Shuteen Erdenebaatar & Nils Kugelmann - Under The Same Stars

Shuteen Erdenebaatar & Nils Kugelmann - Under The Same Stars - Album cover
Shuteen Erdenebaatar & Nils Kugelmann - Under The Same Stars

Shuteen Erdenebaatar & Nils Kugelmann
Under The Same Stars

Erscheinungstermin: 12.09.2025
Label: Motema Music, 2025

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jazz-fun`s recap:

Ein Album wie „Under The Same Stars“ ist weit mehr als nur ein gemeinsames Projekt zweier hochkarätiger Musiker: Es ist die Begegnung zweier künstlerischer Persönlichkeiten, die ihre Ausdruckskraft und musikalische Fantasie auf einzigartige Weise miteinander verbinden. Shuteen Erdenebaatar und Nils Kugelmann entwickeln eine gemeinsame Sprache, die tief berührt und von großer künstlerischer Klarheit zeugt.

Die melodischen Themen bestechen durch ihre Schönheit, die Improvisationen durch ihre Lebendigkeit und Feinheit. Pianistische Passagen und Klarinettensoli ergänzen und kontrastieren sich auf faszinierende Weise. Jedes Detail ist sorgfältig gestaltet und doch bleibt die Musik spontan, atmend und voller Empathie. Zwei Gastmusiker bereichern das Klangbild in einzelnen Stücken und fügen zusätzliche Nuancen hinzu, ohne den intimen Charakter der Musik zu überdecken.

„Under The Same Stars“ ist ein Album, das von Dauer sein wird. Seine poetische Tiefe, seine außergewöhnliche Intensität und seine berührende Klarheit machen es zu einem Werk, das in die Diskografie großer zeitgenössischer Jazzaufnahmen eingehen sollte. Eine klare Empfehlung für alle, die Musik mit Seele, Intellekt und Herz suchen.

(Jacek Brun, 13.09.2025)

Besetzung

Shuteen Erdenebaatar - Klavier
Nils Kugelmann - Kontra-Alt-Klarinette, Kontrabass

Gäste:
Jakob Manz - Blockflöte (5)
Dalaijargal Daansuren - Pferdekopfgeige (7)

Poesie im Duett: Shuteen Erdenebaatar & Nils Kugelmann

Shuteen…
Am 3. Juli 1998 wird in Ulaanbaatar ein Mädchen geboren. Ihr Vater ist Opernregisseur an der Mongolischen Staatsoper, ihre Mutter eine angesehene Fernsehproduzentin. Sie geben ihrer Tochter den Namen Shuutena, was so viel bedeutet wie „eine verehrte oder inspirierende Person“. Mit sechs Jahren wird sie Schülerin des Gonchigsumlaa-Konservatoriums, der bedeutendsten Musikschule des Landes. Zehn Jahre lang widmet sie sich täglich zehn Stunden lang dem klassischen Klavier, der Musiktheorie und der Gehörbildung. Doch irgendwann braucht es eine Veränderung. Mit 16 Jahren legt sie den Fokus auf das Studium der Komposition, da sie, wie sie sagt, „etwas erschaffen wollte, das es vorher noch nicht gab“.

Eines Tages besucht sie ein vom Goethe-Institut gegründetes Jazzprojekt anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der deutsch-mongolischen diplomatischen Beziehungen und hört etwas völlig Neues: Piano Jazz. Brad Mehldau: 10 Years Solo Live; Ahmad Jamal: Live at the Pershing. „Ich hätte nie gedacht, dass man Klavier so spielen kann“, erinnert sie sich. „Ich hörte eine neue Sprache, die mein Musikverständnis für immer verändert hat. Ich hörte Freiheit – Raum, die Möglichkeit, Spontaneität zuzulassen.“ Und es wird ihr klar: Jazz ist ihr Weg. Doch in ihrer Heimat gibt es keine Möglichkeit, diesen Weg zu gehen. Also schließt sie ihr Bachelorstudium in klassischer Komposition ab und geht 2018 nach Deutschland, getrieben von einer Sehnsucht nach der Zukunft.

