Martin Wind, Jim McNeely, Ed Neumeister - Counterpoint.

Martin Wind, Jim McNeely, Ed Neumeister - Counterpoint.
Martin Wind, Jim McNeely, Ed Neumeister - Counterpoint.

Martin Wind, Jim McNeely, Ed Neumeister
Counterpoint.

Erscheinungstermin: 29.09.2023
Label: Laika Records, 2023

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jazz-fun`s recap:

Dieses ungewöhnliche Trio huldigt einerseits der Jazztradition, geht aber andererseits mit einer gewissen Distanz damit um. Die Themen klingen oft wie respektable Standards, aber ihre Entwicklung ist eine ganz andere Geschichte. Hier ist immer etwas los, keine Sekunde Pause, und das ist spannend und klanglich reizvoll. Alle Bandmitglieder "glänzen" abwechselnd in den einzelnen Songs. Ein tolles Album, wir sind begeistert!

Martin Wind - bass
Jim McNeely - piano
Ed Neumeister - trombone

Manche Projekte lassen sich nicht planen, sie ergeben sich - wie ein glücklicher Zufall. Im Fall von Martin Winds neuem Album „Counterpoint“ begann alles mit einer E-Mail, die er von einem Musiker aus Europa erhielt. Wind, der seit 25 Jahren in Teaneck/New Jersey lebt und sich in New York City als Bassist und Komponist einen Namen gemacht hat, erinnert sich: "Er schlug vor, ein Album aufzunehmen und fragte, ob ich im Vorfeld einige Auftritte in New Yorker Clubs arrangieren könnte. Das klang für Wind zunächst interessant, entpuppte sich aber - als die detaillierten Vorstellungen des Kollegen auf dem Tisch lagen - als ein Projekt, bei dem er nicht mitmachen wollte. „Ich hatte allerdings schon das Studio gebucht und den Pianisten Jim McNeely entsprechend freigehalten. Mit ihm wollte ich schon vor einigen Jahren ein Album aufnehmen, aber eine Handverletzung machte ihm damals einen Strich durch die Rechnung. Dafür konnten Jim und ich jetzt kurzfristig eine andere Idee von mir umsetzen: ein Trio mit dem Meisterposaunisten Ed Neumeister“, so Wind zur Ausgangssituation.

Der Albumtitel „Counterpoint“ steht für den Begriff der Gegenbewegung oder des Gegenpols, den es auch in der Literatur, der Malerei oder im Tanz gibt. „Es geht um die Dualität der beiden Bassinstrumente Kontrabass und Posaune, während das Klavier kommentiert“, erklärt Wind. Mal bewegen sich Bass und Posaune gemeinsam, wie in dem neu arrangierten Standard „Bittersweet“, mal gegeneinander, wie in „Counter my Point“, oder in wechselnden Rollen, wie in Baiãos Komposition „Rosa“. „Ein Konzept, in dem es um Optimismus geht und das den Darstellern enorme Energie verleiht“, fasst die amerikanische Choreografin und Ballettmeisterin Twyla Tharp zusammen. „Ed und Jim waren von Anfang an begeistert, weil das Spiel ohne Schlagzeug viele Freiräume schafft, die wir ausgiebig genutzt haben“, sagt der Bassist rückblickend. „Hiatus“ ist ein idealer Opener, der mächtig swingt und das Publikum ins Geschehen zieht. „Jim hatte den Song einst als Sideman für Phil Woods geschrieben, mit dem er auch regelmäßig auf Tour war. Als in einem Jahr keine Tour zustande kam, sagte Phil zur Begründung, die Band sei im Winterschlaf“, erklärt Wind den humorvollen Titel. Auf „Remember October 13th“ nutzt das Trio die gewonnene Freiheit ausgiebig. Vor allem im zweiminütigen Intro entlocken Wind und Neumeister ihren Instrumenten teils ungewohnte Klänge. „Völlig frei zu spielen - das ist ein Format, in dem wir uns beide immer wohler fühlen. Es ist, als würde jemand eine Tür öffnen und sagen: Kommt, wir gehen jetzt alle da rein“, beschreibt Wind den experimentellen Charakter des Stücks, das nach dem Intro in einen Blues mündet. Gewidmet ist es folgerichtig dem legendären Bassisten Ray Brown, der am 13. Oktober Geburtstag hat. Auch „Gmunden“ enthält einen frei improvisierten Teil, den man sich als stimmungsvolle Untermalung einer Stummfilmszene vorstellen könnte. Inspiration war eine Nacht, die Neumeister in einem Hotel am Traunsee verbrachte. Die Interpretation des Standards „Blame it on my Youth“ zählt für Wind zu den Höhepunkten des Albums. „In unserer Version spiele ich das Thema zuerst allein und dann im Duo mit Ed. Sein Spiel auf der gedämpften Posaune klingt fast wie Gesang. Dieser Stil war schon vor rund 100 Jahren populär und hat seinen Ursprung im Sound von Duke Ellingtons ‘Jungle Band’“.

Mit „Counterpoint“ knüpft der gebürtige Flensburger nahtlos an die Alben „White Noise“ (im Trio mit Philip Catherine und Ack von Rooyen) und „Gravity“ (im Trio mit Peter Weniger und Jonas Burgwinkel) an. Zählt man noch „Air“ (2022) und „My Astorian Queen“ (2021, alle Laika Records) dazu, kommt man auf fünf Alben in drei Jahren. Das nennt man wohl eine kreative Phase, die allerdings einen ernsten Hintergrund hat. „Die Erfahrung mit Ack van Rooyen, der kurz nach der Produktion unseres Trio-Albums verstarb, hat mir gezeigt, dass manche Herzensangelegenheiten keinen Aufschub dulden“, erklärt Wind. Projekte, die ihm am Herzen liegen, will er nicht auf die lange Bank schieben, sondern zeitnah umsetzen. Ganz oben auf der Wunschliste: ein Album mit dem Pianisten Kenny Barron. Klingt, als würde die Schaffensphase von Martin Wind noch eine Weile andauern.

Text: Laika Records

  1. Hiatus (Jim McNeely)
  2. Remember October 13th (Martin Wind)
  3. Last Waltz (Martin Wind)
  4. Counter my Point (Martin Wind)
  5. Blame it on my Youth (Oscar Levant/Edward Heyman)
  6. Bittersweet (Sam Jones)
  7. Gmunden (Ed Neumeister)
  8. Rosa (Pixinguinha)
  9. Extra Credit (Jim McNeely)
  10. In the Wee Small Hours of the morning (David Mann / Bob Hillard)

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