Stefan Bauer - Zwischen Klangforschung, Global Jazz und vibraphonischer Ausdruckskraft

Foto von Stefan Bauer
Stefan Bauer, Foto: Stefan Pieper

Biographie

Der Vibraphonist und Marimbaspieler Stefan Bauer gehört zu den vielseitigsten Klangforschern des europäischen Jazz. Seine Arbeit bewegt sich seit Jahrzehnten zwischen traditioneller Jazzsprache, freier Improvisation, zeitgenössischer Musik und globalen Einflüssen – ein offenes musikalisches Feld, das sich konsequent jeder stilistischen Festlegung entzieht.

Aufgewachsen im Ruhrgebiet, begann Bauer bereits im Kindesalter mit klassischem Klavierunterricht. Als Jugendlicher spielte er in Jazz-Fusion-Bands und entdeckte neben der Posaune schließlich das Vibraphon, das zu seinem zentralen Instrument wurde. Entscheidende Impulse erhielt er durch Begegnungen mit Musikern wie David Friedman sowie durch Studienaufenthalte, unter anderem am Berklee College of Music bei Ed Saindon.

Schon früh entwickelte Bauer eine internationale Perspektive. In den 1980er Jahren arbeitete er mit Musikerinnen und Musikern wie Christof Lauer, Theo Jörgensmann, Uli Beckerhoff oder dem Vienna Art Orchestra und war Teil zahlreicher Projekte zwischen Jazz, Neuer Musik und experimentellen Formen. Mit dem Ensemble „Drümmele Maa“ sowie späteren Kooperationen mit dem südindischen Perkussionisten Ramesh Shotham entstand eine intensive Auseinandersetzung mit außereuropäischen Rhythmus- und Klangkonzepten. Tourneen führten ihn unter anderem durch Afrika, Europa und Asien.

Von 1990 bis 2001 lebte Bauer in Kanada, wo er mit Musiker*innen wie Bernie Senensky, Jim Vivian oder Barry Romberg arbeitete. In dieser Zeit entstanden zentrale Aufnahmen wie Coast to Coast (mit Kenny Wheeler) sowie Best of Two Worlds, das für einen Juno Award nominiert wurde. Auch Projekte im Spannungsfeld von Jazz und Weltmusik – etwa mit seiner Gruppe Lingo – prägten diese Phase.

Mit seinem Umzug nach New York Anfang der 2000er Jahre erweiterte Bauer sein Netzwerk weiter und entwickelte eine noch stärker transkulturell geprägte musikalische Sprache. Seine Kompositionen verbinden die Offenheit des Jazz mit Einflüssen aus Klassik und globalen Musiktraditionen. Besonders deutlich wird dies in seinem Ensemble Voyage, das Musikerinnen und Musiker aus Europa, Nordamerika und dem Nahen Osten zusammenführt und einen vielschichtigen, oft kammermusikalisch geprägten Sound entwickelt.

Neben seinen eigenen Projekten ist Bauer ein gefragter Partner für unterschiedlichste Konstellationen – von Duo-Formaten bis zu größeren Ensembles. Kooperationen mit Künstlern wie Kenny Wheeler, Mick Goodrick, Adam Nussbaum oder Norma Winstone spiegeln ebenso seine Vielseitigkeit wie seine kontinuierliche Präsenz auf internationalen Festivals und Bühnen von Europa über Nordamerika bis Afrika.

In den letzten Jahren setzte Bauer seine Arbeit konsequent fort: mit Projekten wie dem Relative Motion Trio, dem Ensemble Soniq oder neuen Formationen zwischen Jazz, Elektronik und improvisierter Musik. Gleichzeitig blieb er als Pädagoge aktiv – mit Lehrtätigkeiten in Deutschland, Kanada und den USA sowie internationalen Masterclasses für Vibraphon und improvisierte Musik.

Stefan Bauer steht für einen Jazzbegriff, der nicht an Grenzen gebunden ist, sondern als offener Raum verstanden wird – geprägt von Bewegung, Begegnung und der Suche nach immer neuen klanglichen Möglichkeiten.

Diskographie:

  • tête-à-tête, Jazzhaus 2022
  • Organic Earfood, JazzSick 2022
  • Relative Motion, Self Release  2022
  • Voyage West, Dot Time Records 2020
  • Geographia, Jazzhaus 2013
  • Voyage, Jazzhaus 2008
  • Lingo, Jazzhaus 2001
  • Summer’s Embrace, Joint Adventure 1999
  • Coast to Coast, Igmod 1997
  • Silent Witness, Page Music 1997
  • Best of Two Worlds, Jazzline 1997
  • Coming Home

Links

Stefan Bauer Internetseite:
https://stefanbauer.net/

Einen Kommentar schreiben

Was ist die Summe aus 5 und 6?