Taranczewski - When I was

Taranczewski - When I was

Taranczewski
When I was

Erscheinungstermin: 19.11.2021
Label: FLOAT music, 2021

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Olaf Taranczewski - piano
Jean-Philippe Wadle - bass
Paul Benedikt Stehle - drums

Pianist Olaf Taranczewski kennt Bassist Jean-Philippe Wadle und Drummer Benedikt Stehle seit Jahrzehnten, und doch haben sie in dieser Konstellation noch nie gemeinsam gespielt. Der Pianist ist zwar Komponist und Namensgeber der Band, doch wie man auf dem Debütalbum „When I was“ unschwer hört, handelt es sich bei Taranczewski um ein stabiles Dreieck, dessen Impulse und spielerischen Anteile gleichmäßig und – noch wichtiger – gleichberechtigt verteilt sind. Die drei Musiker verbindet nicht nur in unterschiedlichen Strängen gemeinsames Musikmachen, sondern auch gemeinschaftliches Musikhören. Das sind prägende Erfahrungen, die auf „When I was“ ihre Spuren hinterlassen. Genau genommen erzählen sie sich auf dem Album Geschichten dieses Musikhörens, und der Zuhörer genießt das Privileg, diesen sanften Erzählungen lauschen zu dürfen. „Auch die Stücke selbst sind bis zu 15 Jahre alt“, ergänzt Olaf Taranczewski. „Was die Songs betrifft, ist es gewissermaßen ein ‚Best Of’ meiner Kompositionen der letzten anderthalb Jahrzehnte. Sie fühlten sich jedoch immer unvollendet an. Mit Benedikt und Jean-Philippe sind sie völlig neu entstanden.“

Die Formvollendung der Klassik, die nonchalante Spontaneität von Jazz-Klavier-Trios wie zum Beispiel Bill Evans, die Emotionalität von Americana Music, die verbindliche Nahbarkeit von Fusion Music, das epische Klangverständnis von Filmsoundtracks, die akkumulierte Reduziertheit von Minimal Music, der narrative Erzählfluss von Moritaten, die melancholische Fröhlichkeit von jiddischer Musik, die individuelle Ausdruckskraft von Chansons – all das findet auf „When I was“ zu einer Einheit, die man so noch nicht gehört hat. Gerade weil die drei Musiker keiner bestimmten Szene fest verhaftet sind, können sie alle Luken und Pforten weit öffnen, um einzulassen, was immer zu ihrer Musik Einlass begehrt. Der feste Glaube an die Unerschütterlichkeit des mit 3 multiplizierten eigenen Geschmacks garantiert, dass es zu keinem einzelnen Zeitpunkt beliebig wird.

Im Gegenteil, diese Musik ist, was sie ist. Erklärungen sind überflüssig. Sie wächst aus dem Boden, weht mit dem Wind über die Fluren und regnet vom Himmel. Sie liegt wie Tau auf den Blättern einer Frühlingswiese, raunt wie das Stimmengewirr vor einem nächtlichen Späti, flackert wie die Leuchtreklame in einer Stadt, die zur Ruhe kommen will, aber niemals schläft. Sie dehnt sich aus, zieht sich zusammen, läuft uns voraus, begleitet und verfolgt uns. Sie sucht Nähe und hält Abstand. Nicht selten meinen wir Instrumente zu hören, die gar nicht gespielt werden. Hier eine Klarinette, da eine Geige, dort vielleicht das leise Summen einer menschlichen Stimme. Aus seiner Arbeit für den Film heraus versteht sich Taranczewski aufs Inszenieren von Klängen. „Wir zollen den Harmonien Tribut und nicht irgendwelchen Genres. Die Frage, ob wir etwas dürfen oder nicht, hat sich uns nie gestellt. Die Harmonien haben uns geleitet“, konstatiert Jean-Philippe Wadle. Stimmung und Klang sind wichtiger als technische Perfektion. Statt sich einen wie auch immer definierten kategorischen oder virtuosen Rahmen vorzugeben, liegt der Einspielung die zutiefst menschliche Formel „Nähe + Leichtigkeit = Vertrauen“ zugrunde.

