Steve Gadd, Eddie Gomez, Ronnie Cuber, WDR Big Band - Center Stage

Steve Gadd, Eddie Gomez, Ronnie Cuber, WDR Big Band - Center Stage

Steve Gadd, Eddie Gomez, Ronnie Cuber, WDR Big Band
Center Stage

Erscheinungstermin: 23.09.2022
Label: Leopard, 2022

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Steve Gadd - drums
Eddie Gomez - bass
Ronnie Cuber - bari sax

Bruno Müller - guitar
Bobby Sparks II - Hammond B3 on 2, 3, 6, 8 & 9, Rhodes on 4
Simon Oslender - piano on 1 & 7, Hammond B3 on 5

Michael Abene - conductor/arranger

WDR Big Band
Andy Haderer - tp
Wim Both - tp
Rob Bruynen - tp
Ruud Breuls - tp

Ludwig Nuss - tb
Raphael Klemm - tb
Andy Hunter - tb
Mattis Cederberg - btb

Karolina Strassmayer - as
Johan Hörlén - as
Malte Dürrschnabel - ts
Paul Heller - ts
Jens Neufang - bs

Zum ersten Mal seit langer Zeit kommt Super Drummer Steve Gadd mit seinen Freunden aus der „Gadd Gang“ Zeit, Eddie Gomez und Ronnie Cuber zu einer Produktion mit der WDR Big Band, zusammen. Unter der Leitung von Michael Abene ensteht ein traumhaft groovendes Album, in deren Mittelpunkt Steve Gadd und seine Freunde stehen.

Die Kooperation von Steves Gadd Gang mit der WDR Big Band lag seit langem in der Luft.

Schon 2011 stand eine mögliche Zusammenarbeit mit dem ARD-Klangkörper unter der Leitung von Michael Abene (von 2004 bis 2014 Chefdirigent des Orchesters) im Raum. „Ich mag und schätze Michael sehr“, erklärte Gadd, „seine Arrangements und sein Klavierspiel. Wir haben schon früh einige Aufnahmen und Projekte in New York gemacht und ich würde gern mehr mit ihm realisieren. Es ist einfach eine Frage, wie man terminlich zusammenkommt – und das ist nicht so einfach. Aber ich denke, irgendwann wird es klappen.“

Im Januar / Februar 2022 war es dann soweit. So fanden die Aufnahmen für Center Stage im WDR statt, im Studio der Big Band. Ein Ambiente, das ihm vertrauter ist wie kaum einem anderen. Steve Gadd gilt als d e r Studio-Schlagzeuger schlechthin, seit Mitte der 70er Jahre hat er unzählige Alben eines who is who der Pop- und Jazz-Geschichte mit seinem so ungemein präzisen Spiel und einzigartigem Groove veredelt.

Diese Projekt ist auch für Michael Abene die Realisierung eines lang gehegten Wunsches – und eines lang ersehnten Wiedersehens mit alten Kollegen und Freunden: „Ich hatte schon vor ein paar Jahren mehrfach mit Steve darüber gesprochen. Und er hatte sofort Lust darauf. Aber wir kamen erst einmal nicht zusammen. Zum Glück kenne ich den Produzenten Joachim Becker, auch mit ihm war ich seit längerem in Kontakt mit dieser Idee im Kopf. Das Problem ist natürlich, einen gemeinsamen Termin zu finden, wenn du jemanden wie Steve Gadd haben willst, musst du Geduld haben. Aber zu guter Letzt hat es wunderbar geklappt. Und es war toll, die Jungs nach langer Zeit wiederzusehen. Ronnie Cuber, Eddie Gomez und ich waren 1959 Mitglieder der Newport Youth Band beim Newport Jazz Festival. Wir waren alle noch Teenager. Eddie habe ich schon als Vierzehnjährigen kennengelernt – und schon damals war er sehr gut, Ronnie auch. Da gibt es also eine lange gemeinsame Geschichte mit uns.“

Nebenbei: Der Auftritt der Newport Youth Band beim Newport Jazz Festival 1959 mit Abene, Cuber und Gomez erschien damals auch auf LP (Coral CRL 57306).

Für Michael Abene war Center Stage auch eine Reunion mit der Big Band, die er zehn Jahre als Chefdirigent geleitet hatte: „Oh, ich liebe es! Es ist, als ob all meine Cousins, meine Neffen, meine Schwestern und Brüder hier sind!“ (lacht).

Baritonsaxophonist Ronnie Cuber und Bassist Eddie Gomez reisten nach Köln als langjährige Mitglieder der Gadd Gang an – einer der Mitte der 80er gegründeten Formation und Steves erster Band unter eigenem Namen. Zur Gruppe gehörten zudem der Gitarrist Cornell Dupree und der Pianist und Keyboarder Richard Tee, Beide inzwischen verstorben.

