Thomas Quendler - Awaking
Thomas Quendler
Awaking
Erscheinungstermin: 29.08.2025
Label: Double Moon Records, 2025
Noch ein Klaviertrio? Ja – aber was für eines! Inmitten der Vielzahl an Veröffentlichungen in dieser klassischen Besetzung hebt sich „Awaking“ deutlich ab. Zum einen, weil es sich um das Debüt eines jungen Pianisten handelt, zum anderen, weil fast alle Stücke Originalkompositionen von Thomas Quendler sind. Und schließlich, weil diese Musik schlichtweg berührt und von einer besonderen Schönheit getragen wird.
Die beiden eingestreuten Standards dienen vor allem als Vergleichsmaßstab und zeigen eindrücklich, auf welchem hohen Niveau Quendler komponiert. Gemeinsam mit Jakob Gonitzer am Bass und Jonas Kocnik am Schlagzeug formt er ein Trio, das durch Empathie, feines gegenseitiges Verständnis und kluge Interaktionen besticht. Die drei geben sich gegenseitig Raum und erreichen eine Tiefe, die man sonst eher von etablierten Größen der älteren Generation kennt.
Die Musik ist reich an überraschenden Wendungen, inspirierten Solopassagen und klaren, melodischen Linien. „Awaking“ beweist, dass kreative Künstler auch innerhalb einer vertrauten Konvention etwas Neues und Schönes erschaffen können. Ein bemerkenswerter Auftakt und ein Versprechen an die Zukunft.
(Jacek Brun, 01.09.2025)
Besetzung
Thomas Quendler - Piano
Jakob Gonitzer - Bass
Jonas Kocnik - Drums
Thomas Quendler – Neue Stimmen im klassischen Klaviertrio-Format
Warum mit einem Jazz-Standard beginnen, wenn es doch eine Reihe eigener Stücke zu entdecken gibt? Wer Thomas Quendlers Version des Duke-Ellington-Gassenhauers „It Don’t Mean a Thing“ hört, versteht schnell, was den Pianisten, Komponisten und Arrangeur aus Graz auf diese Idee gebracht hat. In seiner unkonventionellen, dabei zutiefst respektvollen Fassung kommt viel von dem zusammen, was ihn ausmacht: die Freude an Jazz-Traditionen, ein origineller, ganz eigener Zugang, spieltechnische Klasse, ein hohes Energielevel und die perfekte Verzahnung mit einer exzellenten, gerade auch rhythmisch findigen Gruppe. Das Ellington-Stück eröffnet „Awaking“ mit einem ersten Ausrufezeichen. Dem folgen weitere – zumeist eigene Stücke – von rockig-energetisch über emotional-romantisch bis zur funkensprühenden Straight-ahead-Nummer. Als zweiten Klassiker legt das Trio später noch eine Fassung von „Yatra-Ta” nach, dem furiosen Brasiljazz-Stück von Tania Maria, das ebenfalls eigenwillig gedreht und zeitweise sogar mit einem R&B-Groove versehen ist.
„Ich musste einfach ein, zwei Jazzstandards einbauen”, schreibt Thomas Quendler in den Liner Notes – vor allem als kleine Hommage an all die inspirierenden Vorbilder der Jazzhistorie. Allerdings kam für ihn eine brave, dem Original nahe Interpretation nicht infrage. Für ihn gehört es dazu, im Umgang mit Titeln wie Ellingtons Swing-Hymne „einen eigenen Ansatz zu finden – dem Lied so eine besondere Note zu geben“. Dieser Haltung und dieser Lust am Anderen begegnet man auf „Awaking“ immer wieder. Quendlers Gruppe ist keines der üblichen Piano-Trios klassischer Schule. So sehr sich der gebürtige Kärntner auch mit der Tradition auseinandergesetzt hat, die Einflüsse, die in seinem Spiel und seiner Attitüde zusammenkommen, reichen bis weit in andere Stilbereiche hinein.
Zum Zeitpunkt der Aufnahmen war Thomas Quendler 23 Jahre alt. Es ist das erste Album seines akustischen Trios. Newcomer sind die drei allerdings nicht. Im Gegenteil. Sie bilden beispielsweise seit Längerem den Kern von zwei etablierten Fusion-Bands. Bei Origina1nerd stößt man auf ausgefuchst komplexe Fusion-Formen, während Kernfusion rockiger orientiert ist. In beiden spielt Thomas Quendler überwiegend Keyboards, Jacob Gönitzer in der Regel E-Bass. Drummer Jonas Kočnik zeigt durchweg enorme Flexibilität und Power, er groovet stark und ist präzise.
