Pat Metheny - Unity Band

Pat Metheny - Unity Band

Pat Metheny
Unity Band

Erscheinungstermin: 08.06.2012
Label: Nonesuch, 2012

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Bei Pat Metheny kann man sich nie sicher sein, was als nächstes kommt. Aber die große Konstante, auf die man sich bei ihm verlassen kann, ist das hohe Niveau der Hingabe und der musikalischen Qualität, das ihn bei allen seinen Projekten auszeichnet. Ob er rein akustisch arbeitet oder aufwühlend elektrisch, kraftvoll intensiv oder zutiefst kontemplativ, streng durchkomponiert oder vollkommen improvisiert – stets ist es die unverkennbare Sensibilität seiner Arbeit, die seit vier Dekaden in vorderster Linie steht. Nach zwei aufeinanderfolgenden, aber grundlegend unterschiedlichen Alben, das innovative Orchestrion und das im letzten Jahr mit einem Grammy ausgezeichnete What It’s All About, auf dem Metheny der Bariton-Gitarre alle ihre Geheimnisse entlockte, ist es nun die Arbeit im Quartett, die auf UNITY RECORD einen ungewohnten Metheny zeigt.

Zum ersten Mal seit seinem Album 80/81 (1980) hat Gitarrist Pat Metheny eine Band um sich geschart, deren fester Bestandteil ein Tenorsaxophon ist. In der UNITY BAND ist Chris Potter am Sax und an der Bass-Klarinette zu hören, Methenys langjähriger Begleiter Antonio Sanchez bedient die Drums, und als begnadeter Newcomer übernimmt der mehrfach ausgezeichnete Ben Williams (u.a. Thelonious Monk International Jazz Competition 2009) die Arbeit am Bass. Das spektakuläre Album, das neun neue Metheny-Kompositionen enthält, erscheint am 8. Juni.
„Schon zur Zeit von 80/81 war es schwer zu glauben, dass ich meine Karriere aufgebaut hatte, ohne ein einziges, traditionelles Jazz-Quartett-Album aufzunehmen“, so Pat Metheny. „Immerhin war dies ein musikalischer Kontext, in dem ich so oft gespielt hatte. In vieler Hinsicht waren meine Bands als Alternativen zum Konventionellen gedacht, in dem ich gespielt hatte. Die Tatsache, dass es weitere 30 Jahre gebraucht hat, um das Konzept des Quartetts erneut aufzugreifen, ist eine Art Zeugnis dafür, wie beschäftigt mich die ‚alternativen‘ Wege gehalten haben. Überdies habe ich Projekte, in denen ich mit wirklich großen Saxophonisten gearbeitet habe, immer sehr genossen. 80/81 bereitete die Bühne für fünf folgende Aufnahmen, die ich mit Mike Brecker gemacht habe, dann kam Josh Redman und wir nahmen das Album Wish auf und gingen gemeinsam auf Tour. Mit Kenny Garrett habe ich das Coltrane-Album eingespielt, ich hatte einige interessante Dates mit David Liebmann und Gary Thomas und spielte in verschiedenen Live-Projekten mit David Sanchez und Donald Harrison zusammen. Und dann war da natürlich das Projekt mit Ornette Coleman: Song X.“
„Was mich selbst angeht, so konnte ich nach 80/81 einfach nicht die richtige Person finden, von der ich mir eine echte Weiterentwicklung versprach, denn ich wollte von jenem Sound und jener Art zu komponieren ausgehen. Wir hatten oft darüber gesprochen, die Band noch einmal aufleben zu lassen, aber jetzt, da Mike und Dewey verstorben sind, wird dies nicht mehr möglich sein.“
Was also brachte Metheny dazu, zu diesem Zeitpunkt zu einer Kombination von Gitarre und Tenor-Sax zurückzukehren?
„Ganz einfach: Chris Potter. Als Fan habe ich beobachtet, wie er zu einem der besten Musiker unserer Zeit heranwuchs, und als wir beide eingeladen wurden, auf Antonio Sanchez‘ Album zu spielen, begriff ich sofort, dass wir eine natürliche Art hatten, zusammenzuspielen, zu phrasieren und darüber hinauszugehen. Damals dachte ich gleich daran, irgendwie ein Projekt in diesem Rahmen zu bilden.
