Sons of Kemet in der Elbphilharmonie Hamburg

Bericht über das Konzert, das am 17.08.2022 im Rahmen von "Afrofuturism - Die Zukunft Der Musik" in der Elbphilharmonie in Hamburg stattfand.

Sons of Kemet
Sons of Kemet, Foto: Sebastian Madej

Zum Auftakt des Reihe "Afrofuturism" gastierten am 17. August die Sons of Kemet im Großen Saal – eine Jazz-Supergroup, zusammengestellt von Shabaka Hutchings, einer der prägenden Figuren der Londoner Szene.

Hutchings wuchs erst in Großbritannien auf und zog dann nach Barbados, wo er musikalisch sozialisiert wurde. Die Sons of Kemet greifen Musik aus der ganzen Welt auf. Sie kombinieren westafrikanische Rhythmen mit karibischem Ska, Melodien und Skalen aus dem Nahen Osten mit Hip-Hop-Beats aus den USA.

"Black to the future" ist ein klangliches Gedicht zur Anrufung von Kraft, Erinnerung und Heilung. Es stellt unser Fortschreiten in Richtung einer Zukunft vor, in der indigenes Wissen und Weisheit in der Verwirklichung eines harmonischen Gleichgewichts zwischen der menschlichen, natürlichen und spirituellen Welt zentriert sind. Der nach außen gerichtete Blick von Joshua Idehens Worten auf 'Field negus' und 'Black' beschließt das Album der Band und drückt die Wut, Frustration und Wahrnehmung aus, die nach dem Tod von George Floyd und den darauf folgenden BLM-Protesten entstanden sind. Das Werk fließt dann aus beiden Richtungen nach innen und trifft sich am zentralen (ideologischen) Achsenpunkt des Tracks 'to never forget The Source'. Die Quelle bezieht sich auf die Prinzipien, die traditionelle afrikanische Kosmologien / ontologische Anschauungen bestimmen und symbolisiert die innere Reise. Sie ist der verbindende Faktor, der sowohl dem Blick zurück (in der Nuancierung und dem kontinuierlichen Hinzufügen einer tieferen Kontextualisierung und Bedeutung der Vergangenheit) als auch dem Blick nach vorne (in der Spekulation und dem Streben nach einer besseren Zukunft für die Menschheit) Bedeutung verleiht.

In Der Elbphilharmonie waren die vier Mitglieder von Sons Of Kemet miteinander verwoben. Am Schlagzeug duellierten sich Tom Skinner und Eddie Hick, während sie immer komplexere Rhythmen auswalzen, die in ihrem Zusammenspiel immer wieder fesseln. Vor ihnen hat der Bandleader saxophonist Shabaka Hutchings das gleiche mühelose Hin und Her mit dem temperamentvollen Tubaspieler Theon Cross, wobei die beiden kreuz und quer verlaufende Melodien austauschten und eine auffallende telepathische Verbindung zeigten.

Doch selbst in einer so vernetzten Band bleibt Hutchings der fesselnde Mittelpunkt. Seine Saxophon-Melodien sind sowohl eingängig als auch unmöglich kompliziert. Ohne seine endlose musikalische Zauberei zurückzuschrauben, schafft er es dennoch, den Sound zu etwas zu machen, das man in der U-Bahn nach Hause pfeift. Mit Sons Of Kemet und seinen anderen Projekten (Shabaka and the Ancestors, The Comet Is Coming und darüber hinaus) ist er zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Londoner Jazzszene geworden, die er auf eine ganz neue Ebene des Mainstreams hebt.

Die Musik der Sons of Kemet ist beides: politisch und tanzbar. Auf ihrem Album "Black to the Future", das sie in der Elbphilharmonie präsentierten, stampfen und marschieren die Musiker geradezu in die Gehörgänge ihrer Zuhörerinnen und Zuhörer.

Das Konzert in der ausverkauften Elbphilharmonie war die letzte Gelegenheit, die Band in Deutschland zu erleben – die Sons of Kemet lösen sich nach ihren Sommer-Gigs auf.

Vielen Dank an die Elbphilharmonie für die Ausrichtung dieses wunderbaren Konzerts!

Foto: Sebastian Madej

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