Pulsar Trio - Zoo of Songs

Pulsar Trio - Zoo of Songs

Pulsar Trio
Zoo of Songs

Erscheinungstermin: 06.04.2018
Label: t3 records, 2018

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Beate Wein - misc. keys
Matyas Wolter - sitar & surbahar
Aaron Christ - drums

Harmonie und Höchstspannung
Sitar – Piano – Drums

Das Pulsar Trio kreiert einen ganz besonderen Sound. Eigenständig und trotzdem eingängig, mit einer lebendigen, häufig verlockend leichtfüßigen Ausstrahlung und durchdachten Details. Stilsicher vereint die Band traditionelle und elektronische Instrumente und überquert dabei gleich mehrere Genregrenzen. Welche andere Gruppe bringt eine erhabene, virtuos gespielte indische Sitar, variable Klavier- und Keyboard-Motive und federnde Drum-Grooves zusammen? Als global denkende (und auftretende) Band vereint das Pulsar Trio melodiöse und filmisch-atmosphärische Ideen, verspielte und ausgetüftelte Rhythmik, Erinnerungen an Break- und House-Beats sowie das freie Denken des Jazz.

Die originäre Ästhetik des Pulsar Trios wurde in den vergangenen Jahren schon weithin gewürdigt. 2014 erhielt die Band den deutschen Weltmusik-Preis „Creole“; im Rahmen der Auszeichnung spielte sie ein umjubeltes Konzert auf einer der großen Bühnen des Rudolstadt Festivals. Auch andere, internationale Festivals haben Beate Wein, Matyas Wolter und Aaron Christ erobert. Etwa das renommierte britische Glastonbury, wo deutsche Gruppen bis heute eher selten Erfolge feiern. Oder das Masala in Hannover, dessen progressiver Worldmusic-Ansatz mit dem Trio auf einer Wellenlänge liegt. Schon mehrfach versetzte das Pulsar Trio das avanciert-kultige Fusion-Festival unweit von Berlin in Stimmung, ebenso konnten die drei unterhaltsamen Querdenker das Publikum bei den Leverkusener Jazztagen und beim Burg Herzberg Festival begeistern.

Neben Zuschauern und -hörern sind auch Medienvertreter überzeugt. “Mit Klavier, Schlagzeug und Sitar haben die drei Musiker faszinierende Klangkonstellation geschaffen, in denen die scheinbar so gegensätzlichen Soloinstrumente Klavier und Sitar eine ganz selbstverständliche und herrlich treibende Verbindung eingehen“, war in den Potsdamer Neue Nachrichten zu lesen. Die Mittelbayerische Zeitung lobte, „...erweitert [Wolter] den mal entspannt, mal energiegeladen groovenden Post-Rock-Jazz des Trios um eine ganze Welt aus Zwischentönen [und] gibt ihm eine psychedelische Perspektive.“ Die Badische Zeitung beschrieb einen Auftritt des Trios als „einzigartiges und erstklassiges Konzerterlebnis“. Häufig wird das Gespür der Band für griffige Melodien hervorgehoben und ihr Talent, komplexe Arrangements und ungerade Metren zugänglich statt akademisch klingen zu lassen.

Zwei Jahre sind seit der CD „Cäthes Traum“ vergangen, „Zoo of Songs“ knüpft an alte Tugenden an. Gleichzeitig empfindet sich das weitgereiste Trio heute als noch geschlossenere künstlerische Einheit. Dass man mittlerweile in verschiedenen Städten lebt, kann der gewachsenen Freundschaft und intuitiven Übereinstimmung nichts anhaben. Zudem teilen alle einen gewissen Humor, der den Betrachter schon im Albumtitel anlächelt. Zur Erklärung für „Zoo Of Songs“ verweist Schlagzeuger Aaron Christ zunächst auf einige Stücke, in deren Titeln Tiere genannt werden. Darunter der mitreißende Aufmacher „Of Mice And Men“, das rhythmisch listige „Butterfly Toe“ und „Knittery Owl“, für das es sogar eine reale Vorlage gibt. „Als wir für die Aufnahmen im Schloß Röhrsdorf bei Dresden waren, habe ich dort diese gestickte Eule entdeckt“, lacht Drummer Aaron Christ, um dann ernsthaft einen größeren Zusammenhang zu skizzieren: „ein Zoo fasziniert mit seiner Vielzahl von Tieren, die alle besondere Eigenschaften haben, etwa Federn, Fell oder Reptilienhaut. Wir finden eine solche Vielfalt auch in der Musik spannend.“ Der Albumtitel steht also vor allem für unterschiedliche Eindrücke, die die in viele Richtungen oszillierende Musik des Pulsar Trios vermittelt.