„Ich kann über Chris gar nicht gut genug sprechen. Es gibt so viele Ebenen des Exzellenten in seinem Spiel. Seine Versiertheit macht einen taumeln, er hat einen großartigen Sound auf allen Instrumenten in allen Registern. Aber seine Ideen und deren Umsetzung, sein Flow in der Improvisation bewegen sich auf einem Niveau, dass ich vorher nur selten irgendwo gesehen habe. Ich habe oft gesagt, dass Gary Burton und Ornette Coleman zwei Musiker waren, die einzigartig waren und auf ihre Art aus einer schier unendlichen Fülle von Ideen schöpften. Chris kann da für mich mithalten. Er kann einfach immer weiter und weiter spielen, tiefer und tiefer gehen, und das alles in einem unglaublichen Sound. Er ist einer der größten Musiker, denen ich je begegnet bin.“
Wenn das Zusammenspiel die Genese der Idee bedeutete, wie kam dann der Rest der Band zusammen?
„Ich erhielt eine sehr enthusiastische Reaktion von Chris, als ich ihm die Idee vortrug. Das nächste war dann die Entscheidung über die Rhythmus-Sektion. Ich dachte über eine Menge verschiedener Kombinationen und Richtungen nach, in die wir mit anderen gehen könnten. In mehrfacher Hinsicht war Antonio ein offensichtlicher Protagonist; er ist in den vergangenen zehn Jahren einer meiner engsten Verbündeten und hat ebenfalls oft mit Chris gespielt. Aber ich bin nie wie selbstverständlich von Antonio ausgegangen. Er ist ein sehr spezieller Musiker, und es war sehr faszinierend, seine Entwicklung von so Nahem betrachten zu können. Er ist ein bemerkenswerter Drummer, es gibt niemanden wie ihn. Es gab eine bestimmte Art von Kraft, von der ich wusste, dass Chris und ich sie entwickeln würden, und ich konnte mir niemand Besseren als Antonio vorstellen, um seinen Platz einzunehmen.“
Und was führte den Gitarristen zum Bassisten Ben Williams? „Vor ein paar Jahren lud mich Christian McBride zu einem Event ein, das er mit Jazz-Studenten an der Juilliard organisierte. Ben spielte bei ein paar Tunes mit und ich hatte das seltene Gefühl, jemanden zu hören, der etwas Besonderes zu sagen hatte. Ich hatte Ben ein paar Mal eingesetzt, um Christian im Trio zu ersetzen und stellte fest, dass er ein großartiger Spielpartner und eine herausragende Persönlichkeit ist. Er und Antonio hatten vom ersten Moment an eine mühelose gemeinsame Ebene. Ben hat eine vollkommen angstfreie und offene Herangehensweise für das, was Musik sein kann, die ihn einfach perfekt für diese Band sein ließ. Mir macht es wirklich Spaß, mit ihm zusammenzuspielen, und es war eine Freude, für ihn zu schreiben; sein ganzer Vibe inspiriert mich. Er hat mehr als nur ein bisschen melodischen Einfluss von Jaco (Pastorius) in seinem Spiel. Es ist immer schwierig gewesen, Typen zu finden, die große Melodien spielen können, aber Ben hat eine natürliche Art, sich Raum zu nehmen und beherrscht sein Instrument außergewöhnlich gut – eine wunderbare Kombination von Fähigkeiten. Nachdem er vor ein paar Jahren die Thelonius Monk Competition gewonnen hat, ist er sehr gefragt. Ich bin sehr froh, ihn in der UNITY BAND zu haben.“ Als die Band zusammengestellt war, was war dann der nächste Schritt?„Nachdem ich meine Traumbesetzung zusammengestellt hatte, war es nur noch eine Frage der Kompositionen, die wir spielen könnten. Es ist lustig, ich habe so viele Gitarren/Sax-Alben gehört, die deutlich vom Sound von 80/81 beeinflusst wurden, und ich wollte es diesmal noch in eine andere Richtung bringen, obwohl das Album natürlich ein Referenzpunkt auf dem Weg war. Eine von Antonios Spezialitäten ist dieses Achtelding, das er spielt, und dies hat auf viele Arten die Richtung für die Songs vorgegeben. Aber es ist ja so: Dies ist eine Band, die einfach alles machen kann. Schließlich schrieb ich eine ganze Reihe von neuen Tunes für das Projekt, bevor wir das erste Mal für die Proben zusammenkamen; wir haben alle ausprobiert und dann neun von ihnen aufgenommen. Die Stärken der Band wurden klarer, je weiter wir voranschritten, und das hat uns wirklich fokussiert.“