Ganz am Anfang stand die Band Kernfusion. Sie ging 2017 aus einem Ensemble der Musikschule Wolfsberg hervor. Die Kleinstadt in Kärnten, die auf halbem Weg zwischen Klagenfurt und Graz liegt, ist die Heimat von Quendler und Gönitzer. Kočnik kommt aus dem weiter südlich gelegenen Örtchen St. Michael ob Bleiberg. Als Kernfusion bereits weitere Kreise zog, wurden Gönitzer, Quendler und Kočnik nach und nach Mitglieder von Origina1nerd, der Gruppe des Saxofonisten Max Glanz, die auch Alben produziert hat. Derzeit studieren Gönitzer und Kočnik in Linz im Norden Österreichs, Quendler wiederum in Graz. Kein Problem. Thomas Quendler sagt: „Wir kennen uns schon so lange, wir sind ständig im Austausch. Und wir sehen uns oft, schon durch die Aktivitäten der verschiedenen Bands.“ Diese gewachsene Verbundenheit und die Tatsache, dass sie sich über Jahre Seite an Seite entwickelt haben, kommen nun auch Quendlers Trio zugute. Es entstand anlässlich seines Bachelor-Abschlusses an der renommierten Kunsthochschule Graz. „Da wollte ich vom Sound und vom Vibe her etwas anderes machen als mit den anderen Bands. Aber man hört sicherlich gewisse Parallelen. So ist vieles deutlich stärker arrangiert, als es bei Jazz-Piano-Trios sonst oft der Fall ist.“
Thomas Quendler kam erstaunlich spät zum Klavier. Sein erstes Instrument war die Steirische Harmonika, ein diatonisches Akkordeon mit Knopftastatur. Dieses Instrument spielt eine zentrale Rolle in der Volksmusik der Region. Quendlers Eltern betrieben ein beliebtes Gasthaus im Bereich der Saualpe oberhalb von Wolfsberg. Mit acht Jahren begann er, Ziehharmonika zu lernen, und musizierte zusammen mit seiner Mutter, die früher in Unterhaltungsbands gesungen hatte. „Ich wollte unbedingt ein Instrument lernen. Ich habe das genossen. Das hat mir von klein auf sehr viel Energie gegeben.“ Die Harmonika spielte er auch noch, als er längst das Klavier für sich entdeckt hatte. Über die musikalischen Vorlieben seiner Mutter entdeckte er übrigens Musiker wie Stevie Wonder, der bis heute zu seinen großen Helden zählt.
Die natürlichen Beschränkungen des diatonischen Instruments führten ihn schließlich zum Klavier. Zunächst spielte er auf dem Klavier seines Cousins. Er lernte nach Gehör und mithilfe von Online-Videos. Mit 13 bekam er klassischen Unterricht an der Musikschule und mit 15 lernte er Jazz-Piano, was einen Durchbruch für seine weitere Entwicklung bedeutete. Binnen kürzester Zeit offenbarte sich sein herausragendes musikalisches Talent. Parallel zur regulären Schule absolvierte er ein Vorstudium in Klagenfurt. Das Wolfsberger Musikschulensemble spielte zunächst Jazz-Standards. Dann entdeckten Quendler und seine Mitstreiter die große Jazzrock-/Fusion-Tradition: Joe Zawinul, Herbie Hancocks Headhunters, Chick Coreas Elektric Band. In jenen Jahren lernte Quendler außerdem Oscar Peterson, Bill Evans, Wynton Kelly, Brad Mehldau und Shai Maestro schätzen.
Mit dem „Awaking“-Trio hat der famose Pianist nun ein weiteres Ensemble ins Leben gerufen. Dabei betont er immer wieder, wie wichtig die Zusammenarbeit mit seinen Weggefährten ist. Musik ist für ihn keine Spielwiese für Egos, sondern eine Herzensangelegenheit. Seinen Master wird er in Wien machen, ohne die Basis in Graz aufzugeben. Im Frühjahr 2025 gewann er das Ö1-Jazzstipendium des Österreichischen Rundfunks, das eine weitere Albumproduktion ermöglichen wird. „Awaking“ ist ein gewaltiger Schritt auf einem vielversprechenden Weg.
Titelliste
- It don t mean a thing
- Madness
- Flow
- Racso
- Horizon
- Yatra-ta
- Awaking
- Myosotis
jazz-fun`s recap:
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