An der Hochschule für Musik und Theater in München findet sie Stück für Stück ihre wahre musikalische Stimme: verwurzelt in ihrer Liebe zur klassischen Musik, erhoben durch die Freiheit und das Zusammenspiel des Jazz und geprägt von den Farben ihrer mongolischen Heimat. Sie beginnt, mit anderen Musiker:innen zu arbeiten, und wird rasch zu einer gefragten Pianistin, Komponistin, Bandleaderin und Arrangeurin in der deutschen Jazzszene.

Bereits im Alter von 25 Jahren leitete sie ein Quartett, ein Duo und ein Kammerjazzorchester und hatte einen Vertrag über drei Alben bei dem renommierten US-Label Motéma unterschrieben. Ihr Debütalbum Rising Sun, das ausschließlich eigene Kompositionen enthält, erschien 2023 und wurde begeistert aufgenommen. Es führte ihr Quartett auf ausverkaufte Bühnen in Europa, China, Island und der Mongolei, darunter sensationelle Auftritte bei der Jazzahead!, dem North Sea Jazz Festival und in der Mongolischen Philharmonie. Sie wurde in führenden Magazinen porträtiert und erhielt 2024 gleich zwei Nominierungen für den Deutschen Jazzpreis: als Pianistin des Jahres und als Ensemble des Jahres (letzteren Preis gewann sie). Darüber hinaus wurde sie mit dem höchsten Kulturpreis ihrer Heimat, dem Mungun Mod, ausgezeichnet – als erste Jazzkünstlerin überhaupt.

Und um dieses moderne Märchen vollkommen zu machen: In Deutschland fand Shuun Erdenechuluun nicht nur ihre wahre künstlerische Identität, sondern auch ihre große Liebe, den herausragenden Musiker Nils Kugelmann.

Nils…
Während der Sommer sanft über einem ruhigen Vorort von München verweilte, wurde am 30. Juli 1996 ein Junge geboren. Seine Eltern, sein Vater ein Elektroingenieur und seine Mutter eine Kreative aus einer musikbegeisterten Familie, gaben ihm den skandinavischen Namen Nils. Während draußen das Leben seinen Lauf nahm, kehrte sich das Einzelkind nach innen – zum Klang, zur Harmonie, in eine Welt ganz für sich allein. Klarinette, Klavier, Kontrabass – für Nils sind das keine bloßen Instrumente, sondern Weggefährten fürs Leben. Aus Neugier wurde Können. Mit elf Jahren schrieb er geheimnisvolle Miniaturen, mit fünfzehn Jahren Werke für Bigband. Mit sechzehn Jahren komponiert, spielt und dirigiert er für das Sinfonieorchester seiner Schule. Während andere über ihre Zukunft nachdenken, schreibt er Musicals und startet Soloprojekte. Für ihn ist Musik nie nur Theorie. Musik ist ein Versprechen. Ein Ort. Ein Zuhause.

An einem stillen Abend geschieht dann etwas Unerwartetes: Er entdeckt ein altes, kaum beachtetes Gebot im Internet – einen verstaubten Koffer. Er kauft ihn spontan und bezahlt mit der Kreditkarte seines Vaters. Darin befindet sich eine über 70 Jahre alte Kontra-Alt-Klarinette. Sie ist schwer, eigenartig und wunderschön. Ihr Klang ist so tief wie ein Abgrund und so warm wie ein Lagerfeuer. Das Instrument wird zu mehr als nur Holz und Metall – es wird zu einer Stimme. Zu einem Symbol. Zu einer Sehnsucht. Doch das Leben stellte ihn vor Entscheidungen: Klassik oder Jazz? Klarinette oder Bass? Als er 2016 sein Studium an der Hochschule für Musik und Theater in München begann, entschied er sich für Jazz-Kontrabass. Die Klarinette geriet in Vergessenheit. Seine Liebe zum Bass und zur Komposition füllte fortan seine Gedanken, seine Tage und seine Zukunft. 2020 blieb er für sein Masterstudium in München und lernte eine neue Studentin kennen: eine brillante Pianistin aus einem fernen Land.

