Taranczewski - Lom

Taranczewski - Lom  - Albumcover
Taranczewski - Lom

Taranczewski
Lom

Erscheinungstermin: 24.05.2024
Label: Hey!blau Records, 2024

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jazz-fun`s recap:

Dieses Album ist ein gelehrtes, gedämpftes und poetisches Werk. Moderner Jazz mit guten melodischen Themen und lyrischen Soloparts. "Lom" ist auf jeden Fall ein solides Album, das die reiche Sprache des zeitgenössischen Jazz spricht, gekonnt mit Emotionen umgeht und intelligent ist. (Jacek Brun, 24.05.2024)

Olaf Taranczewski, piano
Jean-Philippe Wadle - bass
Paul Benedikt Stehle - drums

Ein Album ist immer ein Album! Es kennt kein Davor und kein Danach, es steht nur für sich selbst. Aber ist das wirklich immer so? LOM, das zweite Album des Taranczewski Trios, bestehend aus dem Pianisten Olaf Taranczewski, dem Bassisten Jean-Philippe Wadle und dem Schlagzeuger Benedikt Stehle, steht in direkter Beziehung zu seinem bemerkenswerten Vorgänger „When I Was“. Denn LOM ist in jeder Hinsicht die Antithese zu „When I Was“, konzeptionell, spielerisch, atmosphärisch und klanglich. Und doch relativiert das Trio sein Debüt in keiner Weise, sondern - im Gegenteil - bleibt mit seiner Handschrift absolut erkennbar und rundet sein Spektrum eindrucksvoll ab.

Lom ist ein Ort in Norwegen, der Taranczewski, Wadle und Stehle zu einer Klangreise inspiriert hat. Ging es auf When I Was" vor allem um Identität, Spurensuche, Verortung und nicht zuletzt um Geschichten, so zieht es das Trio auf der neuen Platte sehr präsent in die Weite. LOM ist eine Sammlung von Zustandsbeschreibungen, deren Nähe zum skandinavischen Jazz unüberhörbar ist. Olaf Taranczewski hat selbst einige Zeit in Schweden gelebt und ist mit der Musik von Esbjörn Svensson, dem ein Song auf dem Album gewidmet ist, und dem Wegbereiter des schwedischen Jazz, Jan Johansson, bestens vertraut. Ein wesentlicher Einfluss für die neuen Stücke ist die Natur der nördlichen Weiten. Im Gegensatz zum ersten Album sind die Stücke von Anfang an im Trio entstanden. „Auf ‚When I Was‘ habe ich auf Material zurückgegriffen, das über die Jahre in ganz unterschiedlichen Kontexten entstanden ist“, sagt der Pianist. „Diesmal habe ich Stücke komponiert, bei denen ich von Anfang an das Trio im Kopf hatte. Dadurch war von Anfang an viel klarer, wie das Album klingen würde. Ich musste nicht alles bis ins kleinste Detail ausformulieren, sondern konnte mich darauf verlassen, dass sich aus der Zusammenarbeit mit Jean-Philippe und Benedikt etwas entwickeln würde. Es gab keinen Zweifel, dass genügend Ideen von den beiden kommen würden.

Ein zentrales Moment in Taranczewskis Musik ist die Sehnsucht. Konzentrierte sich diese ungestillte Sehnsucht auf „When I Was“ noch auf die Vergangenheit, so richtet sie sich diesmal auf eine Vollendung in der Ferne. So entstehen Klangbilder von hypnotischer Intensität, die uns teilhaben lassen an der unerschütterlichen Langsamkeit universeller Weltläufe. Die drei Landschaftsmaler haben keine Eile, ihre Bilder entstehen und vergehen zu lassen. Hinter jedem Farbton verbirgt sich ein ganzer Kosmos, der das Tor zur Unendlichkeit öffnet. Die Strahlkraft ihres Schaffens beruht auf einer kreativen Kernfusion innerhalb der Band. Während auf dem Debütalbum die Positionen von Piano, Bass und Schlagzeug in jedem Song neu definiert wurden, verschmelzen die drei Instrumente auf LOM zu einem einzigen Multi-Piano, bestehend aus Piano, Bass und Schlagzeug. „Wir brauchten viel weniger Arrangements und alles war viel intuitiver als auf dem ersten Album“, bestätigt Jean-Philippe Wadle. „Wir haben kaum diskutiert oder viele Takes aufgenommen. Die Musik steht viel mehr für sich. Deshalb fiel es uns auch viel leichter, der Musik Raum zu geben. Auch wenn nur wenige Töne im Raum waren, haben wir immer die Energie gespürt, die von der Musik ausging.

Dieser Ort ist spürbar. Der Raum spielt immer mit, und oft scheint es, als würde die Stille die drei Klangkünstler als kreative Partner zum Quartett ergänzen. Taranczewski, Wadle und Stehle erweisen sich als versierte Meister des Weglassens. Grenzenlose Imaginationsräume öffnen sich, so dass nicht nur jeder tatsächlich gespielte Ton mit Bedeutung aufgeladen wird, sondern der Hörer unweigerlich in den Klangprozess hineingezogen wird. Im Hören scheint sich die Musik aktiv zu verändern. Alle drei Musiker sind ausgewiesene Virtuosen, doch zu keinem Zeitpunkt käme es ihnen in den Sinn, ihre spielerischen Fähigkeiten exhibitionistisch zur Schau zu stellen. Vielmehr empfinden sie ihre gemeinsame Hingabe an jeden einzelnen Ton als kollektive, individuelle Antwort auf die allgegenwärtige Informationsüberflutung. „Wie viel Stille willst du in 15 Sekunden auf TikTok zulassen?“, fragt Olaf Taranczewski mit gespielter Verwunderung. „Dieser Trend ist das absolute Gegenteil von allem, was wir wollen und lieben. Da es immer weniger Musik von unserer Art gibt, müssen wir sie eben selbst machen. Unser Album ist ein Ausdruck der Sehnsucht nach Ruhe und dem Eintauchen in die Musik“. Genau in dieser Ruhe und Sehnsucht liege auch der Bezugspunkt zur Natur, stimmt Benedikt Stehle dem Pianisten zu. „Du kannst nicht einfach 15 Sekunden Natur machen. Diese Ruhe und Weite findet man in der Natur, aber auch in sich selbst.“

LOM ist nicht weniger als eine Utopie. Mit ihrem zweiten Album liefern Taranczewski den Soundtrack zum urbanen Bedürfnis nach Entschleunigung und finden damit weit mehr Gehör, als ein Trio aus Piano, Bass und Schlagzeug vermuten lässt. Im Netz werden sie bereits millionenfach abgespielt. Diesen Erfolg verdankt Taranczewski nicht zuletzt einem Remix des Kölner Lo-Fi-Duos Wieland & Ulrich sowie der EP „The Jazz Trio EP“, auf der das Trio vier Kompositionen des bekannten Trance-DJ-Duos Blank & Jones in ihre eigene introspektive Klangwelt übersetzt. Mit LOM präsentieren sie der Welt nun das Grundlagenwerk einer längst überfälligen Klangphilosophie, deren Tragweite noch gar nicht abzusehen ist.

Text: Hey!blau Records

  1. Sherpa
  2. Spring
  3. All that Land
  4. We have Time
  5. The Spaces between Us
  6. Maurice
  7. Esbjörn
  8. Sunflower Dre
  9. Lom
  10. Darkest Before Dawn

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