Salsafuerte feat. Yumarya - Salsafuerte

Salsafuerte feat. Yumarya - Salsafuerte

Salsafuerte feat. Yumarya
Salsafuerte

Erscheinungstermin: 01.06.2012
Label: Content, 2012

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Es gibt unzählige deutsche Bands, die sich im Latin versuchen, aber vieles davon erweist sich bei genauerem Hinhören doch als Salsa-Verpackung von rheinischer Fröhlichkeit oder Spreewälder Gurkenseeligkeit. Salsafuerte sind anders. Vielleicht liegt es daran, dass sie eben nicht nur in der Mitte Europas zuhause sind, sondern auch ein Standbein in New York und Wurzeln in der Karibik haben. Dem Bandlogo Salsafuerte liegt die Idee zugrunde, von Salsa ausgehend in neue Richtungen aufzubrechen. Diesem Anspruch werden sie auf ihrer neuen, dritten CD mehr als gerecht, denn hier handelt es sich nicht nur um ein gepfeffertes Latin-Menü, sondern um eine kraftvolle Jazz- und stimmungsvolle Balladenplatte.

Die Mitglieder der Band, Pianist und Geiger Gregor Hübner, Perkussionist Jerome Goldschmidt, Saxofonist Klaus Graf, Trompeter Claus Reichstaller, Bassist Veit Hübner, Drummer Joachim Leyh und Sängerin Yumaria sind in unterschiedlichsten Projekten aktiv, einige von ihnen zum Bespiel in der SWR Big Band. Zweimal im Jahr treffen sie sich für 14 Tage, um mit Salsafuerte neue Stücke einzustudieren und dann auf Tour zu gehen. Alle paar Jahre wird dieses Material zu einem Album gebündelt. Die Gruppe macht sich keinen Stress, sondern lässt genau das passieren, was passieren muss. Umso leichter und unangestrengter dann auch klingt ihr genuiner Mix aus Latin, Jazz und Song. Die Geschichte von Salsafuerte reicht zwölf Jahre zurück, wie Saxofonist Klaus Graf erzählt. „Gregor Hübner lebt seit 20 Jahren in New York und beschäftigt sich dort mit verschiedenen Musikstilen. Er war schon vor der Gründung von Salsafuerte in einer Latin-Band, die nicht nur Salsa spielte, sondern stärker in Richtung Jazz tendierte. Als er vor zwölf Jahren in New York heiratete, hörte ich diese Band erstmals. Ich war von dieser Musik so fasziniert, dass ich sofort zu Gregor sagte, eine solche Band müssen wir in Deutschland auch aufziehen. Daraufhin schauten wir uns in der Latin-Szene wie auch im Jazzbereich nach Musikern um, die zusammenpassen würden. So gewannen wir für dieses Projekt eine sehr interessante Konstellation an Mitstreitern.“
Um jedem Irrtum vorzubeugen, Salsafuerte sind eine deutsche Band, deren Mitglieder nicht in den puertoricanischen oder kubanischen Vorstädten der amerikanischen Metropolen aufgewachsen sind. Sie kleben sich nicht im übertragenen Sinne schwarze Bärtchen unter die Nase und rufen uns kein schmissiges „Holla!“ oder „Olé!“ zu, sondern musizieren vor dem Hintergrund ihrer alltäglichen Erfahrungen in Stuttgart, München, Nürnberg, Amsterdam und New York. Wahrscheinlich ist genau dies der Grund, warum ihre Musik so authentisch, zutiefst ehrlich und überhaupt nicht aufgesetzt klingt. Bislang bescheinigten die Medien der Gruppe unisono Energie, Feuer und Explosivität. Doch bei aller Party-Power, die von dieser Musik ohne jede Frage ausgeht, ist da auch ein ehrlich empfundener Sinn für Tiefgang und Romantik. Bis auf den ebenfalls in New York lebenden Perkussionisten Jerome Goldschmidt und Sängerin Yumaria spielt ja kein Mitglied von Salsafuerte ausschließlich Latin, und von dieser Offenheit profitiert die Band.
Apropos Yumaria. Die aus Curacao stammende Sängerin steht als Kulminationsfigur viel mehr im Mittelpunkt als auf den beiden vorangegangenen CDs von Salsafuerte. Sie kombiniert authentisch karibisches Lebensgefühl mit ihren europäischen Erfahrungen lebensecht zu einem multikulturellen Trigger. Yumaria steigert den Wirbel der Instrumentalisten in den Wahnsinn, kann aber auch wenn nötig Ruhe und Beschaulichkeit in den allgemeinen Trubel bringen. Sie hat nicht nur Schmelz, sondern auch Rhythmus in ihrer Kehle. Vor allem aber setzt sie sich nicht einfach vokal auf die Stimmen von Saxofon, Trompete oder Geige, sondern tritt in einen sensiblen Dialog mit den Melodie- oder Perkussionsinstrumenten. Klaus Graf bezeichnet sie als Edelstein, den die Band erst in den letzten Jahren vollständig freigelegt hat. „Ihre größte Stärke sind die Balladen. Gerade diesen Aspekt wollten wir auf der neuen Platte herausstellen. Deshalb haben wir die CD wesentlich stärker auf den Gesang zugeschnitten. Auf den letzten Alben lag wesentlich mehr Gewicht auf dem rhythmischen Aspekt.“
Das Energie-Level, das von Salsafuerte freigesetzt wird, ist umso erstaunlicher, als die Mitglieder räumlich sehr weit auseinander leben. Vielleicht trägt aber gerade die kulturelle Reibung grundverschiedener Lebensumfelder dazu bei, dass sich hier keine Abnutzungseffekte einstellen, sondern Kraft, Tempo und Intensität sich kontinuierlich steigern. Die räumliche Distanz hat den Vorteil, dass man sich nicht ständig auf der Pelle hockt und stets vor dem Zustand der völligen Erschöpfung wieder auseinander geht. Denn gepowert wird bei Salsafuerte ohne Kompromiss.
Salsafuerte spielen Partymusik für Hörer mit offenen Ohren und Hörmusik für Gourmets, die auch gern mal das Tanzbein schwingen. Sie sind nicht so vermessen, Begriffe wie Latin oder Salsa neu definieren zu wollen, aber sie bereichern diese um eine kollektiv persönliches Kolorit, das so höchst selten zu hören ist. Ungebremste Fröhlichkeit verschmilzt bei Salsafuerte mit dezenter Nachdenklichkeit und virtuoser Urbanität zu einem Power-Mix von nachhaltiger Intensität.

  1. African roots
  2. Cuban blues
  3. Persian clave
  4. New morning
  5. South Sudan
  6. Sueño
  7. Ritmo pati
  8. Adivino
  9. Un mojito
  10. Ochosi
  11. Blue bird
  12. Cojelo suave

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