Ihr Name ist Shuten. Ihre Musik – und nicht nur das – weckte eine große Faszination in ihm. Eines Tages, nach einer gemeinsamen Probe, entdeckte sie in Nils’ Abstellraum einen verstaubten Koffer. Neugierig fragte sie, was sich darin befinde. Mit einem Lächeln öffnete er ihn, setzte das Instrument zusammen und erweckte dessen magische Stimme zu neuem Leben. Shutet war verzaubert: „Der Klang war so besonders. So tief. So leuchtend. Es war, als würde das Instrument selbst sprechen“, erinnert sie sich. Und so kehrte der Klang der Kontra-Alt-Klarinette zurück – tief wie ein Abgrund und doch so warm wie ein Lagerfeuer. Nicht als ferne Erinnerung, sondern als Beginn einer Reise voller Möglichkeiten.

Heute gilt Nils Kugelmann als einer der vielversprechendsten jungen Bassisten und Komponisten Deutschlands. Er steht bei ACT, einem der renommiertesten Jazzlabels Europas, unter Vertrag und sein Trio gewinnt bedeutende Preise. Seine Alben „Stormy Beauty” und „Life Score” werden als Ausdruck einer „mutigen neuen Stimme im europäischen Jazz” gefeiert. Sein unverwechselbarer Klang am Bass hat maßgeblich zum Erfolg des Shuten Erdenebaatar Quartetts beigetragen. Doch bei „Under The Same Stars“ tritt eine andere Stimme in den Vordergrund: Die schwere, eigenartige und wunderschöne Kontra-Alt-Klarinette erklingt erneut. Und diesmal ist sie nicht allein.

Under The Same Stars…
Hier umhüllen die geheimnisvollen, wohlklingenden und sehnsuchtsvoll-melodischen Töne von Nils’ Kontra-Alt-Klarinette Shuteens faszinierend hypnotische Klavierlinien wie duftender Rauch: leicht, schwebend und intensiv. Sie steigen gen Himmel auf, hin zu den Sternen, die Shuteen und Nils einst zusammengeführt haben. Als Partner im Leben und in der Musik machten sie sich auf die Suche nach bestehendem Repertoire, das der Kontra-Alt-Klarinette im kammermusikalischen Kontext eine Stimme verleiht. Sie fanden: fast nichts. „Gerade diese Leere wurde zu unserer Inspiration“, sagt Shutet.

Geleitet von den Emotionen, die diese einzigartige Verbindung ihrer Klangfarben in ihnen auslöste, begannen sie zu komponieren. „Nach Jahren des gemeinsamen Musizierens in größeren Formationen fühlte es sich ganz natürlich – ja, perfekt – an, diese musikalische Reise im Duo fortzusetzen“, erzählt Nils. „Jedes Stück wurde zu einem neuen Gespräch und zu einer Feier all dessen, was wir gemeinsam aufgebaut haben: unsere Liebe zur Musik, unsere immer weiter wachsende persönliche Verbindung sowie unsere individuellen musikalischen Identitäten und Karrieren, die sich ganz selbstverständlich miteinander verflochten haben.“
Wie wundervoll, dass sich diese beiden Künstler:innen – aufgewachsen in völlig verschiedenen Kulturen und auf unterschiedlichen Kontinenten – gefunden haben. Und wie schön, dass all die Wegbegleiter:innen, mit denen sie bislang zusammengearbeitet haben, dazu beigetragen haben, dass Shileen und Nils heute an diesem Punkt angekommen sind und nun dieses besondere Album mit der Welt teilen können. Die Reise ist wahrhaftig. Und das Abenteuer beginnt mit dem allerersten Ton.

Text: Motema Music

Titelliste

  1. Mirror under water
  2. Train to the past
  3. Tiny wonders
  4. Mystery of the woods
  5. Whispers beyond time
  6. Stars among us
  7. What will remain
  8. Desert dream
  9. Maybe the clouds

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