Wie kam es zu dem Namen „UNITY BAND“?„Das Areal, in dem ich in Missouri aufwuchs, ist die Heimat der Unity Village, das Hauptquartier für die Gemeinschaft der Unity Church. Obwohl ich selbst kein Mitglied bin, reicht die Verbindung zwischen der Fillmore-Familie, die die Kirche gegründet hat, und meiner Familie gut 100 Jahre zurück. Es gab eine Unity Band, die im Sommer an jedem Sonntagabend auftrat, als ich aufwuchs. Mein Dad spielte bei ihnen mit, als er jung war, mein älterer Bruder Mike hatte sehr jung bei ihnen angefangen und wurde Solist, und auch ich selbst spielte ein paar Jahre Waldhorn (!) bei ihnen.
Diese UNITY BAND wurde ursprünglich für eine ganze Reihe von Sommerkonzerten im Jahr 2012 gegründet, also bildete Idee, Sommerkonzerte zu spielen, eine direkte mentale Verbindung zu den Sommerkonzerten in meiner Jugend. Das brachte mich auf diesen Namen. Und ich muss zugeben, dass „Unity“ irgendwie, in diesen Zeiten, ein extrem gutes Wort ist, um in die Welt getragen zu werden.
Aber auch jenseits dessen sind die Implikationen, die das Wort „Einheit“ mit sich bringt, für mich immer stark präsent gewesen. Ein Teil dessen, was Amerika und die Musik, die von hier gekommen ist, einzigartig gemacht hat, ist die Tatsache, dass die fundamentale Wirklichkeit unserer Gesellschaft auf dem Fakt beruht, dass es ein Schmelztiegel der besten Kulturen und Menschen aus der ganzen Welt ist. Aber das gilt auch auf der ästhetischen Ebene: Auch wenn die Leute willkürliche Marketingbegriffe wir ‚Jazz‘ oder ‚Fusion‘ oder was immer da als nächstes kommen möge, erfunden haben, ist das Fundament meines musikalischen Lebens immer von Ausgleich und Vereinigung geprägt gewesen, die alle Sounds und Ideen, die ich liebe, zu einem großen Ganzen werden ließen.
Diese Band ist eine echte Manifestation dieses Geistes. Wir alle nutzen unsere einzigartigen Qualitäten, die uns als Individuen und als Ensemble zur Verfügung stehen, und wir hoffen damit ein Größeres zu schaffen, das aufrichtig zu sich selbst steht. Von der stilistischen Spannweite der Musik, die wir vorlegen – und die aus allen Bereichen der musikalischen Landkarte schöpft – bis hin zu den verwendeten Instrumenten – von akustisch bis elektronisch und sogar bis zum Roboterhaften auf dem Orchestrion-Track -, selbst durch das Spektrum der Völker, das wir als Individuen repräsentieren, gibt es eine enorme Vielfalt von Elementen, die in Bewegung gebracht werden. Aber gleichzeitig existiert ein Kontinuum, das sich mit den anderen Dingen, die ich als Leader und Komponist zu erreichen suchte, verbindet und das auch von den anderen stammt. UNITY BAND schien einfach der perfekte Name für dieses Projekt zu sein.“
In seiner mehr als dreißig Jahre währenden Karriere ist es Pat Metheny gelungen, sich vom Jazz-Mainstream abzugrenzen und die stilistischen und musikalischen Grenzen stets zu erweitern. Er konnte bisher 19 Grammys in 12 unterschiedlichen Kategorien entgegennehmen und veröffentlichte eine ganze Serie von einflussreichen Trio-Aufnahmen, mehrere prämierte Soloalben und Scores für Blockbuster-Hollywood-Filme. Seine Kollaborationen und Duette umfassen hochkarätige Künstler wie Ornette Coleman, Steve Reich, Charlie Haden, Brad Mehldau und viele mehr. Seine Band Pat Metheny Group, die er im Jahre 1977 gründete, ist die einzige Formation in der Geschichte der Grammys, die für sieben aufeinanderfolgende Veröffentlichungen ausgezeichnet wurde.

