Monoglot - Resonance

Monoglot - Resonance

Monoglot
Resonance

Erscheinungstermin: 01.10.2021
Label: Hout Records, 2021

Monoglot - Resonance - bei bandcamp kaufen

Kristinn Smári Kristinsson - guitar
Fabian Willmann - tenor saxophone
Sebastian von Keler - tenor saxophone
Valentin Link - bass
Michael Heidepriem - drums

Die entscheidende Komponente, welche die sieben Songs zusammenhält, ist der Sound.

Die Saxofonisten Sebastian von Keler und Fabian Willmann, Gitarrist Kristinn Kristinsson, Bassist Valentin Link und Drummer Michael Heidepriem verteilen sich über Basel, Berlin und Reykjavik. Von den Bergwelten der Schweiz über die Vulkan-Insel im Nordatlantik bis zum brodelnden Schmelztiegel Berlin aus völlig unterschiedlich sozialisierten Umfeldern kommend, findet das Quintett eine interne Schnittfläche, die mit herkömmlichen Bezeichnungen wie Jazz – in welcher Ausprägung auch immer – Post Rock, Minimal Music oder Ambient nur höchst unzureichend beschrieben wäre. Stattdessen arbeiten sie mit Atmosphären, Verdichtungen und Auflösungen, strukturellen Assoziationsfeldern und subtilen Bewegungsabläufen.

In der Ruhe liegt die Kraft. „Resonance“ ist ein eher leises Album, das sein volles Volumen jedoch beim Hören auf der Projektionsfläche der mentalen Übersetzungen ausschöpft. „Am Anfang stand nur die Idee der Resonanz im Raum“, rekapituliert Fabian Willmann, „Schwingungen, Schwebungen, sich wiederholende Muster und deren Transformation in Musik. Wir wollten ein Album schaffen, dass im Großen wie im Kleinen eine durchgehende Stimmung erzeugt. Deshalb arbeiteten wir viel mit Repetition und Variation von melodischem Material. Wir wollten mit möglichst wenig Mitteln möglichst viel sagen.“

Zwischen fein ziselierter Poesie und konstruktivistischer Sinnlichkeit changierend lotet die Band Spielfelder aus, um sie umgehend zu besetzen. Die Regeln für das einfühlsam durchdachte psychoakustische Spiel von Monoglot sind einfach. Kein Thema wird länger ausgedehnt als unbedingt nötig. Was gesagt werden muss, ist gesagt, sowie es gesagt ist. Fertig! Jegliche Redundanz geht dieser Musik ab. Ein besonderes Maß an Disziplin war dafür nicht erforderlich, denn die programmatische Reduktion und Konzentration aufs Wesentliche war bereits in den Kompositionen angelegt. „Man muss ja nicht immer alles machen, was technisch möglich ist,“, so Willmann, „denn dann besteht oft die Gefahr, dass es zwar für die Musiker*innen interessant ist, für ein Publikum aber überhaupt keine Relevanz hat.“ So ist „Resonance“ viel mehr, als man aufs erste Ohr zu erfahren glaubt. Denn wenn man zwischen den Tönen hört, öffnen sich ganze Universen. Die entscheidende Komponente, welche die sieben Songs zusammenhält, ist der Sound. Die feste gemeinsame Basis der fünf Beteiligten ist der Ausgangspunkt auf dem sich dieser Sound entfalten kann.

Die scheinbar unumkehrbare Kontinuität der Zeit hebt sich auf „Resonance“ komplett auf. Wie in einem Farnblatt bildet sich das große Ganze in seinen Mikrostrukturen ab, sodass sich, was oberflächlich besehen kurz oder komprimiert erscheint, in der Tiefenwahrnehmung auf beträchtliche Längen ausdehnen kann. Musikalische Nano- und Mikroprozesse gewinnen ein Eigenleben und stehen in einem ständigen Wechselverhältnis zum Gesamtsound des Albums.

