Meike Goosmann - Tender Tales

Meike Goosmann - Tender Tales

Meike Goosmann
Tender Tales

Erscheinungstermin: 01.03.2013
Label: AJazz, 2012

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Gute Geschichten kann man auf vielerlei Arten erzählen. Ungeschminkt in drastischen Worten. Nüchtern und sachlich. Oder liebevoll, leise und zärtlich mit unwiderstehlicher Empathie, die jeden Zuhörer sofort in ihren Bann zieht. Auf ihrem neuen Album „Tender Tales“ präsentiert die in Berlin lebende Sopransaxophonistin und Bassklarinettistin Meike Goosmann (*1966) mit feinem Gespür für betörende Melodien zehn Geschichten voller Poesie, die unmittelbar zu Herzen gehen.

„,Tender Tales‘ erzählt von Menschen, denen ich auf ganz verschiedene Weise begegnet bin oder die in meinem Leben sind“, berichtet die Bläserin, die ihre Musik als „Contemporary European Jazz“ bezeichnet. Eine überzeugende Synthese aus jazzigen Klängen, zeitgenössischer Kammermusik und einer dezenten Prise World Music, die Meike Goosmann mit ihrem seit 2000 bestehenden Quintet in heiterer Gelassenheit als filigrane Klanggemälde inszeniert.

Dabei lässt Leaderin Meike Goosmann ihren Bandmitgliedern Julia Hülsmann (Piano), Stefan Weeke (Bass), Ulrich Moritz (Drums, Percussion) und Jeanfrançois Prins, der sich den Part an der Gitarre auf „Tender Tales“ mit Christan Kögel teilt, großzügige Freiräume zur Entfaltung ihrer Talente. Was gleich beim ersten Stück „One, Two, Forty“ deutlich wird, das mit zarten Basslines beginnt, denen sich nach und nach weitere Stimmen zugesellen, bis schließlich Meike Goosmann am Sopransax mit wunderbarer Leichtigkeit jubiliert. Unaufdringlich stehen die schwebenden Saxofon-Klänge im Mittelpunkt ihrer poetischen Stories voller tiefempfundener, meisterlich erzählter Gefühle und werden nur selten vom tiefen Sound der Bassklarinette abgelöst.

„Ich besinge ,meine Helden‘, ‚meine Heldinnnen‘ in klingenden Portraits“, so die Komponistin, die mit „Alice“ der bald 109jährigen Prager Pianistin Alice Herz-Sommer, einer der letzten Überlebenden aus Theresienstadt, auf ihrer neuer CD ein musikalisches Denkmal setzt. Oder mit ihrer „Sylvin Rubinstein Suite“ an den 2011 in Hamburg gestorbenen jüdischen Tänzer erinnert, der nach dem Holocaust neben seinem eigenen Part immer auch den seiner ermordeten Zwillingsschwester als „Dolores“ tanzte. Dass es die Beine seines Freundes Sylvin Rubinstein waren, die Michael Jary 1951 mit dem Lied „Das machen nur die Beine der Dolores“ besang, wissen bis heute nur die Wenigsten. Es gehört zu den großen Stärken von Meike Goosmann, dass sie solche Geschichten zwar emotional, aber ohne jedes Pathos zu erzählen versteht. Und dabei in ihren rhythmisch wie melodisch attraktiven Stücken die individuellen Klangfarben ihrer musikalischen Partner souverän herausstellt. Wofür das lässig groovende „I Wanna Play“ in zwei spannenden Versionen nur ein Beispiel ist.

„Ich genieße, wie die Interpretationen der Einzelnen den weiten Raum der Kompositionen füllen und wie wir sie gemeinsam zum Leben erwecken“, erläutert die zurückhaltende Bandleaderin und betont, wie glücklich sie mit den „einfühlsamen und inspirierenden Improvisationen“ ihrer MusikerInnen sei. Was jeder Zuhörer sofort und unmittelbar nachempfinden kann. Denn auf „Tender Tales“ wird der vielzitierte Satz, das Ganze sei mehr als die Summe seiner Teile, zur faszinierenden Gewissheit. Ein Album, das überzeugend wunderschöne Geschichten präsentiert und so selbst zur Geschichte wird, die man gerne erzählt. (Ajazz)

  1. One, two, forty
  2. Alice
  3. Sea lights
  4. Sylvin Rubinstein suite
  5. Little dole
  6. I wanna play
  7. Duo
  8. The city, the evening and you
  9. Both sides
  10. What happens next
  11. I wanna play

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