Im Dialog der Sinne – Stefanie Schlesinger & Wolfgang Lackerschmid im Gespräch

Foto von Stefanie Schlesinger und Wolfgang Lackerschmid
Stefanie Schlesinger und Wolfgang Lackerschmid, Foto: Christian Hartmann

Der international renommierte Vibraphonist, Komponist und Arrangeur Wolfgang Lackerschmid und die Sopranistin Stefanie Schlesinger bilden seit vielen Jahren ein eingespieltes musikalisches Duo. Gemeinsam stehen sie regelmäßig auf der Bühne und begeistern mit ihren Konzerten ein breites Publikum. Anlässlich der Veröffentlichung ihres neuen gemeinsamen Albums "Sharing Secrets" am 25. April haben wir die beiden Künstler zum Gespräch eingeladen.

jazz-fun.de:
Dieses Album war „schon lange überfällig“. Was hat letztendlich den Ausschlag gegeben, es jetzt zu realisieren?

Stefanie Schlesinger:
Ganz klar die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Dot Time Records. Dort wurden in den letzten Jahren einige der Aufnahmen Wolfgangs mit Chet Baker in der „legends“ Reihe re-released. Nach einem aktuellen Album „Summer Changes“ wollte Jo Bickhardt auch eine Produktion mit unserem Duo veröffentlichen. Dieses Angebot haben wir gerne angenommen, zumal wir wirklich schon lange mit dem Gedanken gespielt haben, aber es bisher nicht zur Umsetzung kam.

Wolfgang Lackerschmid:
Es war für uns ein willkommener Anlass die große Bandbreite, die unser Duo live auf die Bühne bringt, mit einer audiophilen Studioaufnahme zu präsentieren.

jazz-fun.de:
Ihr habt 14 Stücke aus einem großen Repertoire ausgewählt. Welche Kriterien waren entscheidend für die Songauswahl?

Stefanie Schlesinger:
In den letzten Jahren hat sich viel Repertoire angesammelt und wir haben mindestens dreimal so viele Songs genommen. Am Ende wurde es eine Mischung aus all-time-favorites und Songs, die uns aktuell sehr berühren.

Foto von Stefanie Schlesinger und Wolfgang Lackerschmid
Stefanie Schlesinger und Wolfgang Lackerschmid, Foto: Christian Hartmann

jazz-fun.de:
Gab es besondere Herausforderungen oder Überraschungen bei der Produktion des Albums?

Stefanie Schlesinger:
Es ist bei jedem unserer Alben herausfordernd, eine Musik aufzunehmen, die eigentlich davon lebt, immer wieder neu entstehen zu dürfen. Eine spezielle Überraschung war, dass wir mit dem Karussell einen deutschen Text auf dem Album haben. Für die beiden Gedichtvertonungen (Brecht, Marie A. / Rilke, Karussell) wollten wir eigentlich englische Übersetzung verwenden. Als wir Jo von Dot Time die jeweiligen Fassungen vorgestellt haben, entschied er aber, den Rilke im Original zu belassen.

jazz-fun.de:
Ihr Zusammenspiel wirkt sehr feinfühlig und harmonisch. Wie gelingt es Euch, als Duo eine solch enge musikalische Verbindung herzustellen?

Stefanie Schlesinger:
Das ist schwer im Worte zu fassen. Wir sind zum einen sehr gut über Jahre aufeinander eingespielt. Und wir haben ein sehr ähnliches Verständnis davon, wie wir Musik erleben und umsetzen wollen. Jeder Song ist ein kleines Universum von Rhythmus, Harmonie, Melodie, Inhalt, Stimmung etc… wir tauchen darin ein und erwecken ihn zum Leben.

Wolfgang Lackerschmid:
Gerade in den rhythmisch freien Passagen fasziniert mich immer wieder, wie wir gemeinsam atmen und die Spannungsbögen zusammen auf den Punkt bringen.

jazz-fun.de:
Das Album vereint viele Einflüsse – von Klassik bis Blues. Wie habt Ihr diese verschiedenen Stilrichtungen in einem einheitlichen Klangbild zusammengeführt?

