Mit „Sacre – ein Rausch“ präsentiert Wagner Moreira einen intensiven, zweiteiligen Tanzabend am Theater Regensburg – zwischen archaischer Wucht, sinnlicher Bewegung und existenzieller Tiefe.
Sacre – ein Rausch: Tanzabend von Wagner Moreira am Theater Regensburg
Von Robert Fischer
Pina Bausch hat einmal gesagt, es interessiere sie nicht, wie sich die Menschen bewegen, sondern, was sie bewegt.Tatsächlich ist das noch immer der beste Grund, ins Theater zu gehen, um sich einen Tanzabend anzusehen. Ins Theater Regensburg zum Beispiel, wo Wagner Moreira aktuell einen sehr inspirierenden Tanzabend gestaltet hat.
Pina Bausch ist es auch, die einem sofort in den Sinn kommt, wenn man liest, worum es in diesem zweiteiligen Tanzabend geht: „Sacre – ein Rausch“ vereint eine Uraufführung des künstlerischen Leiters und Chefchoreografen Wagner Moreira mit Strawinskis legendärem „Le Sacre du Printemps“, das seit seiner ersten, am 29. Mai 1913 im Pariser Théâtre des Champs-Élysées uraufgeführten Inszenierung von Vaslav Nijinsky aus dem Repertoire renommierter Bühnen nicht mehr wegzudenken und in der von Pina Bausch 1975 für das Tanztheater Wuppertal gestalteten Fassung wohl bis heute am bekanntesten ist.
Doch so spektakulär das Bühnengeschehen auch immer ist – ein bisschen ertappt man sich dabei doch gern mit der Überlegung, dass man bei einer derart faszinierend dynamischen, geradezu archetypisch wirkenden Musik nur wenig falsch machen kann: erst recht, wenn sie so mitreißend gespielt wird wie hier vom Philharmonischen Orchester Regensburg unter der Leitung von Tom Woods.
Vielleicht ist es aber auch genau „anders herum“: Gerade weil die Musik schon für sich allein so spektakulär mächtig ist, ist die Herausforderung des Choreografen umso größer, dafür entsprechende, im Idealfall noch nicht gesehene Bilder (und Bewegungen) zu finden. Wagner Moreira gelingt das mit einem beeindruckenden Ensemble und einem ebenso schlichten, wie wirkungsvollen Bühnenbild in Form eines riesigen, metallisch scheinenden, beweglich über den Tanzenden befestigten schwarzen Rings, der hier einer opferbereiten (oder doch eher: opferwilligen) Schar als Portal dient, durch das am Ende, im nur kurz angedeuteten Schlussbild, eine neue Reise ins Licht beginnt (oder beginnen könnte).
So eindringlich dunkel und schwer das Bühnengeschehen in seiner die menschliche Existenz für kurze Momente auch im Wortsinn gänzlich entblößenden Forrm ist, so unbeschwert heiter, hell und leicht wirkt der erste Teil des Abends, für den sich Wagner Moreira von „Nazareno“, einem auf verschiedenen lateinamerikanischen Tänzen basierenden Konzert für zwei Klaviere und Orchester des argentinischen Komponisten Osvaldo Golijov zu einem rauschhaften Fest inspirieren ließ. Unter der Oberfläche des hedonistischen Treibens wird aber auch hier bereits dessen Kehrseite angedeutet – das nackte Entsetzen, das auf die Erkenntnis folgt, dass alle Lust nur Ewigkeit will, aber nicht bekommt. So verlässt man am Ende dieses gelungenen Tanzabends das schmucke Theater in Regensburg letztlich: tief bewegt.
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