Die ersten vier Kompositionen auf „Resonance“ stammen aus der Feder des Gitarristen Kristinn Kristinsson, die letzten drei kommen von Saxofonist Fabian Willmann. Auch wenn zwischen den beiden vermeintlichen Blöcken ein sanfter Stimmungswechsel wie von einer Tagseite zu einer Nachtseite wahrnehmbar sein mag, ergibt sich daraus doch ein organischer Fluss, denn beide Komponisten beziehen sich aufeinander und nehmen Elemente ihrer Intentionen in ihren jeweiligen Eigenkompositionen auf. Wie auch auf der spielerischen Ebene von Monoglot geht es bei den Kompositionen nicht um die Ausarbeitung individueller Handschriften innerhalb der Band, sondern immer um die Sprache des Kollektivs. Im siebten Song „Flow II“ verwandelt sich die kontemplative Kargheit der ersten sechs Stücke plötzlich in ein melodiöses Sprießen und Blühen, das dem gesamten vorherigen Verlauf unerwartet einen neuen Richtungssinn zu verleihen scheint. Dass die thematischen Motive dieses Schlussakts bereits in vorherigen Songs angelegt waren, tritt dabei in den Hintergrund. Willmann, Kristinsson und Co. sind sich überaus bewusst, dass die künstlerische Intention keineswegs mit der mentalen Wirkung desselben Stücks übereinstimmen muss. Aufs Marionettentheater der Sinneseindrücke und ihrer Metamorphosen verstehen sie sich vortrefflich.

Bei so viel Augenmerk auf die Sound-Details stand natürlich von Anfang an die Frage im Raum, wo und mit wem man das Album schließlich aufnehmen und mixen würde. Schon vor den ersten Proben tauschten Willmann und Kristinsson Ideen zu Stücken aus, die man dann gegenseitig in ein gemeinsames Idiom brachte. Mit den fertigen Kompositionen im Tornister zog man sich daraufhin fernab jeden Großstadttrubels für eine Woche in ein Landhaus zurück, um einen Klangraum zu finden, innerhalb dessen sich die Kreationen der Band entfalten konnten. Die finalen Aufnahmen erfolgten dann in Nils Frahms Studio „Saal 3“ im Funkhaus Berlin mit Antonio Pulli, der nicht nur mit so unterschiedlichen Künstlern und Bands wie Nils Frahm, David Sylvian, Erland Oye, Feist oder dem Andromeda Mega Express Orchestra gearbeitet hat, sondern auch die HBO-Serie „Chernobyl“ oder den gerade auch von seiner akustischen Tiefe her beeindruckenden Film „Joker“ mit seinem Klangstempel versehen hat. Pullis feinsinnige Soundtrack-Ästhetik passt optimal zu Monoglots sphärischem Ansatz, der von vornherein auf lange Bögen setzt.

Auf diese Weise entfaltet „Resonance“ unerwartete Bilder, die mit verhalten wechselndem Klanglichteinfall unentwegt neue Stimmungen heraufbeschwören und nach Zeiten der allgemeinen Selbstbeschränkung eine nachhaltig befreiende Wirkung ausüben. „Resonance“ ist mehr als ein Album. „Resonance“ ist ein Spiegel der Seele, ein Schritt zur Selbsterkenntnis und letztlich ein Sound, der ohne vorgegebene Richtung zum Ursprung aller Klänge führt.

Text: Hout Records

jazz-fun.de meint:
Wir spüren hier eine Art empathisches Verständnis der Musiker. Die Musik als Ganzes klingt wie aus einem Guss, obwohl wir die ganze Zeit hören können, dass es sich um verschiedene ästhetische Welten handelt, die sich gegenseitig durchdringen, aber einen gemeinsamen Nenner haben - die Integration des Teams.

  1. Resonance
  2. Nantoka
  3. Equanimity
  4. Inculcation
  5. Last Song
  6. Flow I
  7. Flow II

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