Wolfgang Lackerschmid:
Wir haben natürlich schon alleine durch die besondere Besetzung eine bestimmte Klangästhetik entwickelt. Entsprechend setzen wir aus dem reichhaltigen Schatz der Musik einfach auf unsere Weise um, was uns anspricht und inspiriert. Es ist immer ein gewisser Entwicklungsprozess dabei, in der Reduktion auf Stimme und Vibraphon, eine wirkungsvolle und dem Stück gerechte Umsetzung zu finden.

jazz-fun.de:
Wolfgang, Dein Vibraphon-Spiel wird als besonders subtil und nuanciert beschrieben. Wie hast Du den Klang gezielt an Stefanies Gesang angepasst?  

Wolfgang Lackerschmid:
Am Vibraphon geht es besonders um die Essenz der Werke, da wird Melodie, Harmonie und Rhythmus so gestalten, dass man all die Elemente spürt, auch wenn sie gerade nur angedeutet oder offen gelassen sind. Die Brücke sind dann Nebenmelodien, die spontan entstehen wenn ich höre wie Stefanie die Liedtexte zum Wirken bringt und wie sie die Melodien interpretiert.

jazz-fun.de:
Stefanie, Dein Gesang wird für seine lyrische Präzision und emotionale Tiefe gelobt. Wie beeinflusst Deine klassische Ausbildung Ihre Interpretation von Jazz-Stücken?

Stefanie Schlesinger:
Ich bin dankbar, diesen Weg gegangen zu sein. Für die Interpretation im Jazz ist der Zugang zur Stimme bzw. zur Musik an sich aber ein andere für mich, wie z.b die Freiheit in der Textphrasierung, in der individuellen Klanggestaltung oder durch die Improvisation.
Wie man an der Songsauswahl sieht, fasziniert mich das klassische Repertoire aber immer noch.

jazz-fun.de:
Es heißt, dass das Album eine „Botschaft“ an die Zuhörer sendet. Welche Emotionen oder Gedanken möchtet Ihr mit Ihrer Musik vermitteln?

Wolfgang Lackerschmid:
Zunächst einmal geht es darum in diesem intimen Rahmen die Musik ganz direkt wirken zu lassen. Dabei nehmen wir uns aber nichts Bestimmtes vor außer einfach ehrlich zu singen und zu spielen was wir beim jeweiligen Stück empfinden.

jazz-fun.de:
Gibt es einen Song auf dem Album, der für Euch beide eine besondere persönliche Bedeutung hat? Warum?

Stefanie Schlesinger:
Auf diesem Album hat im Grunde jeder der Songs ein persönliche Bedeutung. Wahrscheinlich sind uns die eigenen Komposition etwas näher, als die Standards und Arien. Aber einen Song, der uns nichts bedeutet,  würden wir nicht spielen wollen.

jazz-fun.de:
Ihr habt bekannte Werke neu interpretiert. Wie findet Ihr die Balance zwischen Tradition und Innovation in Euerer Musik?

Stefanie Schlesinger:
Wir spielen die Werke so, wie wir sie empfinden, mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. Teilweise auch mit großer Freude sehr bewusst traditionell, aber dann auch wieder komplett gegensätzlich.

jazz-fun.de:
Ihr arbeitet seit vielen Jahren zusammen. Wie hat sich Euere musikalische Partnerschaft über die Zeit entwickelt?

Wolfgang Lackerschmid:
Wir haben im Laufe der Zeit und der zahlreichen Auftritte immer mehr gespürt, wie intensiv und auch vielseitig unser Duo wirkt, für das Publikum und für uns. Entsprechend schöpfen wir aus allem, was uns musikalisch bewegt, mit einem, über die Jahre gewachsenen Vertrauen, dass wir zu zweit eine individuelle Musik geschaffen haben, die uns bei jedem Auftritt von Neuem inspiriert. Wir überraschen uns jedes mal wieder, egal ob’s etwas zum Lachen gibt oder wir tief berührt staunen, was nun wieder entstanden ist.

jazz-fun.de:
Gibt es weitere gemeinsame Projekte, auf die sich Euere Fans freuen können?

Stefanie Schlesinger:
Natürlich freuen wir uns darauf möglichst viele Konzerte im Duo zu geben. Wir machen aber auch immer wieder neue Projekte mit anderen Besetzungen. Im September sind wir mit der Bassisten Gina Schwarz unterwegs. Zu Wolfgangs 70. wird es eine Jubiläums-Tour mit unterschiedlichen Gästen geben.

Aktuelles Album:
Stefanie Schlesinger / Wolfgang Lackerschmid - Sharing Secrets kann hier bereits vorbestellt werden.

Das Gespräch führte Jacek Brun
Foto: Christian Hartmann

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