Niklas Lukassen – In den stillen Tiefen des modernen Jazz

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Niklas Lukassen, Foto by Anna Yatskevich, design by Vojta Drnek

Biographie

Der Bassist, Komponist und Sänger Niklas Lukassen gehört zu jener jungen Generation europäischer Jazzmusiker, die Virtuosität nicht in den Vordergrund stellen, sondern Klangräume öffnen. Seine Musik wirkt oft wie ein langsames Herantasten an emotionale Tiefe – lyrisch, konzentriert und von einer stillen Intensität getragen.

Geboren 1995 in Horb am Neckar und im Schwarzwald aufgewachsen, begann Lukassen früh Kontrabass und Bassgitarre zu spielen. Seine musikalische Ausbildung führte ihn zunächst an das Jazz-Institut Berlin, wo er bei Greg Cohen studierte. Anschließend zog es ihn nach New York an die Manhattan School of Music, wo er seinen Master bei Jazzlegende Ron Carter absolvierte. Seit 2023 promoviert er an der Royal Academy of Music in London.

Zu seiner künstlerischen Entwicklung zählen zudem Aufenthalte am Berklee College of Music sowie die renommierte Betty Carter Jazz Ahead Residency in Washington D.C. Bereits 2015/16 war Lukassen als Sänger Mitglied des BundesJazzOrchester.

Sein musikalischer Weg ist geprägt von internationalen Begegnungen und kollaborativen Projekten. Gemeinsam mit Christian Mehler, Robinson de Montmollin und Jorge Rossy gründete er das Quartett My Imaginary Friend, dessen Album Gentle Giant 2022 erschien. Mit dem kollaborativen Quintett Nostos – featuring Nicola Caminiti, Michalis Tsiftsis, Rasmus Sørensen und Amund Kleppan – veröffentlichte er 2024 das Album Back & Forth.

Im Zentrum seines aktuellen Schaffens steht jedoch das Quartett Still Waters Run Deep mit dem niederländischen Altsaxophonisten Ben van Gelder, dem britischen Pianisten Kit Downes und Schlagzeuger Francesco Ciniglio. Das Ensemble bildet die Grundlage für Lukassens Bandleader-Debüt Still Waters, das 2026 auf dem Label Heartcore Records von Kurt Rosenwinkel erscheint.

Rosenwinkel beschreibt das Album als „ein starkes Werk“ und hebt die „klare Vision und den funkelnden Klang“ des Projekts hervor. Tatsächlich entfaltet Still Waters eine Musik, die sich Zeit nimmt: fliessende Improvisationen, fragile Melodien und dichte klangliche Schichtungen erzeugen eine Atmosphäre, in der vermeintliche Ruhe immer wieder von unerwarteten Spannungen durchzogen wird.

Erweitert wird diese musikalische Welt durch Gastauftritte von Kurt Rosenwinkel, Céline Rudolph, Wanja Slavin und Geoffroy de Masure.

Neben seiner Arbeit als Bandleader arbeitet Niklas Lukassen mit Musikerinnen und Musikern wie Mike Stern, Joe Lovano, Norma Winstone, Richie Beirach oder Evan Parker zusammen. Konzertreisen führten ihn bereits nach China, Malaysia, Saudi-Arabien, Westafrika, in die USA und quer durch Europa.

Seit einigen Jahren gibt Lukassen seine Erfahrungen zudem an die nächste Generation weiter und unterrichtet Bassgitarre an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden.

Niklas Lukassens Musik lebt von Konzentration, Offenheit und dem Vertrauen in den Moment. In einer Zeit permanenter Beschleunigung sucht sie bewusst nach Tiefe – und findet sie oft genau dort, wo andere nur Stille vermuten.

Interview

Bassist und Komponist Niklas Lukassen spricht über sein Album Still Waters, über musikalische Freiheit im Ensemble, seine prägenden Jahre in New York bei Ron Carter – und darüber, warum Improvisation für ihn wie ein Sprung unter die Oberfläche wirkt.

Diskographie

Links

Niklas Lukassen Internetseite:
https://niklaslukassen.com

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