Imaginäre Erinnerung könnte das heimliche Motto dieser Einspielung sein. Haben wir es erlebt, geträumt, oder ist es uns nur erzählt worden? Das zutiefst Persönliche von Taranczewskis Stücken liegt gerade in der kollektiven Spurensuche, die wohl einen Jeden von uns früher oder später packt, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Dieser Umstand, wie auch die große Zeitspanne, in der die Songs entstanden sind, legt das Prädikat „zeitlos“ nahe. Flüchtig betrachtet sind Taranczewskis Stücke tatsächlich extrem zeitlos. Und doch trifft dieser Begriff nur bedingt zu. Denn nicht umsonst haben sowohl die Stücke als auch die Spurensuche des Pianisten exakt bis zum jetzigen Augenblick gewartet, um auf „When I Was“ zu kulminieren. In einer Ära, in der persönliche Biografien und Lebenswege wieder mehr Gewicht gewinnen als Staatsgrenzen, wollen alte Geschichten neu erzählt werden. Aufgrund der zahlreichen Assoziationsebenen trifft die Bezeichnung „immer gültig“ deshalb das Wesen dieser Einspielung weit besser als „zeitlos“.

Flüstern kann oft wesentlich expressiver sein als Schreien. „When I was“ ist ein leises Album. Jedes Detail in dieser Musik entfaltet eine Wucht, die der Lautstärke nicht mehr bedarf, um sich zu manifestieren. Das ist nur möglich, weil Olaf Taranczewski, Jean-Philippe Wadle und Benedikt Stehle individuell und gemeinsam eine derart ausgeprägte Sensibilität, um nicht zu sagen ein Verantwortungsbewusstsein für jeden einzelnen Ton an den Tag legen, dass man selbst dann zuhört, wenn man gar nicht zuzuhören glaubt. Und das ist eine der größten Stärken dieser Platte. Sie gibt uns nicht vor, wie wir sie hören sollen, sondern passt sich auf wundersame Weise jeder Situation an. Diese Songs können unseren Alltag in einen Kammermusiksaal, ein Varieté, eine Eckkneipe oder eine Gartenlaube verwandeln … und passt doch immer. Denn – das hat Olaf Taranczewski genauso verinnerlicht wie seine beiden Kompagnons – Musik ist Leben. Was sonst?

Olaf Taranczewski

Komponist und Pianist Olaf Taranczewski (* 30. November 1977 in Hofheim am Taunus) studierte Jazzklavier an der Musikhochschule Mainz und Jazz-Arrangement an der Hochschule für Musik und Tanz Köln. Seit 2006 lebt er in Berlin.

Er komponierte Musik für die Kino- und TV- Spielfilme „Mi America“ (HBO),„Schweige- minute“ (Moovie/ZDF), „Hier und Dort“ (MDR), sowie seit 2011 regelmäßig für Fernsehsendungen wie „Frontal 21“ und „Satirischer Jahresrückblick“ (ZDF), sowie TV-Dokumentationen.

Für den Score von "Dissonance" (Regie: Till Nowak) erhielt er 2015 gemeinsam mit Co- Komponist Frank Zerban den Deutschen Filmmusikpreis in der Hauptkategorie „Beste Musik im Film“ sowie den Preis für die beste Filmmusik auf dem Festival für animierte Filme in Annecy, Frankreich. 2009 gewann er den Preis für die beste Filmmusik beim Lünen Film Festival für den Dokumentarfilm „Anne Perry – Interiors“.