Unity Band
Song Descriptions, by Pat Metheny
NEW YEAR
Im Vorfeld der Aufnahmen spielte ich überall auf der Welt rund 100 Konzerte mit Larry Grenadier, die meisten davon als Duo. Ich hatte die Instrumente in dieser Zeit sehr oft in der Hand und wusste, dass dieses Projekt bald kommen würde, also schrieb ich eine Menge während des Tages und auf den Busfahrten in die nächste Stadt. Dieses Stück stammt aus einer dieser Sessions, und Larry und ich spielten es sofort.

Dieses ist ein Stück, bei dem ich mir ziemlich sicher bin, dass ich es ab jetzt oft spielen werde. Es hat eine gewisse Stabilität als Vehikel für Improvisationen, auf die man hoffen, die man aber nie planen kann. Du kannst es den ganzen Tag lang spielen und es gibt dir immer wieder neue Winkel, aus denen du es betrachtest. Chris und Ben spielen beide hervorragende Soli auf der Aufnahme. Es ist das einzige Mal, auf dem ich die Nylonsaiten-Gitarre spiele, es ist, als hätte das Stück danach verlangt. Ich glaube, ich hatte auf einem Album noch nie einen Track, in dem ich ein groovigeres Solo gespielt hätte, als hier mit der Nylonsaiten-Gitarre… normalerweise wird das Instrument nur auf Balladen eingesetzt. Die Verbindung mit Chris kommt auf diesem Instrument besonders stark heraus.

ROOFDOGS
Dies war eigentlich der letzte Tune, den ich in die Session brachte. Ich schrieb ihn in der Nacht, bevor wir mit den Aufnahmen begannen. Chris ist großartig am Sopran-Sax, obwohl eigentlich alle Tunes, die ich schrieb, deutlich nach einer Tenor- oder Bassklarinette rufen. Roofdogs entstand mit dem Ziel, das Soprano und den Roland-Synthesizer, den ich über die Jahre immer wieder benutzt habe, als Paar einzusetzen.

Es kommt selten vor, dass ich in 9/4 oder in 3-taktigen Phrasen komponiere, und hier tue ich beides. Aber mehr als alles ist dies ein treibender Track. Ich schrieb die Basslinie, ohne zu wissen, ob sie überhaupt spielbar wäre oder gut klänge, aber Ben hat sie auf den Punkt gebracht. Als wir in den Abhörraum kamen, um das Playback zu hören, konnten wir es selbst nicht glauben. Es war absolut unmöglich zu sagen, was von mir oder von Chris kam – der Sound des Gitarren-Synthies und das Soprano verschmolzen einfach miteinander in dieser animalistischen Überblendung, die es so klingen lässt, als würden 10 Leute spielen. Ich bin mir sicher, es wird eine Menge Spaß bedeuten, es live zu spielen.

