. Sweet Henry

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