Mit Visual Artist Phil Max Schöll (Weltraumgrafik/Pfadfinderei) realisierte Olaf Taranczewski die Fassadenprojektion „Hommage Collage“ in Weimar. Er trat auch als Komponist für Theaterproduktionen wie „Der Zerbrochene Krug“ (Theater Magdeburg) und die Operette „Turnadot“ mit dem Musik-Comedy Duo Carrington & Brown in Erscheinung. Für den Oscar-nominierten Komponisten Volker Bertelmann arrangierte er Orchester- und Streichquartettversionen für Auftritte in der Elbphilharmonie und dem Berliner Konzerthaus.

Jean-Philippe Wadle

Bassist Jean-Philippe Wadle (* 19. September 1980 in Pirmasens) gewann in den Jahren 1998 und 2001 den 1. Preis bei Jugend jazzt und studierte zwischen 2002 und 2006 an den Musikhochschulen von Mainz und Köln Kontrabass.

2003 gründete er sein eigenes Bassface Swing Trio, das bis heute besteht. Wadle hat mit Musikern wie Tom Gaebel, Dee Dee Bridgewater, Lalo Schifrin, Tony Lakatos, Axel Schlosser, Ralf Hesse, Scott Hamilton, Manfred Schoof, Ack van Rooyen, Hans Dekker, Bruno Müller, HR BigBand, Wolfgang Haffner, aber auch mit Katja Ebstein, Marshall-Alexander und Tony Marshall gearbeitet und gehört seit 2015 zum Quartett von Emil Mangelsdorff.

Er ist auch auf Alben von Gee Hye Lee, Daniel Stelter, Andreas Gabalier und Eugene Ruffulo zu hören. Touren führten ihn neben zahlreichen Konzerten im europäischen Raum in die USA und nach Südkorea. Jean-Philippe Wadle lebt in Ingelheim am Rhein.

Paul Benedikt Stehle

Schlagzeuger Paul Benedikt Stehle (* 9. Dezember 1984 in Sigmaringen) zog mit 17 Jahren nach Berlin, um professioneller Musiker zu werden. Nach Auditions für das Berklee College of Music und das Los Angeles College of Music erhielt Stehle zwei Stipendien und studierte in den USA.

Nach dem Studium tourte er für zwei Jahre in den USA und Indonesien. Er lebte und arbeitete in dieser Zeit in der New Yorker Musikszene. Unter anderem tourte er in dieser Zeit als fester Schlagzeuger mit Sammy Adams, einem aus Boston stammendem Rapper. 2008 ging Stehle zurück nach Berlin und arbeitete Live, im Studio, und im Fernsehen, unter anderem mit Beth Hart, Mousse T., Barbara Tucker, Dendemann, Emma Lanford, Eugene Hütz (Gogol Bordello), Della Miles, Steve Lillywhite, Mo’ Blow, The Weather Girls, Aly Keïta, Joachim Deutschland und Balbina.

Neben der Tätigkeit als freier Sessionmusiker ist er festes Bandmitglied bei dem Popsänger Alexander Knappe und der rumänischen Balkanband Fanfare Ciocărlia. Mit dieser Gruppe steuerte er 2020 mehrere Titel zum international erfolgreichen Spielfilm „Borat Subsequent Moviefilm“ (Borat 2) von Sacha Baron Cohen bei. Hier ist er nicht nur als Schlagzeuger, sondern auch als Sänger der Balkan-Version des Klassikers „Just the two of us“ im Abspann des Films zu hören.

Text: Hey!blau,

jazz-fun.de meint:
Nicht nur der Pianist verfügt über eine herausragende Jazzkenntnis, die hier zu hören ist. Die Musik ist subtil, von raffinierter Eleganz und gleichzeitig nicht frei von Jazz-Feeling und Natürlichkeit. Das Album ist interessant genug, um den Kenner zu überzeugen, gleichzeitig aber auch so kommunikativ, dass es auch Jazz-Neulingen empfohlen werden kann.

  1. Coco
  2. And Everything Was Calm
  3. The Composer
  4. Gronland
  5. When I was
  6. Ligature
  7. Thing Of Souls
  8. Twenty-One Years
  9. Mysore
  10. Me Time
  11. Take Me Home

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