Meshell Ndegeocello - 2 Nites in Berlin
Es gibt gute Konzerte, die einen im Moment begeistern und mitreissen, an die man sich am nächsten Morgen aber kaum mehr erinnert. Und es gibt Konzerte, die einen beschenken, bereichern und die lange in einem nachklingen.
Zur zweiten Gruppe gehörten Konzerte der Bassistin, Sängerin und Komponistin Meshell Ndegeoceollo schon immer, doch ihr neues Programm „No More Water: The Gospel of James Baldwin“ ist noch um einiges intensiver als die ebenfalls sehr guten Projekte in der mittlerweile über 30jährigen Karriere dieser epochalen Musikerin.
Berlin hatte die Ehre und Freude, die Musikerin mit ihrer fantastischen Band gleich an zwei Abenden erleben zu dürfen. Das Ambiente dafür war speziell, die Musikbrauerei mit den verwinkelten Fluren, Wendeltreppen und ihren hohen Räumen boten einen tollen Rahmen für die Veranstaltungen. An beiden Abenden war Meshell Headliner und erst ab zehn auf der Bühne. Der erste Konzerttag wurde von aja monet eröffnet, die Spoken Word Artist und Aktivistin mit ihren intensiven Texten und der starken Bühnenpräsenz ist eine Dichterin, wie man sie sich vorstellt, mit einem mit Blumen umkränzten Mikrophon und mit einer eselohrigen Kladde mit braun-goldenem Einband, sehr benutzt, sehr dicht beschrieben. Die nach- und eindrücklichen Texte wurden ebenfalls kongenial mit einer klassisch mit Piano/Keyboards, Kontrabass, Drums und Sax (mit Effekten) besetzten Band umgesetzt. Den Opener des zweiten Abends, Samora Pinderhughes, verpasste ich leider wegen Terminkollisionen, ich kam erst zur Hauptshow an. Direkt vor Meshells Auftritten konnten Jake & Abe, Keyboarder und Drummer ihrer aktuellen Band ihr Duoprogramm zeigen, gefällige Kompositionen, luftig leicht, die das Publikum zum mitsingen animierten.
Meshells Band ist Optik relativ egal, nehmen wir den Gitarristen Chris Bruce mit seinem Paradiesvogel-Outfit mit Röcken und wilden Kopfbedeckungen heraus. Auch Meshell selber, die meist im Sitzen spielt und singt, ist eher in unscheinbar dunkle Anziehsachen gehüllt, am zweiten Abend sogar lange in einer Daunenjacke (warm wurde es in der Musikbrauerei eher in den Herzen und den tanzenden Zuschauern).
Ihre markante Stimme, wenn sie Texte von Baldwin rezitiert, ist sanft. Doch die Botschaft, Baldwins gewichtige Verse, sind immer klar artikuliert und im guten Bandsound verständlich. Die Vertonungen der Texte sind in der rhythmischen Verteilung der Worte reichlich ungewöhnlich, so bekommt “Thus Sayeth The Lorde” einen ganz besonderen tänzerischen Groove.
Highlight des Konzert und absoluter Publikums-Liebling ist „Love“, Baldwins Hymne an die Kraft der Liebe, die jedem erlauben sollte, sich auch in Krisen zu akzeptieren.
Fast wie ein Gottesdienst mit Psalmen, so kommen einem Meshells Konzerte streckenweise vor, Baldwins Texte werden vor dem Konzert und in Pausen auf deutsch eingespielt (was beim internationalen Publikum vermutlich in englisch besser funktioniert hätte).
Keinesfalls unerwähnt bleiben darf Meshell Ndegeocellos unfassbare Band, weil sie ebenso grossen Anteil an zwei unvergesslichen Abenden hatte:
Zur Sängerin und Bassistin kamen Jake Sherman und Jebin Bruni an den Keyboards, Abe Rounds am Schlagzeug, Kyle Miles in der etwas undankbaren Rolle als zweitem Bassisten, der – da Meshell im aktuellen Programm auch wieder viel selber Bass spielt – etwas im Hintergrund blieb, Chris Bruce an der Gitarre und der phänomenale Sänger Justin Hicks.
Das Publikum feierte die beiden Konzerte und wurde nicht müde, die Band zu Zugaben zurückzuholen.
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