Rezension des Albums "Cumulus" von Tovte

Tovte - Cumulus - Album cover
Tovte - Cumulus

Tovte
Cumulus

Erscheinungstermin: 19.06.2026
Label: Nußbaum Records, 2026

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Wie Wolken verändern auch Melodien ständig ihre Gestalt – und bleiben doch immer sie selbst

jazz-fun`s recap:

Manche Musik scheint sich mühelos zu bewegen. Sie verändert ihre Richtung, nimmt neue Farben an und bleibt dabei immer leicht und natürlich. Genau dieses Gefühl prägt Cumulus, das neue Album von Tovte.

Nach dem für den Preis der deutschen Schallplattenkritik nominierten Vorgänger Bukovina widmet sich das Ensemble diesmal den unterschiedlichsten Erscheinungsformen von Wetter und Wolken. Titel wie Cirrus, Mistral, Nebulae oder Aiolos dienen dabei jedoch nicht als bloße Programmmusik. Vielmehr spiegeln sie eine Musik wider, die ständig in Bewegung bleibt und sich ebenso frei entwickelt wie die Natur, auf die sie sich bezieht.

Musikalisch verbindet Tovte Einflüsse aus dem Balkan, der Klezmertradition, europäischer Folklore, Minimal Music und modernem Jazz zu einer ganz eigenen Klangsprache. Das geschieht mit bemerkenswerter Selbstverständlichkeit. Keine Stilrichtung dominiert die andere, vielmehr entstehen fließende Übergänge, die den Kompositionen eine natürliche Lebendigkeit verleihen.

Besonders reizvoll ist die Atmosphäre des Albums. Viele Stücke strahlen eine helle, beinahe sonnige Leichtigkeit aus, andere öffnen Räume für lyrische Melancholie, feine Nostalgie oder stille Romantik. Trotz dieser unterschiedlichen Stimmungen wirkt das Album jederzeit geschlossen und folgt einer klar erkennbaren musikalischen Handschrift.

Auch die Arrangements tragen wesentlich dazu bei. Immer wieder treten einzelne Instrumente in den Vordergrund und prägen den Charakter der jeweiligen Komposition. So verleiht der Klarinettenton von „Paquito“ dem Stück mit seinen Anklängen an den Latin Jazz eine besondere Leuchtkraft und erinnert zugleich an den großen Paquito D’Rivera. In „Brücke bei Nacht“ hingegen entfaltet die Gitarre eine dichte, fast schwebende Klanglandschaft, die einen reizvollen Kontrast zu den rhythmisch bewegteren Passagen des Albums bildet.

Die ungeraden Grooves und die zahlreichen improvisatorischen Freiräume sorgen zusätzlich dafür, dass die Musik niemals statisch wirkt. Sie bleibt ständig in Bewegung und bewahrt dennoch ihre melodische Zugänglichkeit. Gerade diese Verbindung aus rhythmischer Raffinesse und eingängigen Themen macht Cumulus zu einem Album, das sowohl unmittelbar Freude bereitet als auch bei wiederholtem Hören immer neue Details offenbart.

Mit Cumulus gelingt Tovte ein ebenso farbenreiches wie stimmiges Album. Es verbindet musikalische Traditionen mit zeitgenössischer Offenheit und entwickelt daraus eine Klangwelt voller Wärme, Fantasie und Lebensfreude. Ein Album, das den Hörer mit Leichtigkeit durch unterschiedlichste musikalische Landschaften trägt.

(Jacek Brun, 18.07.2026)

Besetzung

Tobias Gubesch - Klarinette
Nathalie Litzner - Bratsche
Anna Neubert - Violine
Leonhard Spies - Gitarre
Silas Eifler - Kontrabass

Titelliste

  1. Nuvole
  2. Mistral
  3. Paquito
  4. Nebulae
  5. Passate
  6. Cirrus
  7. Cumulus
  8. Brücke bei Nacht
  9. Wetterleuchten
  10. Notos
  11. Aiolos
  12. Blaue Stunde
  13. Stroboskop

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