COME AND SEE
Neben seines Daseins als großartiger Tenor-Spieler hat Chris einige Alter Egos auf einem ganzen Haufen anderer Instrumente, und die Bass-Klarinette gehört zu seinen Spezialitäten. Ich dachte, diesen wunderbaren Klang mit meiner 42-saitigen Gitarre zu verbinden, wäre ein nettes Intro, um die harmonische Palette festzulegen – zudem spielen wir in einem gemischten Taktmaß, das eine Art Blues-Feeling hervorruft. Wie bei ein paar anderen Tracks des Albums, ertappte ich mich dabei, wie ich oft an Freddie Hubbard dachte – einer meiner Lieblingsmusiker. Der Aufbau dieses Tunes kann einfach gespielt werden oder komplex – er unterstützt beide Herangehensweisen. Viele von Freddies besten Stücken waren für mich Vorbilder dafür. Es ist eine Art Hommage an Freddie.

THIS BELONGS TO YOU
Die einzige wirkliche Ballade, die ich für die Sessions schrieb, was amüsant ist, denn normalerweise kommen bei mir vier Balladen auf alles andere, was ich schreibe. Aber ich glaube, weil ich gerade ein Album voller Balladen veröffentlicht hatte, hatte ich den Drang, mich diesmal ein bisschen davon fernzuhalten. Auf eine gewisse Art gibt es eine Verbindung zu „Everday (I Thank You)“ von 80/81, indem die Form für die Improvisation unterschiedlich zur Form des Songs selbst und seinem inhärenten dramatischen Bogen ist. Es ist fast eine Blues-Form, aber nicht wirklich, und wieder hat Chris auch seine Bass-Klarinette eingesetzt, um einige schöne Backgrounds für das Gitarrensolo zu schaffen. Ich spiele hier auf der 6-Saitigen von Linda Manzer, die meine ganze Beziehung zu ihren Instrumenten angestoßen hat – es ist dieselbe wie auf dem Track „Lonely Woman“ von Rejoicing und später auf Beyond The Missouri Sky von Charlie Haden.
Das Stück beginnt in h-Moll, einer Tonart, zu der ich mich mit den Jahren immer stärker hingezogen fühle. Ich glaube, es könnte auch einen Text zu dem Song geben, und der Titel gibt den lyrischen Ansatz wieder, den das Stück zu haben scheint.

LEAVING TOWN
Dies ist die Sorte von Stücken, die für mich seit „Omaha Celebration“ von Bright Size Life immer wieder auftaucht. Ich höre sie immer noch, diese Art von Linie, die aus acht Noten besteht, die eine Harmonie mit scheinbar unendlicher Modulation suggerieren. Die anschwellende Form vereinfacht es – etwas, was ich selten tue, aber es schien in diesem Moment, mit dieser Band, die richtige Antwort zu sein. Mein Favorit in diesem Setting mit diesen Leuten ist dabei nicht einmal das Solo, es ist die Begleitung und die Möglichkeit, Teil der Rhythmussektion zu werden, vor allem für einen großen Solisten wie Chris. Weil ich oft in Trio-Formationen spiele oder in Ensembles, in denen es einen Pianisten gibt, kann ich diese Rolle leider nicht so oft annehmen, wie ich gern würde, also nutze ich jede Gelegenheit, mich darin zurückzulehnen.

INTERVAL WALTZ
Das einzige offensichtlich auf Triolen basierende Stück des Albums und eines der ersten, die wir aufgenommen haben. Ich hatte eigentlich drei verschiedene Walzer für die Session geschrieben, und dieser hat gewonnen. Er entwickelte sich harmonisch zu einer ziemlichen Herausforderung, und dies auf eine Art, die ich nicht erwartet hatte – aber auch hier spielt jeder sein Solo wieder in einem Fluss, der die Herausforderung in eine Möglichkeit verwandelte. Die Ausgestaltung im Bass-Solo ist zugunsten der Variationen etwas zurechtgestutzt. Der Intervall, auf den sich der Titel bezieht, ist die Terz, die das Ende des dritten Teils bildet.