Dupree, Tee und Gadd waren auch Teil der Vorgänger-Band der Gadd Gang, von Stuff: mit ihrem infektiösen Mix aus Funk, Soul und R&B ein Garant für finger snappin‘ und foot tappin‘ und das, was man eine wahre „live band“ bezeichnet. Steve erinnert sich an eine wunderbare Zeit: „Der Schlagzeuger Chris Parker, mit dem ich mir die Jobs teilte, Bassist Gordon Edwards, Richard Tee, Cornell Dupree und der Gitarrist Eric Gale – das waren meine Helden, als ich von Rochester nach New York kam. So toll es auch war, bereits in den 70ern die komplexe Musik Chick Coreas zu spielen - aber am anderen Ende des Spektrums gab es da die viel einfachere Musik von Stuff. Mit diesen Jungs auszuhängen und mit ihnen zu spielen – das war einfach nur Spaß! Wir sind eine Zeitlang im New Yorker Club Mikell’s regelmäßig aufgetreten, jeden Abend. Und das schweißte uns zu einer absoluten Einheit zusammen.“

Die Gadd Gang trat das Erbe an und setzte das fort, was Steve bei Stuff zu schätzen gelernt hatte: „Keep it simple and have fun!“. Und auch Titel aus dem Repertoire von Stuff übernahm die Gang – Stevie Wonders "Signed, Sealed, Delivered“ oder Bob Dylans „Watching the River Flow“. „Wenn wir sie früher mit E-Bass gespielt haben, später aber mit einem Kontrabass, sind es zwar immer noch die gleichen Stücke, aber sie klingen anders. Ein ganz anderes Feeling. Und das mag ich.”

Eddie Gomez: „Mir gefiel schon immer die Idee, dass ein Bass in jede musikalische Situation hineinpasst. Im Falle von Steve´s Gadd Gang hatte ich die Gelegenheit, einmal Rhythm’n’Blues mit Kontrabass zu spielen. Ich erinnere mich noch, dass, als ich vor vielen Jahren mit Jeremy Steig in der bluesigen Jazz-Rock-Band Jeremy & The Satyrs spielte, alle sagten, der Kontrabass würde da nicht reinpassen und sei nicht laut genug. Aber es gibt genügend Möglichkeiten, das hinzubekommen - und das war die Herausforderung für mich.“

Auch Klassiker aus dem Repertoire der Gadd Gang finden sich auf Center Stage: „I Can’t Turn You Loose“, „Che Ore So'“, „Them Changes“, „Way Back home“, „Lucky 13“, „Honky Tonk/I Can’t Stop Loving You“ und „My Little Brother“.

Gomez und Gadd sind als Rhythmusgruppe ein eingespieltes Team – nicht erst seit der Gadd Gang. Schon 1978 arbeiten sie etwa auf Coreas Album Friends zusammen, 1981 auf dessen LP Three Quartets (mit Mike Brecker). Auch für Center Stage bilden die Beiden ein mehr als nur zuverlässiges Fundament. Michael Abene: „Eddie und Steve haben in so vielen unterschiedlichen Situationen kooperiert. Wenn sie gemeinsam die time spielen, braucht man sich keine Sorgen machen. Spätestens am zweiten Tag wusste die Big Band, wie sie mit Steve und Eddie zu spielen hatte – und umgekehrt.“

Und das dritte Gang-Mitglied Ronnie Cuber ist nicht minder ein Garant für Powerplay und Groove: ein in Soul-Jazz, Hardbop, Blues, Funk und Latin versierter Baritonsaxophonist, der sich in den 70ern in die Creme der New Yorker Studio-Szene spielte. „Ich gehörte damals zu den Top-Session-Musikern, mit Leuten wie Randy Brecker, Mike Brecker, Richard Tee und Steve Gadd. Und es gab viel Arbeit für uns. Ich spielte parallel auch in festen Gruppen, mit Eddie Palmieris Latin-Band und mit King Curtis.“ Cuber ist ein altgedienter Profi, mit allen Wassern gewaschenen, unzähligen Combo- und auch Big-Band-Erfahrungen und einem röhrenden Sound, den man schon nach ein, zwei Sekunden als den seinigen erkennt.

