Shogo Seifert's Rauke - Causes of Imagination

Shogo Seifert's Rauke - Causes of Imagination - Albumcover
Shogo Seifert's Rauke - Causes of Imagination

Shogo Seifert's Rauke
Causes of Imagination

Erscheinungstermin: 21.03.2025
Label: Double Moon Records, 2025

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jazz-fun`s recap:

Ein rundum gelungenes und durchdachtes Debütalbum. Hochwertige Arrangements, ein raffinierter Sound und ausdrucksstarke Kompositionen machen es zu einem echten Highlight. Shogo Seifert bewegt sich virtuos zwischen Klassik und Jazz, lässt Einflüsse aus der Weltmusik einfließen und experimentiert mutig mit elektronischen Klängen. Besonders beeindruckend ist der warme, facettenreiche Klang seiner Trompete in Verbindung mit den orchestralen Arrangements – einfach grandios! Ein Album, das man sich nicht entgehen lassen sollte. (Jacek Brun, 22.03.2025)

Besetzung

Shogo Seifert - Trumpet
Mathilde Vendramin - Cello
Philine Höhnisch - Viola
Almut Wolfart - Violin
Alexandra Buchmüller - Violin
Arseny Rykov - Piano
Vincent Niessen - Double bass
Johannes Metzger - Drums

Über das Jazz Album "Jazz Detectives" von Frode Kjekstad Trio

Rucola - für Shogo Seifert ist dieses merkwürdige Wort aus der Pflanzenwelt vor allem eines: Klang! Wer hinter dem Bandnamen einen tieferen Sinn erwartet, kann sich entspannen. Der Trompeter und Komponist aus Berlin entscheidet im Zweifel intuitiv - in jeder Hinsicht. Das gilt auch für die Musik, die er für dieses besondere Oktett erdacht, erfühlt und geschrieben hat. Formal handelt es sich um eine klassische Jazz-Quartettbesetzung, ergänzt um ein Streichquartett. Shogo Seifert sieht die Gruppe als achtköpfige Einheit und hat entsprechend für sie komponiert. Eine eher handwerkliche, rational „technische“ Herangehensweise ist ihm fremd. „Ich brauche eine emotionale Verbindung, um Energie in Musik umsetzen zu können“.

Der Titel des Albums, Seiferts Debüt, verweist auf den Ursprung der Musik. Die „Causes of Imagination“, die Ursachen seiner Fantasie, seien „persönliche Erlebnisse, die nichts mit Musik zu tun haben“, erklärt er. Seiferts kreatives Schaffen speist sich aus Ereignissen und Erlebnissen, die er zu verarbeiten sucht. Sie lassen in ihm jene Energie entstehen, aus der er kompositorisch schöpft. Das führt gerne zu Stücken, die bei aller Zugänglichkeit eine ganz eigene Handschrift tragen. Der Wahlberliner schert sich nicht um Konventionen. Die zahlreichen und zudem sehr unterschiedlichen Beispiele der Jazzgeschichte für die Kombination mit einem kleinen Streicherensemble sind ihm bekannt, haben ihn aber nicht sonderlich beeinflusst. Natürlich haben sie ihn inspiriert. Aber der Weg zum Rauke-Achter war ein typischer Seifert-Weg: intuitiv und pragmatisch statt systematisch oder gar strategisch.

