Samhita - Unexpected Encouters

Samhita - Unexpected Encouters - Albumcover
Samhita - Unexpected Encouters

Samhita
Unexpected Encouters

Erscheinungstermin: 31.01.2025
Label: cto music, 2024

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jazz-fun`s recap:

Ein außergewöhnliches Projekt an der Schnittstelle von Kulturen und musikalischer Inspiration. Das erweiterte Instrumentarium und der arrangierte Aufwand dieses Unternehmens geben reichlich Anlass zur Bewunderung. Wunderschöne Musik und vor allem die Möglichkeit, wenig bekannte musikalische Strukturen zu entdecken, die zu einem einzigartigen kulturellen Amalgam verschmelzen, machen dieses Werk zu einem hochinteressanten Hörerlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. (Jacek Brun, 21.04.2025)

Besetzung

Hindol Deb - Sitar, Komposition
Pascal Hahn - musikalische Leitung, Komposition & Arrangement

Amelie Schoo - Flöte
Anja Schmiel - Oboe/Englischhorn
Laura Austermann - Klarinette/Bassklarinette
Katharina Stritzker - Fagott
Alex Stahl - Trompete/Flügelhorn
Philipp Hayduk - Posaune
Katharina Koch - Violine
Elena Rang - Violine
Pauline Buss - Viola
Tabea Hörsch - Cello
Clemens Orth - Klavier
Christian Ramond - Kontrabass
Jens Düppe - Schlagzeug

Gastmusiker:
Gunther Tiedemann - Cello (Bereaved of Light)

Über das Jazz Album "Unexpected Encouters" von Samhita

„Saṃhitā“ ist Sanskrit und bedeutet wörtlich: zusammengefügt, verbunden, Vereinigung. Das Ensembleprojekt Samhita lotet die Grenzen zwischen westeuropäischer Musiktradition, klassischer indischer Musik und Jazz aus und lässt diese musikalischen Welten in einen Austausch treten. So treffen unter anderem indische Rhythmen und Tonleitern (Ragas) auf westeuropäische Instrumente und eine Jazz-Rhythmusgruppe. Die Sitar mit ihrem faszinierenden, obertonreichen Klang und das mikrotonale Spiel ergeben zusammen mit dem modernen europäischen Instrumentarium eine bemerkenswerte und einzigartige Mischung.

Mit ihrem ersten Album Unexpected Encounters haben Hindol Deb (Sitar, Komposition) und Pascal Hahn (Komposition, Arrangement) das Ergebnis ihrer bisherigen Zusammenarbeit festgehalten. Samhita betrachten sie dabei nicht nur als musikalisches Forschungsprojekt, sondern auch als Kulturbotschafter und nehmen Zuhörer:innen wie Musiker:innen mit auf eine spannende und einzigartige Reise.

Unexpected Encounters beginnt energiegeladen mit „Coffee With Lydia“, das die lebhafte Dynamik und die vielfältigen Situationen einfängt, die in einer Kaffeehaus-Szene zu beobachten sind. Sitar und Ensemble begegnen sich harmonisch im Unisono, führen hitzige Debatten und reden durcheinander. Die verbindende Sprache ist die charakteristische lydische Tonleiter.

„Samsara“ erforscht das hinduistische Konzept der Wiedergeburt und übersetzt es in harmonische und melodische Muster, die nie zu enden scheinen.

„Lonesome Walk“ lässt den Hörer:innen durchatmen und stellt der Aufregung der ersten Stücke ein Gefühl von Introvertiertheit gegenüber: Indische Ornamentik und westliche Harmonik verbinden sich hier zu dem malerischen Bild eines einsamen Spaziergangs. Die Sitar steht hier als Protagonist im Vordergrund und wird nur gelegentlich sanft von Holzbläsern im Unisono begleitet.

In „Hiding from Jekyll“ konkurrieren zwei benachbarte Töne (D und Db) und treten in einen musikalischen Streit, der die konträren Klangwahrnehmungen der indischen und der westeuropäischen Musikkultur repräsentiert, während „Curiosity“ eine Brücke zwischen den Kulturen schlägt, indem es den Raga Baihravi mit europäischer Kammermusik in einen neugierigen und spielerischen Austausch bringt. Zu Beginn des Stücks verschmelzen Sitar und Streicher zu einem Klang, im weiteren Verlauf imitiert das Ensemble die indische Tempura und lädt Hindol Deb zu einem improvisatorischen Dialog mit Jens Düppe ein. Wenig später zeigt die Komposition ihr europäisches Gesicht und zwingt dem Solisten verschiedene Grundtöne auf, die sein Spiel und die Tonleiter aus anderen harmonischen Blickwinkeln zeigen und sich in einem polyphonen Höhepunkt ergießen.

Die Komposition „Bereaved Of Light“ erzählt die ergreifende Geschichte eines Rehkitzes, das sich nach dem Verlust seiner Mutter der Welt stellt und dabei ein Gefühl zerbrechlicher Schönheit hervorruft. Das Thema basiert auf dem besonderen Raga Miyan ki Todi und wird zunächst von den Holzbläsern - sanft schwebend über Streicherpizzicati - vorgestellt.

„Etc.“ verspricht wie Samsara eine lebendige Kontinuität, diesmal in Form eines sich wiederholenden Klaviertons. Emotional oszilliert „Etc.“ zwischen einem introvertierten und malerischen Oboensolo, kraftvollen Unisono-Passagen und einem sphärischen Sitar-Solo.

Unexpected Encounters endet mit „To Be Or Not To Be“, das eine innere Zerrissenheit und große Traurigkeit widerspiegelt - musikalisch reflektiert und umgesetzt durch den Raga Parmeshwari, der sich besonders gut dazu eignet, emotionale Zerrissenheit darzustellen. Harmonisch manifestiert sich dieses Gefühl in ungewöhnlichen Optionsklängen, die ebenso schön wie verstörend sind.

Zusammen ergeben diese Stücke ein eindrucksvolles Klangerlebnis, das sowohl die Unterschiede als auch die Gemeinsamkeiten der (Musik-)Kulturen feiert und ein starkes Statement in Zeiten vielfältiger werdender Gesellschaften ist.

Text: cto music

Titelliste

  1. Coffe with Lydia
  2. Lonesome walk
  3. Samsara
  4. Hiding from Jekyll
  5. Curiosity
  6. Bereaved of light
  7. Etc.
  8. To be or not to be

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