Hier die Erfahrung der Gadd Gang und seiner Mitglieder, dort die eines der weltweit renommiertesten Jazz-Orchester, der WDR Big Band. Sie zu einem in sich stimmigen Ganzen zusammenzuführen, mag nur auf dem Papier ein Leichtes sein. Zwei Klangkörper nicht als zwei getrennte Einheiten wirken zu lassen, sondern sie miteinander zu verschmelzen, bedurfte der Erfahrung eines weiteren Mannes, der von Michael Abene: „Ich habe Vergleichbares schon einmal in einem Projekt mit Maceo Parker getan. Und genau diese Concerto-Grosso-ähnliche Situation war das Interessante daran. Die Musiker kannte ich ohnehin sehr gut, aber es ging darum, beim Arrangieren einen Weg zu finden, um ihnen ‚aus dem Weg zu gehen‘, will sagen, nicht mit der Gadd Gang ins Gehege zu kommen, und gleichzeitig die Big Band etwas beisteuern zu lassen, das in seiner Gesamtheit gut klingt. Zu wissen, wie und was man in dieser und für diese Situation schreibt, ist das Eine. Dann geht es aber auch darum, einen Groove zu kreieren, der sich nicht nur auf die Rhythmusgruppe beschränkt, die Big Band muss die time von Steve und Eddie aufgreifen. Das funktionieren zu sehen, hat einfach Spaß gemacht. Ich realisiere lieber Projekte wie diese als manch ‚mittelmäßiges‘ Jazz-Projekt, wie immer man es auch nennen will. Ganz ehrlich, wenn wir für dieses Projekt nicht die richtigen Leute gefunden hätten, hätte das schrecklich ausgehen können!“

Und sie haben sie gefunden. Michael Abene: „Bobby Sparks spielte Orgel und ein wenig Piano, exzellent! Dann kam noch – ebenfalls auf Orgel und Piano - Simon Oslender hinzu, ein wunderbarer, junger Musiker – und ein sehr guter Groove-Spieler! Das gilt auch für den tollen Gitarristen Bruno Müller! Ich kenne Steve: Wenn er sagt, er sei besonders glücklich über die Gastmusiker, dann meint er es auch. Denn in diese Position hineinzuschlüpfen, ist alles andere als leicht: Wir alle denken bei diesem Projekt sofort an Richard Tee und Cornell Dupree…! Das war für Bobby, Simon und Bruno eine Riesenherausforderung, es hätte auch desaströs enden können!“ (lacht).

Steve Gadd: „Sie klangen klasse! Und sie sind gute Typen, du konntest spüren und hören, dass sie dabei sein wollten. Es ist einfach schön, mit Leuten zu spielen, die dir das in jedem Moment signalisieren. Und ich denke, der Big Band geht es da nicht anders, sie lieben und schätzen, was sie tun. Sehr professionell. Ich würde gern mit ihnen mal live auftreten!“

Center Stage ist ein idealtypisches Gadd-Album, eben keine jener bisweilen so gefürchteten Schlagzeuger-Produktionen, die nicht mehr als virtuos inszenierte Ego-Trips sind. „Steve“, so Abene, „ist in erster Linie Musiker, ein Musiker, der Schlagzeug spielt - und das sehr musikalisch. Mit einer großartigen Technik, die er aber eben nur dann einsetzt, wenn sie gebraucht wird. Keine auf Show angelegten Soli, ein absolut Band-dienlicher Spieler, der vor allem für Groove sorgt. Bei ihm geht es niemals um ihn, sondern um die Musik.“

„Groove ist mir sehr wichtig. Darum geht es.“ Steves Credo. „Aber das ist nicht nur meine Aufgabe, sondern ein Anliegen aller Beteiligten. Eine Aufgabe für die gesamte Band. Und es geht darum, Spaß zu haben! Verlier dich nicht zu sehr in deinem eigenen Ding, in dir selbst, denn dann läufst du Gefahr, das Kommunizieren zu vergessen! Darum geht es, dafür sind wir hier, um ihnen etwas zu geben, die Hörer daran teilhaben zu lassen, damit sie sich genauso gut fühlen. Wenn du diese Energie mit ihnen teilen kannst, wird’s schön. Es macht das Leben einfacher!“

Michael Abene bringt auf den Punkt, was Center Stage nicht nur für alle Beteiligten war und ist: „Großartige Musik, Spaß-Musik! Oder in Steves Worten: ‚Groove-Musik‘!“

Text: Leopard

jazz-fun.de meint:
Gadd hat in seiner Karriere an einer Rekordzahl von Aufnahmesessions teilgenommen, und in dieser Hinsicht kann er sich wohl mit dem Kontrabassisten Ron Carter vergleichen. Vom ersten Takt an spürt man die unbestechliche und flexible Führung seiner Rhythmusmaschine. Das hervorragende Spiel der wie immer exzellenten WDR Big Band, die treffsicheren Basslinien von Eddie Gomez und das wie immer grandiose Spiel von Ronnie Cuber machen dieses Album zu einem "must have" für alle Jazzliebhaber.

  1. Signed, Sealed, Delivered
  2. Watching The River Flow
  3. I Can't Turn You Loose
  4. Che Ore So
  5. Them Changes
  6. Way Back Home
  7. Lucky 13
  8. Honky Tonk / I Can't Stop Loving You
  9. My Little Brother

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