Wenn sich im Rahmen eines Festivals nicht nur Musiker:innen auf der Bühne begegnen, sondern auch hinter den Kulissen ein intensiver Austausch entsteht, zeigt sich eine andere, ebenso wichtige Seite des Jazz: die des Dialogs, der Vernetzung und der gemeinsamen Perspektiven.
Die Konferenz Polish Jazz meets Global beim Szczecin Jazz machte genau das sichtbar – als Ort, an dem sich die internationale Jazzszene nicht nur präsentiert, sondern auch reflektiert und weiterdenkt.
Von Krzysztof Komorek
Zum zweiten Mal fand im Rahmen des Festivals Szczecin Jazz eine Konferenz der Jazzbranche unter dem Titel Polish Jazz meets Global statt. In einem internationalen Teilnehmerkreis kamen Vertreter:innen der Jazzszene aus Polen, Europa, den USA sowie aus Taiwan zusammen.
In Szczecin zu Gast waren unter anderem Lydia Liebman (Gründerin und Präsidentin von Lydia Liebman Promotions), Lois Gilbert (JazzCorner), Jazz at Lincoln Center vertreten durch Daniel Israel, sowie Herbie Hancock Institute of Jazz mit Steve Murillo. Ebenfalls vertreten war eine Delegation der taiwanesischen Jazzszene.
Die Gastgeberdelegation setzte sich aus Vertreter:innen der wichtigsten polnischen Festivals und Jazzclubs zusammen (Szczecin Jazz, Seifert Competition, Jazz Jantar, Jazz nad Odrą, Kartuzy Jazz Bass Days, Jazz Po Polsku, Jassmine, JazzKlub NOSPR) sowie aus führenden Jazzmedien und Rundfunkanstalten.
Aktuelle Themen der Branche im Fokus
Der Panelteil der Konferenz widmete sich aktuellen Fragestellungen der Jazzbranche. Diskutiert wurden unter anderem Formen der Zusammenarbeit – sowohl informell als auch institutionell. Ebenso standen Themen wie Promotion und Marketing im Mittelpunkt, einschließlich ihrer Umsetzung durch spezialisierte Agenturen, aber auch direkt durch die Künstler:innen selbst.
Auf besonderes Interesse stießen Diskussionen über Preise und Jahresrückblicke. Dabei wurden die Perspektiven von Labels und Künstler:innen mit den Herausforderungen konfrontiert, die sich aus den Veränderungen in der Jazzmedienlandschaft und den neuen Wegen der Publikumsansprache ergeben.
Beachtung fand auch ein Vortrag über künstliche Intelligenz und deren Nutzung durch Musiker:innen und Produzent:innen. Ein weiteres Panel war der Präsentation der taiwanesischen Jazzszene gewidmet, die für viele Teilnehmer:innen noch weitgehend unbekannt war.
Künstler:innen als Teil der Diskussion
Ein wesentlicher Mehrwert der Konferenz lag in der aktiven Beteiligung der eingeladenen Künstler:innen, die nicht nur auf der Bühne, sondern auch in den Panels präsent waren.
Zu den zentralen Persönlichkeiten zählten insbesondere Lakecia Benjamin und Tia Fuller, beide mehrfach für den Grammy nominiert und mit aktuellen, vielbeachteten Veröffentlichungen präsent. Gemeinsam traten sie mit dem Herbie Hancock Institute of Jazz Performance Ensemble at UCLA auf.
Darüber hinaus nahmen sie am Panel „Be Your Own Brand“ teil und trafen sich mit jungen Musiker:innen, um Erfahrungen zur Karriereentwicklung zu teilen sowie kurze Workshops und Mini-Jam-Sessions zu leiten.
Konzerte und nächtliche Begegnungen
Die Abende waren den Konzerten gewidmet. Auf der Bühne standen unter anderem Preisträger:innen der Jazz Top 2025-Umfrage des Magazins Jazz Forum.
Im Showcase-Konzert präsentierten sich Eskaubei & Late Night Poems, eine der jungen Stimmen der polnischen Szene, die Band Blu/Bry sowie das etablierte Tomasz Chyła Quintet, das Material aus seinem kommenden Album „It’s Not a Fake, It’s a Replica“ (VÖ: 27. März, Alpaka Records) vorstellte.
Gegen Mitternacht trafen sich die Teilnehmer:innen erneut in clubartiger Atmosphäre, um Gespräche fortzusetzen und gemeinsam zu musizieren.
Eine Konferenz mit Perspektive
Wie bereits in der vorherigen Ausgabe überzeugte die Konferenz durch eine sehr gute Organisation, ein durchdachtes Programm mit Fokus auf aktuelle Herausforderungen sowie eine sorgfältige Auswahl der Gäste, deren Kreis kontinuierlich erweitert wird.
Besonders hervorzuheben sind die zahlreichen Ansätze und Ideen, die darauf abzielen, die Situation der Jazzszene zu verbessern – sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene.
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