Michael Wollny & Joachim Kühn - Duo

Michael Wollny & Joachim Kühn - Duo

Michael Wollny & Joachim Kühn
Duo

Erscheinungstermin: 26.01.2024
Label: ACT, 2023

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jazz-fun`s recap:

Das Zusammentreffen zweier Titanen der Klavierkunst und die Aufnahme einer Duoplatte für zwei Klaviere ist eine weitere Offenbarung des Labels ACT. Dieses Album ist eine Demonstration der musikalischen Gelehrsamkeit der beiden Künstler. Die Pianisten lassen ihrer Phantasie freien Lauf, kontrollieren jedoch den Verlauf des Ganzen und laden zu einem intellektuellen Abenteuer ein, das der logischen Erzählung der Töne folgt und ihre eigene einzigartige musikalische Welt erschafft.

Michael Wollny - piano
Joachim Kühn - piano

Joachim Kühn (*1944) und Michael Wollny (*1978) sind in jeder Hinsicht unverwechselbare Individualisten. Gerade darin liegt auch ein wesentlicher Teil ihrer Gemeinsamkeit. Beide sind als herausragende Virtuosen ohne stilistische Einschränkungen in den unterschiedlichsten Bereichen der zeitgenössischen Musik zu Hause. Beide verfügen über einen wachen und enorm kreativen Geist, die Tugend des Zuhörens und die Sicherheit, im richtigen Moment das Richtige zu tun und den Duo-Partner und manchmal auch sich selbst zu überraschen.

Zum ersten Mal spielten Kühn und Wollny im Oktober 2008 gemeinsam auf dem Album Piano Works IX: Live At Schloss Elmau„. Und schon damals gelang ihnen die schwierige Gratwanderung zwischen den unbegrenzten Möglichkeiten der 176 Tasten und der Sensibilität, innerhalb dieser Möglichkeiten die richtigen musikalischen Entscheidungen zu treffen. Nun, 15 Jahre später, dokumentiert die schlicht „DUO“ betitelte Einspielung eine erneute Begegnung am 23. Januar 2023 in der Alten Oper Frankfurt. Das Album ist ein Abbild des Konzerts in seinen wesentlichen Phasen. Nichts wurde gefälscht, nichts beschönigt, nur an einer Stelle die Reihenfolge geändert. Der Zwischenapplaus musste nicht umständlich herausgeschnitten werden, weil das Publikum, überaus aufmerksam und gebannt, sich zwischen dem Ende jedes Stückes und dem Applaus eine Sekunde Zeit nahm, um sich zu beruhigen.

Man hört zwei improvisierende Pianisten, die sich wortlos einig sind. Die jedes Abtasten und Kennenlernen längst hinter sich gelassen haben. Die vom ersten Moment an wissen, was sie aneinander haben, was sie sich und einander zutrauen und zumuten wollen und können. Die sich Zeit nehmen und Zeit geben, die sich nicht unter Druck setzen und gerne ein Stück mitgehen. Deren Spiel manchmal fast zu verschmelzen scheint. Die aber auch mit eigenen Richtungsentscheidungen nicht hinterm Berg halten und Kontraste setzen, der andere wird schon wissen, was er zu tun hat. Die an der gemeinsamen Musik arbeiten wie zwei Bildhauer an derselben Skulptur. Manchmal ist alles ganz klar, manchmal ist nicht zu unterscheiden, wer gerade vorne und wer hinten ist, wer links und wer rechts spielt.

Die alte Frage „Ist das noch Jazz?“ scheint die beiden nicht sonderlich zu interessieren. Mit der ersten Blue Note können sie sich bis zum vierten Stück (Ornette Colemans „Somewhere“) Zeit lassen, ohne jemanden vergeblich warten zu lassen. Beide folgen, verdichtet, virtuos und inspiriert, einer Praxis, die man in der europäischen Klaviermusik „fantasieren“ nennt und die seit mehr als einem Jahrhundert aus der Mode gekommen zu sein scheint, weshalb sie mit der Energie des Jazz neu belebt werden musste. Man hört zwei Musiker, deren Wege sich immer wieder trennen, um sich wieder zu treffen, und die am Ende gemeinsam ein Requiem für Joachims Bruder Rolf spielen. Und natürlich ist es Jazz, was sonst?

Text: ACT

  1. Vienna Pitch (Michael Wollny)
  2. Eclat (Joachim Kühn)
  3. Fatigue (Michael Wollny)
  4. Somewhere (Ornette Coleman)
  5. Aktiv (Joachim Kühn)
  6. My Brother Rolf (Joachim Kühn)

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