Mathieu Clement - RUMA

Mathieu Clement - RUMA - Album cover
Mathieu Clement - RUMA

Mathieu Clement
RUMA

Erscheinungstermin: 30.05.2025
Label: Double Moon Records, 2025

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jazz-fun`s recap:

Trotz seines jungen Alters überzeugt Mathieu Clément auf diesem Album mit bemerkenswerter Reife und einer klaren künstlerischen Vision. RUMA ist kein musikalisches Experimentieren mehr – hier hört man deutlich, was der Schlagzeuger will und wo er sich zu Hause fühlt. Die Musik verbindet auf berührende Weise nostalgische Rückblicke auf die Jazztradition mit der unbeschwerten Freude am Musizieren und am kreativen Austausch. Um sich hat Clément ein herausragendes Ensemble versammelt, das in jeder Phrase und in jedem der zahlreichen Soli begeistert. Das Ergebnis ist ein Album voller Wärme, Tiefe und Spielfreude – Musik, die berührt, mitreißt und einfach glücklich macht. (Jacek Brun, 31.05.2025)

Besetzung

Myriam Clement - Vocals
Adrian Gallet - Tenor Saxophone
Julius van Rhee - Alto Saxophone
Victor Fox - Soprano Saxophone
Jakob Bänsch - Trumpet
Leon Hattori - Piano
Robert Landfermann - Double bass
Mathieu Clement - Drums

Mathieu Clément – RUMA: Reife, Klarheit und pure Spielfreude

Mit gerade einmal 23 Jahren ist es bereits das dritte eigene Album. Keine Frage: Der Drummer, Komponist und Arrangeur Mathieu Clement aus Luxemburg geht unbeirrt seinen Weg. „Ruma” ist das zweite Album mit seiner eigenen Band. Im Herbst 2024 erschien quasi zwischendurch die Produktion „Fume“, die von einem international besetzten Kollektiv unter seiner Leitung aufgenommen wurde – einem Sextett, genau wie das Debüt von Clements Band „Coming Home“ aus dem Jahr 2023.
Für „Ruma“ hat er seine Gruppe um einen weiteren Saxofonisten vergrößert. Mathieu Clement liebt Bläsersätze. Und er liebt die kompositorische Herausforderung, drei oder vier Bläserstimmen so zu schreiben und zu arrangieren, dass sie sich zu einem Sound verbinden, dessen Strahl- und Sogkraft man sich einfach nicht entziehen kann.

Stilistisch bewegt sich der Schlagzeuger auch mit diesem Septett auf bewährtem Fundament. Straight ahead ist die Losung. Grundsätzlich orientiert sich Clement an den Errungenschaften jener Jazzströmungen, die sich Mitte der 1950er Jahre entfalteten und in Spielarten des Mainstream mündeten. Es ist hochgradig spannend, was der ambitionierte Luxemburger, der die letzten Jahre in Köln gelebt hat, daraus entwickelt hat. Selbst durch Stücke, die klare Bezüge zu klassischem Hardbop, sogar mal zum Bebop („The Sightreader“), aufweisen, fegt ein aktueller Wind. Die Melodie- und Satzführungen nehmen originelle, oft erstaunlich komplexe Verläufe. Da wird der traditionsreichen Basis etwas Frisches und durchaus Persönliches abgewonnen – da lässt jemand seiner Fantasie und Gestaltungslust freien Lauf, ohne dass es ihn und die Band aus der Kurve trägt. Das Konzept dahinter? Es gibt keins! Mathieu Clement macht einfach, was ihm in den Sinn kommt. „Ich bin nicht sehr methodisch. Was ich tue, kommt eher spontan, intuitiv, aus der Emotion heraus.“

Ein zentraler Teil seiner musikalischen Emotionen geht auf die Beschäftigung mit einer der stilprägendsten Formationen der klassischen Jazz-Moderne zurück: „Ich war schon immer begeistert von den Jazz Messengers, insbesondere von Art Blakey und Horace Silver. In dieser Musik fühle ich mich sehr zuhause, denn ich habe sie schon immer gehört und gemocht.“ Clement, der im luxemburgischen Diekirch aufwuchs, kommt aus einem musikalischen Elternhaus. Mit seinem Vater, dem Organisten und (Jazz-)Pianisten Maurice Clement, sowie seinem Großvater, dem Fotografen Raymond Clement, der unter anderem Jazzmusiker fotografiert hat, tritt er gelegentlich unter dem Projektnamen „3 Generations“ auf. Mathieu, Jahrgang 2001, begann im Alter von acht Jahren, Schlagzeug und Vibrafon zu lernen. Mit 13 entdeckte er die Musik von Blakeys Band für sich. Für das Musikstudium, in das er als Jungstudent einstieg, wechselte er nach Köln. Heute ist Mathieu Clement in den unterschiedlichsten Kontexten zu erleben: in der traditionell ausgerichteten Young Lions-Band des Pianisten Chris Hopkins, im Quartett der aus der Ukraine stammenden Vokalistin Tamara Lukasheva, im Trio mit dem Bassisten Henning Gailing, in Gruppen des Multiinstrumentalisten Matthias Schriefl und einigen anderen.

