Rezension des Albums "Korekara" von Satoko Fujii Orchestra Nagoya
Satoko Fujii Orchestra Nagoya
Korekara
Erscheinungstermin: 02.10.2026
Label: Libra Records, 2026
Wo Gemeinschaft zu Musik wird
Manchmal erzählt eine Komposition weniger von einem Ort als von den Menschen, die ihn mit Leben füllen. Auf Korekara widmet sich Satoko Fujii genau dieser Idee.
Die vierteilige Suite entstand zum 20-jährigen Bestehen des Cafés „Rojiura no Matahari“ in Nagoya – einem Treffpunkt für Kunstinteressierte und Musiker, der über Jahre zu einem wichtigen Bestandteil der lokalen Kulturszene geworden ist. Fujii nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, nicht nur einen Ort zu feiern, sondern die Gemeinschaft, die sich um ihn herum gebildet hat.
Vielleicht klingt Korekara deshalb wärmer und unmittelbarer als manche ihrer anderen Orchesterarbeiten. Die Musik besitzt viel Offenheit, aber auch eine deutlich spürbare Freude am gemeinsamen Spiel.
Fujii schafft als Komponistin und Arrangeurin klare Strukturen, doch sie füllt sie nicht vollständig aus. Die Musiker erhalten Raum für eigene Stimmen, für Solo-Passagen und kollektive Improvisationen. Große Ensembleblöcke können sich auflösen, einzelne Instrumente treten hervor, neue Gruppen entstehen und verschwinden wieder.
Die Partitur wird dadurch weniger zum festen Ablauf als zu einem Rahmen für Begegnungen.
Das Satoko Fujii Orchestra Nagoya nutzt diese Freiheit mit beeindruckender Selbstverständlichkeit. Die Bläsersätze können kraftvoll und dicht werden, wenige Augenblicke später öffnet sich die Musik und lässt einzelne Stimmen fast vollständig frei. Gitarre, Bass und Schlagzeug schaffen zusätzliche Ebenen, ohne die orchestrale Transparenz zu verlieren.
Fujii selbst tritt dabei nicht als Solistin in Erscheinung. Ihre stärkste Präsenz liegt in der Art, wie sie musikalische Situationen vorbereitet und anderen ermöglicht, sie weiterzuführen. Die Emotionen, die mit dem Ort und seinen Menschen verbunden sind, werden nicht illustriert. Sie entstehen aus dem gemeinsamen Handeln des Ensembles.
Das ist vielleicht der schönste Gedanke hinter Korekara: Diese Musik gehört nicht einer einzelnen Person. Sie wird von Menschen gemeinsam geschaffen.
Zugleich erinnert das Album daran, wie vital und eigenständig sich Jazz in Japan entwickelt hat. Improvisation, große Ensembletradition und individuelle Ausdruckskraft werden hier nicht als importierte Formen behandelt, sondern längst als selbstverständlicher Teil einer eigenen musikalischen Kultur.
Korekara überzeugt deshalb nicht nur durch kompositorischen Reichtum und die hervorragenden Solisten.
Vor allem hört man eine ungebremste Leidenschaft für Jazz. Und eine Gemeinschaft, die diese Leidenschaft miteinander teilt.
(Jacek Brun, 28.10.2026)
Besetzung
Satoko Fujii Orchestra Nagoya
Shingo Takeda, Ryoko Ono - alto sax
Takuya Matsumoto, Yoshiyuki Hirao - tenor sax
Daion Kobayashi - baritone sax
Tsutomu Watanabe, Takahiro Tsujita, Misaki Ishiwata, Natsuki Tamura - trumpet
Toshinori Terukina, Tatsuki Nakamura, Toshihiro Koike - trombone
Yasuhiro Usui - guitar
Toru Kasai - bass
Hisamine Kondo - drums
Titelliste
- Korekara Part 1
- Korekara Part 2
- Korekara Part 3
- Korekara Part 4
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