Rauke entstand nach einer Phase, in der Shogo Seifert für eine Besetzung mit fünf Bläsern und Rhythmusgruppe sowie für eine Big Band geschrieben hatte. Als Kontrast zu diesen „bläserlastigen“ Projekten schwebte ihm ein ganz anderer Klang vor: der einer Streichergruppe. Die erste Ausgabe von Rauke formierte er anlässlich seines Abschlusskonzerts am Jazz Institut Berlin, wo er 2021 sein Masterstudium begann. Die aktuelle Besetzung unterscheidet sich in einigen Positionen von der Erstauflage. Besonders eng ist Seifert mit dem Bassisten Vincent Niessen aus Dresden verbunden, mit dem er parallel ein frei improvisierendes Quartett namens Vier Föhne bildet. Apropos: Seifert, der neben der Trompete auch Altsaxofon, Klavier und Synthesizer beherrscht, war und ist natürlich auch in anderen Formationen aktiv. Mit dem in Dresden gegründeten Seifert/Kontomichalis Quintett widmet er sich gelegentlich noch dem Hardbop. The BBP des Schlagzeugers Lukas Hecker ist eine brandaktuelle Groove-Jazz-Band mit Sängerin und Rapper. Außerdem spielt er im eigenwilligen Oumuamua Orchestra aus Süddeutschland. Seit einiger Zeit gibt es ein Duo mit dem Gitarristen Alexander Rueß und das ebenfalls in Berlin beheimatete Shogo Seifert Quintet mit Bruder Hiromu Seifert am Schlagzeug.

Shogo Seifert kommt aus Heidelberg. Er wurde im Dezember 1993 als Sohn einer japanischen Mutter und eines deutschen Vaters geboren. Der japanische Anteil sei ein wichtiger Teil seiner Identität, betont er. „Das spiegelt sich auch in meiner Musik wider. Gerade das Spirituelle in der japanischen Lebensweise meiner Mutter hat mich stark beeinflusst.“ Aus der Philosophie des Zen hat er einiges für seine musikalische Praxis mitgenommen: zum Beispiel „zu versuchen, im Moment zu sein, mit voller Aufmerksamkeit zu musizieren, in einen bestimmten Zustand zu kommen“.

Seine Mutter ist eine klassisch ausgebildete Pianistin, die sich im Laufe der Jahre der zeitgenössischen Musik und der Improvisation geöffnet hat. In einer Musikschule erhielt Shogo zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Hiromu zunächst Unterricht auf afrikanischen Perkussionsinstrumenten. Nachdem er spielerisch und teilweise autodidaktisch zum Klavier - seinem Zweitinstrument - gefunden hatte, kam er zur Trompete. Das Schlüsselerlebnis war, wie er selbst lachend sagt, „ein Miles-Moment“. Als er elf oder zwölf Jahre alt war, schenkte sein Vater ihm, dem jungen Trompetenschüler, das Album „Kind Of Blue“ von Miles Davis. Stunden um Stunden verbrachte er mit den Soli des Meisters. „Meine erste zutiefst spirituelle Erfahrung mit Musik“. Danach gab es keinen Zweifel mehr, welchen Weg er einschlagen würde. „Ich fühlte mich angezogen von der Welt des Jazz, die ich entdeckt hatte.“ Mit seinem Bruder tauchte er zwar auch in die Hip-Hop-Kultur ein, bastelte Beats und versuchte sich an Graffiti und Turntables. Doch auch hier suchte er vor allem die Verbindung zum Jazz. „Jazz schwingt mit meinem Wesen mit, mit dem, wie ich mich ausdrücken möchte“ - darauf stieß er immer wieder.

2014 zog Shogo Seifert nach Dresden, um Trompete zu studieren. Es folgte ein Auslandsjahr in Paris („eine super Jazzstadt, eine sehr inspirierende Zeit“), bevor er mitten in der Corona-Zeit nach Berlin wechselte. Das kreative Klima der Stadt half ihm, seinen Horizont noch weiter zu öffnen für Neues, Anderes - auch dafür, seiner Intuition und seinen Ideen konsequent jeden erdenklichen Raum zu geben. Raukes Album, produziert im Berliner Jazzanova Studio, ist ein erstes bleibendes, rundum beeindruckendes Ergebnis. Konzerte des Oktetts sind in Planung.

Text: Double Moon Records

Titelliste

  1. Uso
  2. No Stress, Diggi
  3. Arakawa
  4. W(hole) Intro
  5. W(hole)
  6. Receive
  7. Lina
  8. Lina (Reprise)

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