Sonetos del Amor Oscuro - Vol. 1 - El Sueño Se Deshizo Para Siempre

Sonetos del Amor Oscuro - Vol. 1 - El Sueño Se Deshizo Para Siempre- Album cover
Sonetos del Amor Oscuro - Vol. 1 - El Sueño Se Deshizo Para Siempre

Sonetos del Amor Oscuro
Vol. 1 - El Sueño Se Deshizo Para Siempre

Erscheinungstermin: 12.12.2025
Label: Zephyrus, 2025

Sonetos del Amor Oscuro - El Sueño Se Deshizo Para Siempre - bei bandcamp kaufen

jazz-fun`s recap:

Hier ist nichts bis ins Letzte festgelegt – und genau darin liegt die große Stärke dieses Albums. Brasilianische Rhythmen treffen auf spanische Gitarrenlinien, der Gesang bewegt sich frei dazwischen, ohne sich eindeutig festlegen zu wollen. Flöte und Violoncello stehen den übrigen Instrumenten gleichberechtigt gegenüber und sorgen immer wieder für glühende, intensive Momente.

Für Hörer:innen, die der spanischen Sprache mächtig sind, öffnet sich eine zusätzliche Ebene: die eindringliche, poetische Textwelt von Federico García Lorca. Die Texte sind dem Album beigelegt, was nicht nur das Mitlesen, sondern auch das bewusste Eintauchen in diese dunkle, leidenschaftliche Poesie ermöglicht.

Alle beteiligten Musiker agieren hier auf Augenhöhe. Ihre technische Klasse, musikalische Bildung und vor allem das spürbare emotionale Engagement machen diese Aufnahme zu einem durchgehend lebendigen Erlebnis. Stillstand gibt es keinen – die Musik fließt, überrascht, brennt und bleibt dabei stets offen und frisch.

„El Sueño Se Deshizo Para Siempre“ ist zudem hervorragend produziert und liebevoll gestaltet. Ein Album, das man nicht nur hört, sondern erlebt. Sehr zu empfehlen – nicht nur für Liebhaber spanischer und brasilianischer Klangwelten.

(Jacek Brun, 10.01.2026)

Besetzung

Helena Casella - vocals
Myrddin De Cauter - guitar
Stefan Bracaval - flute
Stijn Kuppens - cello

Leichtigkeit jenseits der Genres

Die Sonetos del Amor Oscuro sind eine Ode an vier verwunschene Seelen, die ihre Herzen, Harmonien und Rhythmen miteinander verflochten haben, um für alle Zeiten inmitten der fesselnden Worte des Lyrikers Federico García Lorca aus Granada zu wandeln.

García Lorca verdrehte und verschob Worte, ließ sie wie tektonische Platten vibrieren und verwandelte Ebenen in lyrische Berglandschaften, die er mit einem maurischen Teppich aus Schneekristallen bedeckte. Dann ließ er sie von den dunklen Locken eines Gitano-Mädchens aus Albaicín widerspiegeln, das mit einer Stimme aus Gold und Silber seine kleine Schwester in den Schlaf singt.

„Es ist kein Zufall, dass Lorca die Musik vor der Lyrik entdeckte – vor allem anderen singt seine Sprache“, schreibt Ana Van Liedekerke in einem Begleittext zum Album und meint: „Vielleicht ist das der Grund, warum manche es schwer finden, zu ihrer Bedeutung vorzustoßen: Seine Verse erlauben es nicht, auf akkurate Allegorien oder kohärente Botschaften festgenagelt zu werden. Stattdessen bringt er Bilder und Sounds zum Klingen – den Mond, das Blut, kalte Steine – mit unerreichter Virtuosität. Diese universellen Bilder haben seine Lyrik in die ganze Welt getragen.

Im Projekt Sonetos del Amor Oscuro leiht die belgisch-brasilianische Sängerin Helena Casella den Worten des Poeten ihre tiefe und warme Stimme. Dabei besinnt sie sich auf ihre Wurzeln im Soul, R&B, der brasilianischen Musik und dem Modern Jazz. Myrddin De Cauter lässt dazu seine Flamenco-Gitarre wie eine meditative Reise klingen. Stijn Kuppens überschreitet mit seinem Cello auf ganz eigene Weise Genregrenzen, und der klassisch ausgebildete Flötist und Jazz-Improvisationskünstler Stefan Bracaval bringt Freiheit und Lyrik in den Sound ein. Gemeinsam erschaffen sie eine Klangwelt, in der Lorcas Lyrik nicht nur gehört, sondern auch gefühlt werden kann – wie ein Traum mit maurischen Melodien und einlullenden Schlafliedern über das Albaicín.

