Tryon - Freaky Squash Baby

Tryon - Freaky Squash Baby
Tryon - Freaky Squash Baby

Tryon
Freaky Squash Baby

Erscheinungstermin: 25.08.2023
Label: Double Moon, 2023

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Jasper Stadhouders - Guitar
Kiki Manders - Vocals
Edith Steyer - Clarine
Kellen Mills - Bass
Martial Frenzel - Drums
Grgur Savic - Alto Saxophone
Eliad Wagner - Electronics
Antti Virtaranta - Double bass
Erik Leuthäuser - Vocals
Mirna Bogdanovic - Vocals
Taiko Saito - Marimba
Karen Ng - Alto Saxophone
Rieko Okuda - Piano
Tilmann Dehnhard - Flute
Jacopo Bazzarri - tubular bells, glockenspiel
Philipp Gropper - Tenor Saxophone
Oli Steidle - Drums
Dovydas Stalmokas - Bariton Saxophone

Wie schon auf dem Debütalbum Läuterung ist das Tryon-Universum auch auf dem zweiten Werk Freaky Squash Baby schier grenzenlos. Zu den Einflüssen des amerikanischen Bassisten Kellen Tryon Mills, der die Band leitet und alle Stücke geschrieben hat, zählen Strawinsky, Ligeti, Bartok und Schönberg, aber eben auch Frank Zappa - und hier sogar das versponnene Spätwerk „Civilization Phaze III“, das selbst bei eingefleischten Zappa-Fans oft auf Widerwillen stößt.

Aber es ist die Inkarnation der Mothers of Invention aus den frühen Siebzigern, nach denen Tryon oft klingt, und die Ruth Underwood von heute heißt Taiko Saito - die japanische Marimba-Virtuosin hat gerade den Berliner Jazzpreis bekommen und prägt den Sound von Tryon wie Underwood den der Mothers. Die Parallelen ließen sich noch weiter spinnen - so ist die Pianistin Rieko Okuda die Wiedergängerin von George Duke -, aber wir wollen uns nicht auf den Zappa-Einfluss beschränken.

Dafür ist Freaky Squash Baby einfach zu vielfältig. Mills, der seit Jahren in Berlin lebt, hat hier Musikerinnen und Musiker gefunden, die seine hochkomplexe Musik nicht nur umsetzen, sondern auch mit Leben füllen können. Dazu gehören die Sängerinnen Kiki Manders, Mirna Bogdanovic und Erik Leuthäuser, die Saxofonisten Grgur Savic, Philipp Gropper und Dovydas Stalmokas, der Gitarrist Jasper Stadhouders, der Bassist Antti Virtaranta und die Schlagzeuger Martial Frenzel und Oli Steidle. Hinzu kommen Gäste wie die Klarinettistin Edith Steyer, der Flötist Tilmann Dehnhard und die Altistin Karen Ng. „Die Musik ist einfach sehr komplex“, seufzt Mills, „deshalb dachte ich, dass es besser wäre, wenn sich zwei Musiker die Arbeit am Schlagzeug teilen würden.

Und in der Tat war es eine Herausforderung für Martial und Oli, sich darauf einzuspielen, aber natürlich haben sie es geschafft - schließlich sind sie hervorragende Improvisatoren“. In nur drei Monaten hat Mills die acht Songs geschrieben und aufgenommen - diesmal hat Kiki Manders die Leadvocals übernommen, während Erik und Mirna hauptsächlich Background singen. „Ich wollte auf diesem Album eine weibliche Stimme, die die Songs trägt“, erklärt Mills. Der Titelsong bezieht sich auf eine Science-Fiction-Geschichte, in der es um Kreuzungen zwischen Mensch und Gemüse geht - man denkt an "Call Any Vegetable" von einem gewissen Frank Zappa -, in "The Foot" geht es um eine Drogensüchtige - man denkt an Zappas "Stinkfoot" -, und "Little Dicktators" spekuliert darüber, dass politische Tyrannen, die Krieg führen, oft einen kleinen Penis haben - unwillkürlich erinnert man sich an Zappa-Alben wie "Joe's Garage" oder "The Man from Utopia". „Ich bin mit Prog-Rock aufgewachsen“, grinst Mills.

„Viele Jazzmusiker von heute kennen das gar nicht. Halsbrecherische Tempowechsel, der Ritt durch eine Galaxie von Harmonien und Texte, die durchaus politische Anliegen transportieren - in "Soup is Healing" geht es auch um Sucht, psychische Probleme und den Umgang damit - machen Tryon zu einem großen Vergnügen, bei dem man unbedingt den Kopf einschalten sollte. „Es gibt so viele tolle Musiker in Berlin, die Crossover-Potenzial haben und mein Zeug spielen können“, freut sich Mills, der einst mit der Prog-Rock-Band Alex’s Hand zu Ruhm und Ehre kam.

„Aber die meisten bleiben lieber in ihrem Impro-Kiez. Musiker aus Berlin-Mitte oder Prenzlauer Berg trifft man so gut wie nie bei Konzerten, die zum Beispiel in Oberschöneweide stattfinden - der Weg zu ‚Jazz am Kaisersteg‘ ist vielen einfach zu weit. Das finde ich ziemlich irritierend, um es mal vorsichtig auszudrücken. Wie der Berliner an sich, so genügt sich auch der Berliner Jazzmusiker selbst - Freaky Squash Baby hingegen versammelt die Kosmopoliten, die Lust haben, Risiken einzugehen und neue Welten zu erobern.

Text: Double Moon

jazz-fun.de meint:
Nicht nur musikalisch ein sehr interessantes Album. Überraschende Stilmittel lassen keine Langeweile aufkommen, von Track zu Track gibt es neue Klänge und künstlerische Ansätze. Die Tryon-Künstler zeigen uns, dass hier nichts so einfach und klar ist, wie es scheint, dass alles in jedem Moment passieren kann... oder auch nicht... Ein großartiges Album, wir sind begeistert!

  1. Aunt B
  2. Freaky Squash Baby
  3. Patterns
  4. A Sparkle At Night In Berlin
  5. The Foot
  6. Skeetyr Syndrome
  7. Little Dicktators
  8. Soup Is Healing

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