Maurice Louca´s Elephantine Berliner Jazzfest 2021 im Silent Green

Jazz meets the Arabic World

Maurice Louca´s Elephantine
Maurice Louca´s Elephantine, Foto: Camille Blake

Maurice Louca – Gitarre
Thomaso Capellato, Özun Usta – Schlagzeug
Pascale Mirra – Vibrafon
Piero Bittolo Bon – Altsaxofon
Daniel Gahrton – Baritonsaxofon
Rasmus Svale – Tuba
Isak Hedjtärn – Klarinette
Rosa Brunello – Kontrabass

Es hört sich wild, fast chaotisch an, zumindest durch die geschlossen Türen. Nach dem - um wenige Minuten zu spätem – Eintreffen im Saal, ist Folgendes zu erblicken: Da scheinen sich 2 Doppelquartette getroffen zu haben, die akustisch darum streiten, wem die Gitarre oder das Vibrafon zuzurechnen ist. Akustisch sind Elemente aus der arabischen Welt und dem Türk-Rock zu finden. Das liegt an den beiden Trommlern, die souverän diese Rhythmen vorgeben. Zusammen mit Kontrabass und Tuba generieren sie einen Oriental Sound, den die Bläser zusätzlich anreichern. Diese spielen orientalischen Skalen mit der korrespondierenden Intonation: nasal, leicht schrill und durchaus „quakend“. Und so klingen dann auch ihre Improvisationen, schön orientalisch eben.

Der Reihe nach. Die Rhythmusgruppe ist doppelt vertreten: 2 x Drums, 2x Bass, Gitarre und Vibrafon zählen wir auch dazu. Dann sind da noch 3 Holzbläser und die Tuba. Ja, so konnte eine alte Idee von Ornette Coleman wohl aussehen: 2 komplette Quartetts treffen (Encounters) aufeinander. Nur, hier handelt es um eine Formation, keine klassische Big Band, sondern um eine große, ungewöhnliche Band. Auch der Sound ist nicht jazz-klassisch, sondern besticht durch einen Rhythmus, der stark orientalisch geprägt ist und das auch noch mit 2 Trommlern.

Dieser Rahmen, diese Rhythmen und Melodien, bleiben auch während des ganzen Konzertes erhalten. Wenn sich die Elephantine Band zurückzieht, überlässt sie den einzelnen Solisten die Bühne, die dann einzeln oder in kleinen Gruppen ihr Können darbieten. Das sind eher Zeugnisse an ihren persönlichen Stil, der weniger oder gar nicht dem Gruppen-Sound verpflichtet ist. So wie die gewichtige Tuba, die eher in der Tradition klassischer Hornbläser zu hören ist. Auch die mal funky spielende Kontrabassistin ist solistisch zu hören. Ihr Solo begleitet eine (Slide)Gitarre. Leichter haben es die Holzbläser, deren Intonation fast von alleine einen orientalischen Klangcharakter annehmen kann – „spiele ich die große Terz , so klingt es nach Orient, spiele ich die kleine Terz, so ist es Jazz“. Vereinfacht ausgedrückt. Ein stark orientalisch anmutendes Blasinstrument, das wohl „nur“ die Klarinette von Isak Hedjtärn ist, kann diese orientalischen Klangfarben, Stimmungen und Harmonien gut zum Ausdruck bringen.

Kopf und Seele des Projektes ist der Gitarrist Maurice Louca, der die Themen gesammelt und die Arrangements wohl geschrieben hat. Die Musik von Elephantine ist eine durchaus gelungen Synthese von Rhythmen wie Harmonien aus dem Orient mit der Instrumentierung und den Improvisationskünsten des Jazz. Das alles ist sehr unterhaltsam, in teilweise sogar tanzbar, und es macht Band wie Publikum offensichtlich höchstes Vergnügen. Nach Dizzy Gillespie Klassiker Night in Tunisia, George Gruntz´ (Künstlerischer Leiter des Jazzfestes in den 80-zigern) Album Noon in Tunisia - Jazz meets the (Arabic) World - hat dieser Musikstil heute im abendlichen Silent Green auf dem Jazzfest Berlin ein weiteres Zeichen gesetzt.

Text: Cosmo Scharmer
Foto: Camille Blake

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