Rezension des Jazz-Albums "resurrection" von Nicolas Delgado

Nicolas Delgado - resurrection - Album cover
Nicolas Delgado - resurrection

Nicolas Delgado
resurrection

Erscheinungstermin: 23.01.2026
Label: Club del Disco, 2022

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Zeitgenössischer Jazz zwischen Bebop und Freiheit

jazz-fun`s recap:

Der Gitarrist und Komponist Nicolás Delgado, seit 2002 in Berlin beheimatet und am Taller de Músics in Barcelona ausgebildet, bewegt sich stilistisch zwischen Bebop, zeitgenössischem Jazz und Elementen des Organ Jazz. Mit seinem Quartett verfolgt er konsequent die Suche nach einem eigenen, expressiven Klang – getragen von offenen Formen, flexiblen Rhythmen und einer Improvisationshaltung, die Raum lässt und fordert.

Was mich an resurrection sofort überzeugt, ist genau dieser Balanceakt: Die Musik ist tief in der Jazztradition verwurzelt, wirkt aber zu keinem Zeitpunkt wie Mainstream oder bloße Stilverwaltung. Delgado kennt die Regeln – und nutzt sie, um sie behutsam zu verschieben. In seinen Kompositionen und Improvisationen höre ich viele Einflüsse, aber vor allem eine klare eigene Handschrift. Ungewöhnliche rhythmische Akzente und harmonische Wendungen verleihen dem Quartett ein deutlich konturiertes, wiedererkennbares Profil.

Als Gitarrist ist Delgado sich seiner technischen Möglichkeiten sehr bewusst – und setzt sie mit großer Souveränität ein. Besonders faszinierend finde ich sein Klangbewusstsein und die Art, wie sich seine Improvisationen entwickeln. Man weiß nie genau, in welche Richtung sie sich bewegen werden. Genau das liebe ich am Jazz: dieses Moment der Unvorhersehbarkeit. Keine Solopassage gleicht der anderen, weder auf der Gitarre noch auf dem Saxofon. Jedes Stück überrascht aufs Neue.

Die Musik ist klar im Bebop verankert, öffnet sich aber einer zeitgenössischen Ästhetik. Ausdrucksstarke Melodien, ein fließender rhythmischer Sprachgebrauch und mutige Improvisationen prägen das Album. Für mich entsteht daraus ein Wechselspiel aus introvertierten, beinahe nachdenklichen Passagen und energiegeladenen, dynamischen Momenten. Jeder Titel baut seine eigene Atmosphäre auf, nichts wirkt austauschbar oder routiniert.

resurrection ist ein Album, das zeigt, wie lebendig und offen moderner Jazz sein kann, wenn er seine Wurzeln ernst nimmt, ohne sich von ihnen einengen zu lassen. Für mich eine Aufnahme, die man nicht nebenbei hört – sondern bewusst, von Anfang bis Ende. Ein Album, das jeder hören sollte, der Jazz nicht als Stil, sondern als Haltung versteht.

(Jacek Brun, 05.02.2026)

Besetzung

Nicolás Delgado - Guitar and composition
Ori Jacobson - Tenor saxophone
Francesco Beccaro - Electric bass
Clemens Grassmann - Drums

Titelliste

  1. Islas flotantes
  2. Progressive Regret
  3. Kalter Zirkus
  4. Fresas sin crema I
  5. El no blues
  6. Circular
  7. Ósmosis
  8. Fresas sin crema II
  9. Resurection

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