Um bei all dem mit Überzeugung und Seele dabei zu sein, ist eine extrem offene Grundhaltung erforderlich. „Ich beschränke mich nicht. Ich höre auch viel ‚moderne‘ Musik und spiele sie sehr gerne. Mit meiner Band will ich im Moment aber einfach dem folgen, was mich besonders intensiv beschäftigt: ein Gefühl dafür bekommen und verstehen, wie sie das damals gemacht haben – das erforschen.“ Diesen eher bescheidenen kreativen Ansatz hat Clement längst hinter sich gelassen. Dazu trug sicher auch bei, dass er als Arrangeur, wie er selbst sagt, „nicht so gut ausgebildet ist“. Seit seinen ersten kompositorischen Schritten verfährt er nach dem Learning-by-Doing-Prinzip. „Die Aufgabe war anfangs schon eine Herausforderung, ein Experiment.“ Zum Schreiben und Arrangieren sitzt er am Klavier. Sein Leitfaden ist ein neugieriger Pragmatismus. „Ich notiere mehrere Stimmen, schaue, ob das gut klingt – und ob es Spaß macht, das zu spielen.“ Letzteres klärt er mit seinen Mitmusikern. „Das ist ein praktisches Erforschen und Herausfinden. Manchmal ist vieles möglich, es gibt einige kompositorische Parameter, aber nicht zu viel ist festgelegt. Andererseits gibt es auch Stücke, in denen sehr viel ausnotiert ist.“

Dass er oft ungewöhnliche Wege geht, Entscheidungen trifft und Reize setzt, ist nicht absichtlich. „Das sind keine bewussten Entscheidungen. Mir kommt manchmal einfach eine Idee und ich frage mich, ob das funktionieren könnte.“ Für einen Schlagzeuger geradezu kurios mutet sein einziger konkreter Vorsatz für das neue Album an. „Ich habe mir vorgenommen, dass mindestens ein Stück vom Schlagzeug ausgehen soll, von einem bestimmten rhythmischen Gefühl, zu dem ich dann die Basslinie und die Melodie schreibe.“ Entsprechend hat das Resultat „Double Deal“ eine ganz besondere Qualität. Die Band – eine handverlesene Wunschbesetzung – folgt einem kollektiven Spirit, der in Interpretation und solistischer Klasse für das gewisse Etwas sorgt. Clement schöpft die Möglichkeiten der verschiedenen Stimmen – neu ist das Alt – genüsslich aus. Mit Robert Landfermann, der Clements Weg seit dessen Ankunft an der Kölner Hochschule verfolgt hat, konnte er einen der herausragenden (und gerne mal avantgardistisch orientierten) deutschen Bassisten gewinnen. „Er hat mir und allen Beteiligten ein großes Geschenk gemacht, indem er dabei ist. Als Musiker und auf der menschlichen Ebene hätte ich mir keinen Besseren vorstellen können.“ Auf „Sisterhood“ singt eine der jüngeren Schwestern Clements (sie sind „Five Children“ im Clement'schen „Family Tree“). „Hipocrise” benennt eine bedenkliche Ausprägung im Privaten und in der Gesellschaft. „Wibifri” entstand aus Betroffenheit über das Schicksal der Palästinenser, ohne dass sich Clement politisch positionieren wollte. „S. W.“ steht für zwei kürzlich Verstorbene: einen Bekannten, den Hobby-Pianisten Serge Wenzel, und den Saxofonisten und Komponisten Wayne Shorter, der einst ein Jazz Messenger war. „The Sightreader“ ist ein Insider-Witz. „Mad Mat Returns“ knüpft an das Stück „Mad Mat“ vom Debütalbum an. Dabei handelt es sich um ein fiktives Pseudonym von Mathieu für seine parallele Existenz als Electro-Produzent. Und „Ruma“? Das war der Name einer rotbraunen Kuh in Montenegro, von der ihm seine Freundin erzählt hat. Mathieu Clement grinst: „Mit der Musik hat das überhaupt nichts zu tun! Ich dachte mir: Der Name ist kurz – den kann man sich gut merken.“ Eine sympathisch pragmatische Einstellung.

Text: Double Moon Records

Titelliste

  1. Ruma
  2. Sisterhood
  3. Hypocrise
  4. Family tree
  5. Wibifri
  6. Double deal
  7. Five children
  8. S.w.
  9. The sightreader
  10. Mad mat returns
  11. Last tune
  12. Ruma (alternate take)

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