Torgeir Vassvik - VASSVIK SOLO - A Place Behind The Gardens Of The Houses.Baiki

Torgeir Vassvik - VASSVIK SOLO - A Place Behind The Gardens Of The Houses.Baiki

Torgeir Vassvik
VASSVIK SOLO - A Place Behind The Gardens Of The Houses.Baiki

Erscheinungstermin: 18.11.2022
Label: OKWorld, 2022

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VASSVIK SOLO – A Place Behind The Gardens Of The Houses. BÁIKI ist das dritte Soloalbum des Sámi-Musikers Torgeir Vassvik, aber das erste, das er zum großen Teil selbst aufgenommen, gemischt und produziert hat. Neben Vassviks progressiven Joiks spielt der Multi-Instrumentalist darauf mehr als fünfzehn Instrumente, von Igil und Birbyné, über Mandoline, Gitarre und Gong bis zu Rahmentrommel und Elektronik.

Das Album wurde am 18.11.2022 bei OKWorld, ein Unterlabel von Bugge Wesseltofts Jazzland Recordings veröffentlicht, das sich zum Ziel setzt, alte Klänge und Rhythmen mit modernen und experimentellen Einflüssen zu veröffentlichen. Als der Pianist und Labelchef die ersten Stücke vom Album hörte, war er so begeistert, dass er es unbedingt herausbringen wollte.

Die Ideen zu den Stücken kamen Torgeir Vassvik an vielen Orten, darunter auch in seiner Heimat am nördlichsten Punkt Kontinentaleuropas, wo auch das Coverphoto des Albums entstanden ist. Es zeigt ein Labyrinth, das von manchen Einheimischen als „das russische Spiel“ bezeichnet wird, für die Sámi aber ist es ein sehr alter, rituell genutzter Ort – und für Torgeir Vassvik ein wichtiger Ort zur inneren Einkehr. Durch das Labyrinth zieht sich, unbeeindruckt von den durch Menschen geschaffenen Strukturen, eine von Rentieren geebnete Schneise.

In diesem Bild kommen drei Elemente zusammen, die Torgeir Vassviks Musik stark beeinflussen: die atemberaubende Kraft der Natur, die indigene Sámi-Kultur und ihre beständige Überschreitung künstlicher Länder- wie auch Genre-Grenzen. Die Sámi sind die Urbevölkerung im Norden Europas und leben in Norwegen, Schweden, Finnland und auf der russischen Halbinsel Kola. Ihre traditionellen Wege halten sich nicht an Grenzpfähle, die in der Geschichte zwischen den Ländern immer wieder hin- und her verschoben wurden. Und Torgeir Vassvik hält sich nicht an stilistische Grenzen. Seine Musik wird von Einflüssen aus der ganzen Welt gespeist, den „Plätzen hinter den Gärten der Häuser“.

Das intensive Hören und Erhören der Umgebungslaute – das Raunen des Meeres, der Seufzer eines Bergs, der Atem eines neugeborenen Kindes, das Lied eines arktischen Vogels – alles davon ist lebendig und miteinander verbunden. Der Sámi-Joik gibt ihnen Ausdruck, er ist weit mehr ein Bewusstseinszustand der tief empfundenen Empathie, in ihm wird man zur Person, Tier, Pflanze, Gegenstand oder Zustand: „Nature is not an enemy, but a friend”, so Torgeir Vassvik, „we are nature, everything is connected.”

So reicht die Palette von einem Joik für Torgeirs Sohn Tao namens „The Bear Man“ über einen Osterjoik („Easter Joik Báiki“ – „Báiki“ ist der „Ort“ in der Sámi-Sprache), wo man sich trifft, um zu tanzen und zu feiern, eine Erinnerung an seine eigene Jugend („Den Snikende“) oder die Art, wie ein Geigenbogen einen Gong, die Saiten einer Violine, oder Torgeir selbst berührt („Bass, Bolle Og Metall“). Manche Stücke sind von den Vorfahren inspiriert, andere vom Wind, von Pferden, Seevögeln, klugen Schneeeulen und vom Klang, der sich mit Kleiderbügeln in einer Garderobe erzeugen lässt.

Ein Stück fällt durch seinen deutschen Titel auf: „Rosenrot“ hat aber wenig mit dem Grimm’schen Märchen zu tun, sondern mit einer Heilpflanze der Sámi, die bei uns als „Rosenwurz“ bekannt ist. Entstanden ist es durch Torgeirs gedankliche Beschäftigung mit der zwangsweisen Verschickung von Sámi-Kindern in Internate, wo sie als Teil staatlicher Norwegisierungs-Kampagnen ihre Sprache und Kultur vergessen sollten.

Neunzehn intensive Stücke lang, aufgenommen in Norwegen und Deutschland, hält Torgeir Vassvik die Hörer in seinem Bann. Zum Abschluss des Albums meldet sich dann die nächste, selbstbewusste Generation von Sámi-Musiker*innen zu Wort: Torgeirs Tochter Tuula mit einem Indie-Folk-Song. Sie ist Aktivistin für die Rechte der Sámi und anderer indigener Völker, schreibt und singt aber auch erste eigene Songs.

Der in Oslo lebende Klangkünstler Torgeir Vassvik ist einer der innovativsten Sámi-Musiker unserer Zeit. Er stammt ursprünglich aus Gamvik, dem nördlichsten Zipfel des europäischen Festlands.

Torgeir Vassvik

Seine Stimme ist wie ein Spiegel der nordischen Landschaft, und die animistische Vokaltradition des Joik hat den Musiker seit seiner Kindheit beeinflusst. Dazu kamen aber auch schon früh das Mandolinenspiel seines Vaters, verschiedene Indie-Rockgruppen, die er in seiner Jugend gründete, und eine breite Palette von Musikstilen von Folk, Jazz und klassischer Musik bis zu vielen anderen Genres aus der ganzen Welt. Mehrere Forschungsreisen brachten ihn nach Tuva, Südkorea, Japan, Ruanda und Kanada.

Neben seinen eigenen Veröffentlichungen arbeitet Torgeir Vassvik auch für das Theater, den Film und Tanzproduktionen sowie als Vermittler der Sámi-Kultur in Bildungsprojekten im In- und Ausland. Außerdem ist er als Aktivist für Umweltschutzprojekte und die Rechte der indigenen Völker weltweit tätig.

Text: OKWorld

jazz-fun.de meint:
Die Musik, die wir hier hören, ist voller Elan und großer Räume. Die einfachen Kompositionsformen, der Minimalismus und die Sparsamkeit des musikalischen Ausdrucks scheinen diese äußerst emotionale und ausdrucksstarke Musik nur noch leichter hörbar zu machen. Es ist nicht nur ein Dokument ethnischer samischer Musik, sondern vor allem haben wir es hier mit fast einer Stunde schöner Musik zu tun, von der man sich nur schwer losreißen kann.

  1. Easter Joik Báiki
  2. Den Snikende
  3. Dobro 1
  4. Joik
  5. The Bear Man
  6. Guitar 7
  7. Bass, Bolle Og Metall
  8. Rosenrot
  9. Eggsanking
  10. Guitar 10
  11. The Horse Is Passing By
  12. Dobro 3
  13. Internered 666
  14. Ein Lied
  15. Dobro 4
  16. A Place Behind The Gardens Of The Houses
  17. Guitar 12
  18. The Snowy Owl
  19. Dobro 6
  20. Tuula

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