35. Schaffhauser Jazzfestival

Erik Truffaz, Foto: Peter Pfister

Auf dem Tenorhorn exzellent verblüfft die Genfer Saxofonistin Maria Grand zusammen mit der US-Pianistin Maya Keren im großen Saal vor allem auch als unprätentiöse und unheimlich gefühlvolle Sängerin. Überhaupt versteht dieses Duo sich zauberhaft intim und berührend miteinander zu unterhalten. Mit leisen, ruhigen, sich miteinander verwebenden Tönen, die es ganz still werden lassen im immer sehr aufmerksam zuhörenden Publikum in Schaffhausen. Auch Andreas Schaerer, DER Schweizer Vokalist, überrascht beim Festival. In seinem Projekt Evolution stehen balladeske Songs im Vordergrund. Ja, Schaerer wird mit dem Mikrofon auch immer mal zur Rhythmusmaschine und imitiert mit seiner Stimme das eine oder andere Blasinstrument. Aber oft bewegt er sich als Sänger in klassischen Songstrukturen. Björn Meyer auf dem E-Bass und vor allem der Finne Kalle Kalima an der Stromgitarre dürfen diese Songs aber immer wieder herrlich aufbrechen, bei Kalima gerne in Richtung freiem Jazz und hartem Rock.  

Sehr hörenswert auch das Projekt Plurism des Schweizer Schlagzeugers Dominic Egli. Mit Landsmann Rafaele Bossard am Bass und 3-köpfiger Bläser-Abteilung aus Südafrika verband das Quintett kraftvollen, urbanen Jazz mit südafrikanischer Folklore, aber ohne jegliche, liebliche Klischeebehaftung. Das Duo Oxeon der Schweizer Akkordeonistin Lea Gasser und der holländischen Sängerin Sylvie Klijn kommt ebenfalls ohne Klischees aus und überzeugte mit zarten, vielsprachigen Dialogen zwischen Jazz, Klassik, Chansoneskem, Pop und dezenter Elektronik. Spannend auch das Trio Quiet Tree der Saxofonisten Simon Spiess, der mit Marc Méan an den Tasten und Drummer Jonas Ruther unheimlich dicht und bisweilen mit hypnotischer Sogwirkung aufspielte jenseits von festen Stil-Schubladen.  

Vier Querflötistinnen aus drei Ländern nebeneinander auf der Bühne, und daneben sitzt noch der deutsche Schlagzeuger Tilo Weber. Mit der Band Nancelot der aus Schaffhausen stammenden Flötistin Nancy Meier die Haupttage beim 35. Schaffhauser Jazzfestival zu eröffnen war schon interessant. Denn was die vier Damen und der doch oft ein wenig unterbeschäftigte Herr am Schlagzeug da abliefern, Musik inspiriert von den Zimmerpflanzen bei Frau Meier daheim, ist alles andere als volltönender Jazz. Die Flöten schlängeln sich, um im Bilde der Pflanzenwelt zu bleiben, durch luftige Notenlabyrinthe, die Brücken zwischen Kammer-Klassik und Jazz schlagen, sich dabei an komponierten Dramaturgien oft in harmonischem Satzspiel orientieren, aber auch mal verspielt und frei tänzeln. Schon interessant dieses Konzept, nach einer Weile aber doch irgendwie gleichförmig und daher ein wenig ermüdend.

Wie gut dass die Konzerte im Hauptspielort, dem Kulturzentrum Kammgarn, immer nur ein gutes Dreiviertelstündchen dauern. Da bleiben die Ohren bei drei Bands pro Abend frisch. Am Wochenende gibt es dann nebenan im TabTab-Musikraum in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern – Musik noch pro Abend jeweils zwei weitere Auftritte mit jungen Künstlern und ihren Bachelor- und Masterprojekten als Alternativangebot. Das Reinhören dort lohnte sich, Bands wie das Trio des Gitarristen Elia Aregger oder das Quintett Best Of Both Worlds spielten erfreulich erfrischendend mit eigener Musik auf.  

Der bekannteste Name, der das diesjährige Festival auch abschloss, gehörte sicherlich Erik Truffaz. Und der Genfer Trompeter und seine Band enttäuschten das Publikum nicht. Ob es nun Filmmusik von seinen beiden letzten Kinojazz-Alben war oder andere Songs, das lyrische, beseelte Trompetenspiel von Truffaz, die so elegant groovende Musik, das ist alles zwar nichts Neues, ist auch wenig überraschend, aber einfach sehr gut gespielt. Für Truffaz-Fans ein Muss, für alle anderen allerbeste Jazz-Unterhaltung. Zu entdecken gab es vorher ja schon genug. Etwa auch die Flötistin Linda Jozefowski mit ihrer herrlich groovenden Band und ihren wunderbar fließenden Melodien. Die Tage in der hübschen, grenznah zu Deutschland und am Rhein gelegenen Stadt Schaffhausen haben wieder einmal gezeigt, wie bunt, vielseitig und gut der Schweizer Jazz klingen kann.  

Text: Christoph Giese
Fotos: Peter Pfister

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