„Myrddins Kompositionen bringen diese Töne zum Leben“, so Ana Van Liedekerke. „Sein besessenes Gitarrenspiel hat die dunklen Tiefen des Flamenco, geleitet von einer unerreichten Technik, aber vor allem von Instinkt. Die Instrumente haben keine vorgegebenen Rollen – wie in Lorcas Vision gibt es keinen Punkt, an dem der Schmerz endet und die Liebe beginnt. In dieser wirbelnden Musik gibt es so viele Lebensschichten: Spiel und Leid, Jugend und Herzschmerz. Eine lebhafte Flöte, die zugleich tröstet und bedrohlich ist. Eine Stimme, die manchmal so fragil ist, dass sie fast verschwindet. Und ein Cello, das schabt, trauert und tanzt. Sie führen uns nach Granada mit seinen Kirchenglocken und Orangenbäumen, zwischen die blau-weiß gefliesten Kuppeln, zum Klappern der Kastagnetten und den blutenden Gesichtern Christi, und noch mehr zu Lorcas ‚grauer Landschaft‘, den Hartkorn-Tiefebenen neben den schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada.“

Die belgisch-brasilianische Sängerin Helena Casella übersetzt mit ihrer tiefen, weichen und warmen Stimme ihren multikulturellen familiären Hintergrund und ihre persönlichen Gedanken in leidenschaftliche, soulige Musik. Sie wuchs in einer musikalischen Familie auf und ihre Musik strahlt dieses Erbe aus. Mühelos verbindet sie Genres wie R&B, Soul, HipHop und Modern Jazz, bleibt dabei aber den lebhaften Sounds aus Brasilien immer treu.

Myrddin De Cauters Musik ist tief bewegend, komplex, leidenschaftlich, rhythmisch und hoch emotional. Er hat den Compás flamenco gemeistert, der ihm die Freiheit verleiht, mit Elementen aus dem Jazz oder der klassischen Musik zu sprechen. Seine Schnelligkeit scheint manchmal übermenschlich, doch wer sich die Zeit nimmt, seine Musik genau anzuhören, wird schnell ein großes Maß an purer Emotion, Schönheit und Ruhe darin entdecken. Nach sechs Alben und zahllosen Konzerten beweist Myrddin, dass Virtuosen nicht aus Spanien kommen müssen.

Bereits im zarten Alter von elf Jahren brachte sein Vater ihm das Klarinettenspiel im Jazz- und Gypsy-Swing-Stil bei. Er wurde Teil des Familienorchesters und sammelte erste Bühnenerfahrungen. Als er eine klassische, auf der Gitarre komponierte Melodie hörte, bat er seinen Vater, ihm die Grundlagen der Flamencogitarre beizubringen. Bald darauf ging Myrddin nach Andalusien, um bei Manolo Sanlúcar und Gerardo Núñez zu lernen. All das inspirierte ihn, in seiner ganz eigenen Sprache zu komponieren, die tief in der Flamenco-Tradition verwurzelt ist, aber mit schier endloser Kreativität angereichert wurde.

Der Cellist, Komponist und Produzent Stijn Kuppens spielt sein Instrument auf einzigartige Weise, die er „Nicht-Klassisches Cello“ nennt. Sein profundes Wissen über die komplexe Geschichte und die Techniken dieses Stils ist deutlich hörbar. Sein klassischer Hintergrund wird in jeder Note deutlich, die er spielt – ob als Solist oder mit anderen Musikern. Er erforscht die Grenzen der konventionellen klassischen Musik und verbindet dabei unterschiedliche Genres.

Stefan Bracaval ist ein klassisch ausgebildeter Flötist, der seinen Abschluss am Königlichen Konservatorium Antwerpen gemacht hat. Seine Faszination für die Ausdrucksmöglichkeiten der Improvisation führte ihn als Autodidakten zum Jazz. Bracaval hat mit vielen bekannten Größen der belgischen Jazzszene zusammengearbeitet und leitet sein eigenes Quartett, in dem die Flöte das zentrale Jazzinstrument ist.

Text: Zephyrus

Titelliste

  1. Llagas De Amor
  2. El Poeta Dice La Verdad
  3. Soneto De La Dulce Queja
  4. Flor Del Verano
  5. Madrigal / Otra Canción / Suicidio
  6. Pajarita De Papel

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