Matthias Bublath - Eight Cylinder Bigband

Matthias Bublath - Eight Cylinder Bigband

Matthias Bublath
Eight Cylinder Bigband

Erscheinungstermin: 31.01.2020
Label: enja, 2020

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Trumpets:
Nemanja Jovanovic
Florian Jechlinger
Reinhard Greiner
Andreas Unterrainer

Saxophones:
Ulrich Wangenheim
Florian Riedl
Axel Kühn
Moritz Stahl
Gregor Bürger

Trombones:
Jürgen Neudert
Hans Heiner Bettinger
Erwin Gregg
Jakob Grimm

Guitar - Ferdinand Kirner
Bass - Patrick Scales
Drums - Christian Lettner
Keys - Matthias Bublath

Wo die Ära der Jazz-Orchester in den Vierzigerjahren endete, da setzen heute erfreulich viele junge Bigbands neu an. Auch der Pianist, Keyboarder und Organist Matthias Bublath setzt seine musikalischen Leidenschaften jetzt im großen Maßstab um. Und da er es nun mal bullig mag, trägt sein Jazz Orchestra auch den passenden Namen: Eight Cylinder Bigband. Was diesem musikalischen Motor ungewöhnlich viel Hubraum, Drehmoment und Durchzugskraft verschafft, ist der Umstand, dass Bublath dieses Projekt nicht nur für die Bigband, sondern auch noch auf die Hammond Orgel zugeschnitten hat: die größte Besetzung im Jazz trifft auf das Instrument, das selbst schon fast ein eigenes Orchester ist.

Anders als frühere Hammond-Größen, die sich den Traum von der Bigband erfüllten, hat Bublath alle Stücke und Arrangements selbst geschrieben. Und die Bandbreite reicht dabei von Blues und Gospel über Soul und Funk bis zu Afrokaribischem und Latin – Hauptsache, es groovt. Ausdruck einer raren Vielseitigkeit, die sich der 41-Jährige mit einer ebenso seltenen Mischung aus Talent, Fleiß und Hingabe an die Musik angeeignet hat. Und mit einem Werdegang, der die Herausforderung nie gescheut hat, was auch Wettbewerbssiege beim „Montreux Solo Piano Competition” oder beim „Charlie Palmieri Latin Jazz Piano Competition“ belegen. Nach dem Studium am Linzer Bruckner-Konservatorium, am legendären Berklee College of Music in Boston und schließlich an der Manhattan School of Music lebte und arbeitete Bublath gut acht Jahre lang in New York, dem immer noch härtesten, aber auch lehrreichsten Pflaster der Welt für Musiker. Er spielte mit Stars wie Lionel Loueke, Zach Danziger, Tim Lefebvre oder Obed Calvaire, und legte die ersten eigenen Alben vor, bevor er ins heimatliche München zurückkehrte. Um auch hier schnell einer der umtriebigen Aktivposten der Szene zu werden - als Keyboard-Motor von Soul-, Blues- und Folkgrößen wie Max Merseny, San2 oder Claudia Koreck, bei PopGrößen wie Sarah Connor, in Bühnenprojekten wie „Charlie and his Orchestra“ oder den Multimedia-Shows „Amazonas meets Jazz“ und „Oceans“ mit seinem Vater, dem Wissenschaftsjournalisten Joachim Bublath, vor allem aber mit vielen eigenen, auf inzwischen acht Alben dokumentierten eigenen Projekten.

Sein nicht nur zahlenmäßig größtes ist nun die „Eight Cylinder Bigband“, ein lange gehegter, mit dem Förderpreis der Initiative Musik für das Jahr 2019 ausgezeichneter Herzenswunsch, auf den er schon seit einigen Jahren hinarbeitet. Die Band ist dementsprechend handverlesen: Kernstück ist die dafür seit zwei Jahren untrennbar zusammengeschmiegte Rhythmusgruppe an Bublaths Seite, mit Patrick Scales am Bass, Christian Lettner am Schlagzeug (beide unter anderem langjährige Rhythmus-Garanten bei Klaus Doldingers Passport) und Ferdinand Kirner, dem aktuell vielleicht gefragtesten Gitarristen Deutschlands.

Und auch die in akkurater Bigband-Stärke besetzten BläserSections sind mit den besten Bigband-Solisten der süddeutschen Szene bestückt: An den Trompeten sorgen Nemanja Jovanivic, Florian Jechlinger, Andreas Unterrainer und Reinhard Greiner für mächtigen HighNotes-Schalldruck und messerscharfe Licks; Jürgen Neudert, Jakob Grimm, Erwin Gregg und Hans Heiner Bettinger bilden einen Posaunen-Satz, der auch einen J.J. Johnson (als Erfinder des Posaunenquartetts im Jazz) glücklich gemacht hätte; und auch der sogar fünfköpfige Saxofon-Satz mit Moritz Stahl, Ulrich Wangenheim, Florian Riedl, Axel Kühn und Gregor Bürger ist nicht nur mit allen musikalischen Wassern (vom Hi-Fly Orchestra über die Earforce- und Jazzrausch- bis zu diversen anderen Bigbands) gewaschen, sondern machen bei Bedarf auch an Klarinetten und Flöten eine überragende Figur. Als „special guest“ ist der inzwischen in den USA zum „rising star“ aufgestiegene Trompeter Takuya Kuroda mit von der Partie, ein enger Weggefährte Bublaths, seit sich die beiden einst auf einer Jam Session in Harlem kennenlernten.

Ein Füllhorn der Extraklasse, das Bublath auch braucht für seine vor Tempo-, Rhythmus- und HarmonikWechseln und -Höchstschwierigkeiten strotzenden Stücke. Nie gibt sich Bublath mit dem Einfachen oder Bewährten zufrieden: Sein „Gospel Song“ etwa enthält alle Qualitäten der religiösen black music, aber auch unerwartete spitze Bläsereinwürfe und eine tänzerische Walzerlinie. Sein „Return To The Source“, einer der Ausflüge in den ebenso geliebten Latin-Kosmos, beginnt mit dem klassischen Clave-Rhythmus, um in ein mitreißendes Frage- und Antwortspiel der Bläsersätze zu münden. Vom Hochdruck-Funk mit verschmitzten James-Brown-Zitaten („Dump The Goose“ zum Beispiel) geht es über die Balladen wie „Sad Belt“ bis zum an einen schwarzen Gottesdienst erinnernden rasenden Finale.

So gibt diese „Eight Cylinder Bigband“ Gas wie wenige andere, nutzt wirklich alle verfügbaren Gänge und meistert jede noch so verwegene Kurve. Eine Tour de Force, bei der jeder gerne mitfährt.

Text: Oliver Hochkeppel

  1. Bigband intro joint
  2. Matight intro
  3. Nice green bo
  4. Eight cylinder
  5. Gospel song
  6. Home cookin'
  7. Return to the source
  8. Dump the goose
  9. Sad belt
  10. Mr. Scales
  11. Outro blow
  12. Bolero

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