Rezension des Albums "Raz" von Terrea
Terrea
Raz
Erscheinungstermin: 06.02.2026
Label: Unit Records, 2026
Aus unterschiedlichen Wurzeln wächst manchmal derselbe Klang
Manche Alben leben vom Kontrast. Raz, das Debüt des Wiener Trios Terrea, lebt von der Begegnung. Hier treffen unterschiedliche musikalische Traditionen nicht aufeinander, um ihre Unterschiede zu betonen, sondern um gemeinsam etwas Neues entstehen zu lassen.
Die Kompositionen von Amir Ahmadi verbinden Elemente der persischen Musiksprache mit Einflüssen zeitgenössischer europäischer Musik. Mikrotonale Strukturen bilden dabei das Fundament einer Klangwelt, in der vertraute Hörgewohnheiten erweitert werden, ohne den Hörer auszugrenzen. Statt Gegensätze zu inszenieren, entsteht eine Musik, die beide Welten selbstverständlich miteinander verbindet.
Einen wesentlichen Anteil daran haben Sarvin Hazin, deren Spiel sowohl von der europäischen klassischen Musik als auch von der persischen Dastgah-Tradition geprägt ist, sowie die Cellistin Anna Maria Niemiec, die ihre Erfahrungen aus zeitgenössischer Musik und Improvisation einbringt. Gemeinsam mit dem Claviton entsteht ein Ensembleklang, der akustische und elektronische Elemente auf bemerkenswert natürliche Weise miteinander verschmelzen lässt.
Besonders beeindruckend ist die Geschlossenheit dieses Zusammenspiels. Jeder Klang scheint seinen Platz zu kennen, jede musikalische Idee wird von den anderen aufgegriffen und weiterentwickelt. Die Musiker folgen nicht nur den Kompositionen, sondern gestalten sie gemeinsam weiter. Dadurch entsteht eine außergewöhnliche klangliche Einheit, in der sich individuelle Stimmen zu einem gemeinsamen Ausdruck verbinden.
Die harmonischen Entwicklungen entfalten dabei eine besondere Sogwirkung. Die Musik bewegt sich mit großer Ruhe und Klarheit, öffnet immer neue Klangräume und bewahrt dabei ihre innere Geschlossenheit. Gerade diese Balance zwischen kompositorischer Präzision und klanglicher Offenheit macht den besonderen Reiz des Albums aus.
Raz zeigt eindrucksvoll, dass kulturelle Traditionen nicht in Konkurrenz zueinander stehen müssen. Amir Ahmadi gelingt es, aus unterschiedlichen musikalischen Wurzeln eine eigene, unverwechselbare Klangsprache zu entwickeln. Das Ergebnis ist ein Album von großer Schönheit und Ausdruckskraft, das seinen ganz eigenen musikalischen Kosmos erschafft.
Raz ist ein beeindruckendes Debüt, das neugierig macht auf alles, was von diesem Ensemble noch folgen wird.
(Jacek Brun, 17.07.2026)
Besetzung
Amir Ahmadi: Composer
Sarvin Hazin - Violin
Anna Maria Niemiec - Cello
Amir Ahmadi - Claviton (31-Tone Keyboard)
Titelliste
- Raz I
- Raz II
- Raz III
- Raz IV
- Geflecht
- Ecstasy of Tarab
- Alef
- Sin
- Enharmonic Sky
Unterstützen Sie unabhängigen Jazzjournalismus
Wenn Ihnen unsere Arbeit gefällt, können Sie Teil der jazz-fun.de Community werden.
jazz-fun`s recap:
Einen Kommentar schreiben