Paolo Fresu, Richard Galliano & Jan Lundgren - Mare Nostrum III

Paolo Fresu, Richard Galliano & Jan Lundgren - Mare Nostrum III

Paolo Fresu, Richard Galliano & Jan Lundgren
Mare Nostrum III

Erscheinungstermin: 25.01.2019
Label: ACT, 2018

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Paolo Fresu - trumpet & flugelhorn
Richard Galliano - accordion, bandoneon & accordina
Jan Lundgren - piano

Das alte Sprichwort, dass aller guten Dinge drei sind, verkommt allzu oft zur Floskel, selten hat es aber so gut gepasst wie beim Mare Nostrum-Trio des sardischen Trompeters Paolo Fresu, des französischen Akkordeonisten Richard Galliano und des schwedischen Pianisten Jan Lundgren. Denn hier hat sich vor zwölf Jahren gewissermaßen eine Troika des europäischen Jazz zusammengefunden. Jeder der Drei wurzelt in der Musiktradition seiner Heimat, hat daraus eine persönliche Musiksprache entwickelt und bringt dies in vielen Projekten des modernen, Grenzen überschreitenden und Genre verbindenden Jazz ein. Alle drei sind sie Poeten des Klangs, die sich in der Liebe zur Melodie verbunden fühlen - was nun ihr neues - drittes - Album mehr denn je unterstreicht.

Mit „Mare Nostrum III“ ist eine Album-Trilogie der besonderen Art vollendet. Vom Beginn ihrer mittlerweile über 10 Jahre andauernden, kontinuierlichen Zusammenarbeit an schwebte ihnen die Idee vor, in jedem ihrer Heimatländer ein Album aufzunehmen. Nachdem das Debüt 2007 in Italien entstanden und die zweite CD der Vielbeschäftigten endlich 2016 in Frankreich produziert worden war, ging es nun folgerichtig nach Schweden, ins Nilento Studio in Göteborg. „Wieder einmal war es das reine Vergnügen, zu erleben, mit welcher Leichtigkeit Paolo, Richard und Jan solch großartige Musik entstehen lassen“, erzählt René Hess, der Schweizer Produzent des Albums.

Was jeden Hörer sofort in seinen Bann zieht, ist dieser selbstverständliche Gesprächsfaden, den diese drei Virtuosen in augenfälliger Seelen- und Geistesverwandtschaft spontan entspinnen. Es ist überdies die Kraft einer gleichberechtigten Gemeinschaft, ja sozusagen eines vereinten demokratischen Europas, die alles zusammenfügt: Jeder brachte vier Eigenkompositionen und ein Lieblingsstück zum Interpretieren ein. Fast immer ist zu hören, von wo und von wem ein Stück stammt, und doch wird es in eine universelle Sprache übersetzt, die von jeden verstanden und erfühlt werden kann.

Das beginnt mit Richard Gallianos „Blues sur Seine“. Zu einer melancholischen Klaviermelodie, die an Satie ebenso wie an Grieg erinnert, stößt eine verhangene Trompetenlinie, bevor das ganz hell klagende Akkordeon übernimmt.

Paris trifft auf Fjorde, mediterrane Gestade und die Basin Street von New Orleans. Alles ganz einfach und schlicht hinreißend. Das typisch italienische Pathos tritt einem anschließend aus Fresus „Pavese“ entgegen, natürlich umrahmt von spontanen Klangmalereien. Beschwingt, mit sich fröhlich ineinanderschiebenden Stimmen und einem markanten, den Zauber der schwedischen Folklore einfangenden Thema wird es bei Lundgrens „Love Land“. Dann widmen sich die drei mit all ihrer lyrischen Kraft zwei der bittersüßesten Melodien, die je geschrieben wurden, Michel Legrands „The Windmills Of Your Mind“ und Eduardo Di Capuas „I’te vurria vasà“.

Es folgen drei Stücke, die jeweils ganz persönliche Erinnerungen verarbeiten: Mit dem wundervollen „Le Jardin des Fées“ ehrt Richard Galliano das Andenken seines vor kurzem verstorbenen Landsmannes und Freundes, dem großen Jazzgeiger Didier Lockwood. Paolo Fresu lässt bei „Del Soldato in trincea“ einen seiner Lieblingsfilme vor dem geistigen Auge aufleben, Ermanno Olmis „Torneranno i prati“. Und Jan Lundgren streift mit einer stark rhythmisierten und mit Blues aufgeladenen volksmusikalischen Melodie durch „Ronneby“, dem schwedischen Städtchen, in dem er aufwuchs. An die jeweils eigenen Gestade holen alle drei dann Quincy Jones Liebesthema aus dem Film „The Getaway“, bevor es in die letzten zwei Runden mit eigenen Stücken geht. Ob Fresus ganz auf seine gedämpfte Trompete konzentriertes „Human Requiem“ oder Gallianos völlig entschleunigter „Letter To My Mother“, ob Lundgrens Musical-artiges „The Magic Stroll“ oder das finale, klassisch angehauchte und wie auf den Wogen der Meere daherrollende „Prayer“ aus der Feder von Richard Galliano – hier finden stets drei Ausnahmemusiker zu einer perfekten Symbiose zusammen.

So ist Paolo Fresu, Richard Galliano und Jan Lundgren mit „Mare Nostrum III“ erneut ein wunderschönes Balladenalbum gelungen, das sich der Diskussion über die Wesensmerkmale des „Jazz“ entzieht, und stattdessen den Sound Europas zum klingen bringt.

Text: ACT

  1. Blues sur Seine
  2. Pavese
  3. Love land
  4. The windmills of your mind
  5. I'te vurria vasà
  6. Le jardin des fées
  7. Del soldato in trincea
  8. Ronneby
  9. Love theme ("The getaway")
  10. Human requiem
  11. Letter to my mother
  12. Love in return
  13. Perfetta
  14. The magic stroll
  15. Prayer

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