Darin spiegeln sich natürlich auch die Persönlichkeiten und ihre jeweiligen künstlerischen Stammbäume. Beate Wein hat klassisches Klavier gelernt, sich während und nach ihren Studiengängen in Leipzig und Potsdam als Pianistin und Sängerin in unterschiedlichsten Formationen engagiert, deren Spektrum von Progressive-Rock und Metal bis zu Pop und freier Improvisation reichte. Als Matyas Wolter 2004 begann, sich in Kalkutta der indischen klassischen Musik zu widmen, war Beate Wein von der Idee so fasziniert, dass sie ihm folgte; im Rahmen ihrer damaligen Forschungsreise arbeitete sie unter anderem mit Musikern in Kathmandu. Matyas Wolter verbrachte über mehrere Jahre hinweg immer wieder einige Monate in Indien, um sich bei Subroto Roy Chowdhury in die komplexe Klassik des Subkontinents und das Spiel auf der Sitar zu vertiefen. Bis heute gibt er dort und anderswo in der Welt immer wieder klassische Raga-Konzerte. 2015 komponierte er darüber hinaus die Musik zum Spielfilm „Marry Me!“

Als einer der wenigen spielt Wolter auch die Surbahar, eine Bass-Version der Sitar. Sie reicht so tief wie ein Kontrabass, ist aber dermaßen sensibel, dass sie im Pulsar-Kontext lediglich im Studio eingesetzt werden kann. Der dritte im Trio, Schlagzeuger Aaron Christ, wuchs in Rudolstadt auf und ist durch das dortige traditionsreiche Festival von je her mit Weltmusik sozialisiert. Zwischenzeitlich spielte er als Gitarrist oder Bassist Punk, Folk und Jazz und produzierte zwei Alben mit dem Hang-Drum Projekt. Umgezogen nach Potsdam, lernte er Beate Wein seinerzeit über die gemeinsame Wertschätzung des Esbjörn Svensson Trios kennen.

Mehr noch als der namensgebende Neutronenstern pulsiert das Trio in viele Richtungen, sowohl rhythmisch wie auch harmonisch und melodisch. „Wir lieben es, mit Instrumentalmusik Geschichten zu erzählen“, erklärt Aaron Christ den facettenreichen Sound. „Zoo of Songs“ beginnt recht offensiv, fesselt zunächst mit dichten Arrangements und schnellen Phrasierungen, die für Momente gute Erinnerungen an wegweisende Jazz-Indien-Fusionen der Siebziger wecken. Im weiteren Verlauf wird die Musik mal transparent, mal fast kontemplativ; dazwischen wetterleuchten Minimalismus-Strukturen am Horizont. „Wir nutzen gern ungerade Metren oder Verschiebungen, die möglicherweise gar nicht unmittelbar auffallen“, beschreibt Christ mit etwas Understatement die Variation vom 15/8- zu 3/4- und 4/4-Takt in „Butterfly Toe“ und lässt wieder Humor aufblitzen, „um Hörer und Mittänzer ein wenig aus ihrer üblichen Routine rauszuholen, ohne dass sie sich allzu irritiert fühlen.“ Es kann auch vorkommen, dass Christ einen gradlinigen 4/4 spielt und die beiden anderen im 3er-Takt dagegen halten. Letztlich sind es solche fein austarierten Spannungsbögen, die subtilen Wechsel zwischen klarer Komposition und pointiertem Freigeist, die das Pulsar Trio so unverwechselbar machen.

  1. Of Men & Mice
  2. Tin Stag Story
  3. Src
  4. Butterfly Toe
  5. Sparkle Crumbs
  6. Flugmodus
  7. Knittery Owl
  8. Rambos Muscledance
  9. Mink The Toad
  10. Slow Down Trude

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