SIGNALS (Orchestrion Sketch)
Das Orchestrion-Projekt von 2009 war ohne Frage eines der ungewöhnlichsten und spaßigsten Projekte meines Lebens. Ich musste eine völlig neue Art entwickeln, über Musik nachzudenken – es war unglaublich bereichernd, auf vielen Ebenen. Ich befürchte, dass vielen Menschen entgangen ist, was da eigentlich passiert ist – soweit sie es nicht live miterleben konnten – und ich verstehe das sehr gut. Es war in vielerlei Hinsicht einfach außerhalb des gewohnten Rasters. Und einige andere Leute haben es vielleicht gesehen und konnten immer noch nicht begreifen, wie das alles funktionierte, oder dass ich ganze Stücke improvisierte und ebenso integrierte Kompositionen spielen konnte.

Ich habe im Herbst und im Winter 2011/2012 eine „Mini-Version“ der „orchestrionischen“ Instrumente mit auf Tour genommen. Wir haben uns im Duo- und Trio-Kontext jede Nacht Stücke ausgedacht, die einer sehr vagen Struktur folgten, und dabei sehr viel Spaß gehabt. Ich brachte die Infrastruktur dieser Mini-Anlage sowohl als Hardware als auch in Form eines Entwurfs mit zur Band. Das Stück auf dem Album ist eine Improvisation, die auf dem Entwurf beruht. Ich hatte es außerdem so eingerichtet, dass Chris, Ben und Antonio das ‚Netz‘ der orchestrionischen Instrumente in Echtzeit mit Audio-Loops ergänzen konnten. Zweifellos der ambitionierteste Versuch einer völlig neuen Sache auf dem Album, und ich bin sehr gespannt darauf zu sehen, wohin es in der Live-Situation gehen wird.

THEN AND NOW
Das stammt wieder aus der erzählerischen Familie von Songs, wo es scheint, dass es auch einen Text dafür geben könnte. Jedes Bandmitglied reicht durch das ganze Stück hinweg Phrasen weiter und wieder zurück. Ich mag die Art, wie ein Quartett die Illusion einer viel größeren Gruppe entstehen lassen kann. Antonio spielt in vielen verschiedenen Farben, die vom zarten Besen im Intro bis zu den detaillierten aber kraftvollen Grooves reichen, zu denen der Song am Ende gelangt. Ben spielt die Melodie, die ich für ihn im B-Teil geschrieben habe, sehr, sehr schön und mit dem perfekten Anschlag auf dem Bass. Und die Sorte Solo, die der Song von Chris verlangt, ist trügerisch schwierig. Es muss exakt mit den Wechseln und dem Geist des Stücks in Einklang sein, nämlich, mit einer geschriebenen Melodie zu arbeiten und dann von dort aus weiterzugehen. Er lässt es leicht klingen, aber das ist es nicht, besonders nicht mit dieser Art von Wechseln. Das ist eines meiner Lieblingsstücke vom Album.

BREAKDEALER
Eines wusste ich von Anfang an: Diese Band ist in der Lage, wirklich zu treiben. Aber ich wollte ein Treiben, das sich vom gewöhnlichen Uptempo und dem Latino-basierten Spiel unterscheidet. Dieses Stück basiert auf einem zweitönigen Basslauf, der, in nur diesen zwei Tönen, in der Essenz die Funktion eines Akkords übernimmt. Antonio und Ben fanden auf Anhieb einen Einstiegspunkt in diesen Groove und brachten ihn damit auf eine neue Ebene – ich glaube, ich habe noch nie eine Rhythmussektion gehört, die so etwas schon einmal gespielt hat. Das macht es schwierig, es im stilistischen Spektrum zuzuordnen. Natürlich kommt Chris absolut mit diesen Wechseln klar. Außerdem enthält der Track Antonios einziges Drumsolo auf dem Album.

  1. New Year
  2. Roofdogs
  3. Come and See
  4. This Belongs to You
  5. Leaving Town
  6. Interval Waltz
  7. Signals (Orchestrion Sketch)
  8. Then and Now
  9. Breakdealer

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