Rezension des Jazz-Albums "Le 251e Jour" von The Boss Ensemble
The Boss Ensemble
Le 251e Jour
Erscheinungstermin: 27.02.2026
Label: Neuklang Records, 2025
Wenn Klavier und Cello erzählen
Mit Le 251e jour öffnet das schweizerische Duo The Boss Ensemble einen Raum, in dem sich Jazz und zeitgenössische Kammermusik beinahe unmerklich berühren. Der Pianist und Komponist Julien Boss und die Cellistin Fanny Balestro arbeiten dabei nicht mit klaren stilistischen Grenzen, sondern mit Übergängen – mit leisen Verschiebungen zwischen Struktur und Freiheit, zwischen komponierter Form und improvisierter Intuition.
Das Album wurde 2024 in den renommierten Bauer Studios aufgenommen und markiert einen neuen Abschnitt in der Entwicklung des Duos. Während das Debüt Circuits Hybrides (2019) noch stärker von experimentellen Klangideen geprägt war, wirkt Le 251e jour intimer, konzentrierter und emotional unmittelbarer.
Im Zentrum steht der Dialog zwischen Klavier und Violoncello – zwei Instrumente, die sich hier nicht als Solisten gegenüberstehen, sondern als gleichberechtigte Erzähler. Ihre Stimmen kreisen umeinander, entfernen sich, begegnen sich wieder und entwickeln dabei eine Musik, die eher wächst als entsteht. Man hat das Gefühl, dass diese Stücke weniger komponiert wurden, als vielmehr langsam ans Licht getreten sind.
Die Kompositionen entfalten sich in Schichten. Polyrhythmische Strukturen, fragile Motive und lyrische Linien bilden kleine musikalische Landschaften, die sich Schritt für Schritt öffnen. Jeder Titel wirkt wie ein eigener Mikrokosmos: ein Ort zwischen Wachheit und Traum, zwischen konzentrierter Stille und vorsichtiger Bewegung.
Gerade diese reduzierte Klangsprache verleiht dem Album seine besondere Kraft. Die Musik vermeidet jede demonstrative Geste und gewinnt ihre Intensität aus feinen Nuancen – aus dem Atem zwischen zwei Tönen, aus der Art, wie ein Motiv sich wiederholt und dabei langsam verändert.
Le 251e jour bestätigt damit den eigenständigen künstlerischen Weg des Boss Ensemble. Es ist ein Album, das weniger erzählt als andeutet, weniger erklärt als fühlen lässt – eine poetische Klangwelt, die sich erst im aufmerksamen Hören vollständig entfaltet.
(Jacek Brun, 14.03.2026)
Besetzung
Julien Boss - piano
Fanny Balestro - cello
Titelliste
- Le 251e jour
- Unexpected Blend
- Kithcen Flavours
- Nostalgic Summer
- Impromentum I
- Echo Grid
- Polymorph
- Nordic Pizz
- Fractal Shift
- Take One
- Hammers Again
- Simple Harmony
- Oxim
- Impromentum II
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