Marton Juhasz - Metropolis
Marton Juhasz
Metropolis
Erscheinungstermin: 07.02.2025
Label: Unit Records, 2024
Ein interessantes Soundkonzept in der Kombination von Gitarre, Saxophon und Fender Rhodes, tolle Arrangements, interessante Kompositionen. Das musikalische Können und die Vielseitigkeit der Bandmitglieder lassen Stereotypen und Genregrenzen verschwimmen. „Metropolis“ ist ein farbenfrohes, fantasievoll arrangiertes und brillant gespieltes Album. (Jacek Brun, 08.02.2025)
Besetzung
Charley Rose - saxophone
Fabio Goueva - guitar
Lorenzo Vitolo - fender rhodes
Jeremie Krüttli - bass
Marton Juhasz - drums
Über das Album "Metropolis" von Marton Juhasz
Als der mit allen Wassern gewaschene Schlagzeuger Marton Juhasz 2017 in die Schweiz zog, um am "Focusyear"-Programm des Jazzcampus Basel teilzunehmen, zog er nicht in eine Metropole, sondern in eine gemütliche Kleinstadt. Und doch nennt er sein neues Album Metropolis. Was hat es damit auf sich? Nun, Marton sieht die Welt durch das Internet, das in unserer globalen Gesellschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt - verbindend und gleichzeitig allzu oft auch trennend - zu einer einzigen großen "Metropolis" zusammenwachsen. Eine "Metropolis", in der jeder Zugriff auf alle Musik der Welt, alle Bücher der Welt, alles Wissen der Welt hat. Aus diesem Gefühl des (musikalischen) Überflusses und Überangebots heraus, aber auch aus einem leichten Unbehagen angesichts einer um sich greifenden musikalischen Beliebigkeit und Kurzlebigkeit, hat Marton Juhasz auf Metropolis den Versuch unternommen, seine profunde Auseinandersetzung mit verschiedenen Musikkulturen und Epochen der Jazzgeschichte in eine Musik einfließen zu lassen, die er als "post modern contemporary jazz fusion" definiert. Und die als gelungenes Gesamtwerk, als in sich geschlossenes Album, den modernen Hörgewohnheiten der immer kürzer werdenden Online-Formate diametral entgegensteht. In Sound und Instrumentierung orientiert sich Juhasz an Herbie Hancocks berühmten "Headhunters". Die musikalische Frage, die er sich dabei stellte: Kann man dem Genre "Fusion" heute noch eine zeitgemäße, eigene Handschrift, eine Neuinterpretation hinzufügen? Die Antwort lautet: Marton Juhasz kann es.
Das Album beginnt frisch mit "Plato's Clave", ein Wortspiel auf "Plato's Cave". Der kompositorische Ansatz war, das Feeling eines kubanischen Songo/Montuno mit einem rhythmisch verschobenen Tumbao-Basslauf zu einer eigenen Komposition zu verschmelzen. Über dieses kubanisch inspirierte Rhythmusgeflecht legt Juhasz im Thema lange, vom Bebop inspirierte Unisono-Linien von Charley Rose am Tenorsaxophon und Fabio Goueva an der verzerrten Gitarre. Ein fröhlicher Auftakt für ein durch und durch auf "Modern Tribal Grooves" spezialisiertes Album. Denn schon im folgenden Song "Ancestral Drift" hören wir die eigentliche Blaupause für viele der folgenden Kompositionen: Ein hypnotischer Drumbeat eröffnet den Song, bald gesellt sich ein an afrikanische Musik erinnerndes, pentatonisches Gitarrenpicking dazu, das Rhythmusgeflecht wird immer dichter, und als Bass, Rhodes und Charley Rose, der mit einem wunderbar warmen Saxsound darüber schwebt, dazukommen, ist das "Tribal Feeling" perfekt. Juhasz' intensive Beschäftigung mit traditioneller afrikanischer Musik erhellt hier die Komposition mit einem inneren Feuer, auch wenn der triolische Rhythmus statt im traditionellen 12/8-Gewand im 9/4- oder 9/8-Groove daherkommt. Eine spannende, durchweg gelungene Komposition mit vielen überraschenden Wendungen. Und dem Hörer wird auch klar: Dem Komponisten geht es auf diesem Album mehr um Stimmungen, um hypnotische Rhythmen und rhythmische Geflechte als um lange Soloexzesse, wie sie in der Fusion-Musik sonst oft und gerne zelebriert werden.
Hervorzuheben ist auch der "Wren Song", bei dem Juhasz den Gesang eines Singvogels, des "Musician Wren", transkribiert hat und die Musiker sich diesem Thema zunächst in freier Improvisation und dann in einem ausgeschriebenen Thema nähern. Auch hier hören wir starke solistische Beiträge von Lorenzo Vitolo am Fender Rhodes und Fabio Goueva an der Gitarre. Ein gelungenes, in sich geschlossenes Werk von fünf Ausnahmemusikern und einem inspiriert komponierenden, spielenden und antreibenden Bandleader!
Titelliste
- Plato’s Clave
- Ancestral Drift
- São Paulo
- Helio
- Wren Song
- Radar
- Winged Travelers
- Mr. Busyman Goes On Holiday
jazz-fun`s recap:
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